Collage: Filme die an stillen Feiertagen verboten sind. Im Uhrzeigersinn: Terminator, Bierfest, Anatomie,Diti der Doppelgänger, Lammbock, Top Gun) (Quelle: dpa/KPA,Columbia Pictures, United Archives, Imago)
Audio: RadioBerlin 88,8 | 29.03.2018 | Ulrike Bieritz | Bild: dpa/KPA,Columbia Pictures, United Archives, Imago

"Das Leben des Brian", "Lammbock" und "Heidi" - Diese 700 Filme sind an Karfreitag verboten

Am stillen Feiertag Karfreitag gilt neben dem Tanzverbot auch ein Filmverbot. Mehr als 700 Produktionen dürfen nicht öffentlich gezeigt werden. Neben aufrüttelnden Horror-Streifen verstecken sich auch einige ganz unverfängliche Filme auf der Liste.

Weder Tanz noch Musik, kein Sport und kein Spaß, Gott will es so, interpretiert die Kirche. An Karfreitag soll der Kreuzigung Jesu gedacht werden - und zwar abstinent und ruhig.

Kein anderer Tag ist so still, auch wenn es etwa in Hessen 15 solch lautloser Feiertage gibt, darunter auch Neujahr. Doch die zahlreichen Verbote am Karfreitag wurden in den vergangenen Jahren zunehmend gelockert und sind auch weiterhin umstritten.

Was die Debatten angeht, kehrt also keine Ruhe ein. So erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, er habe kein Verständnis für die Diskussionen. An das Leiden Jesu zu erinnern, sei "ein wichtiges Kulturgut" - auch jenseits der Religion.

Doch was viele nicht wissen: Nicht nur beim Tanz, Konzertbesuch und Anfeuern seines Sportteams würde man sündigen, das ist deshalb alles untersagt. Auch im Kino lauert die Gefahr. Rund 700 Spielfilme werden an stillen Feiertagen nicht öffentlich gezeigt.

Auch Bud Spencer, Terence Hill und Louis de Funès stören die Ruhe

Bereits seit 1952 entscheiden die Prüfgremien der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), ob ein Film an den stillen Feiertagen vorgeführt werden darf oder eben nicht. "Filme, die dem Charakter dieser Feiertage so sehr widersprechen, dass eine Verletzung des religiösen und sittlichen Empfindens zu befürchten ist", erhalten laut Innformationen der FSK keine Feiertagsfreigabe.

Die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) hat vor zwei Jahren eine Liste aller Kino-Spielfilme veröffentlicht, die zwischen 1980 und 2015 keine Freigabe für stille Feiertage erhielten. Die gilt neben dem Karfreitag auch für den Volkstrauertag und den Totensonntag, sowie in manchen Bundesländern auch Allerheiligen.

Dabei fallen zwei Dinge auf: Zum einen finden sich auf der Liste zahlreiche Horror- und Exzess-Filme, die durchaus die Ruhe des stillen Feiertags stören könnten: "Blutrausch der Zombies", "Knochenbrecher schlägt wieder zu", "Supervixens" oder "Bierfest". Zum anderen sind aber auch sehr viele krawallferne Produktionen, vor allem aus den 1980er Jahren, verboten. Das rührt daher, dass die Filmverleihe die Freigabe für die stillen Feiertage früher genauso beantragen mussten wie die für Jugendliche - etwas, was viele Verleihe lange Zeit schlicht nicht beachtet haben.

Deshalb stehen auf der verbotenen Liste auch "Piratensender Powerplay" mit Thomas Gottschalk, "Didi - Der Doppelgänger" mit Dieter Hallervorden oder mehrere Filme mit Bud Spencer und Terence Hill oder Louis de Funès. Also bitte nicht lachen.

Fehler bei "Mary Poppins" und der "Feuerzangenbowle"

Noch seltsamer wirkt es, dass 1995 der Kinder-Klassiker "Mary Poppins" verboten wurde. Zwar besitzt der Disney-Film viele Musical-Elemente, doch das scheint sonst kein grundsätzliches Verbotskriterium zu sein. Die SPIO erklärt, dass es - neben Übertragefehlern aus einer Datenbank - schon vorkam, dass Filme ursprünglich nicht feiertagsfrei gegeben wurden, dann nach Wiedervorlage bei der FSK eine Feiertagsfreigabe erhielten, bei der Erstellung der Liste jedoch versehentlich das ursprüngliche Datenfeld ausgelesen wurde.

Das soll der Grund sowohl für das Auftauchen von "Mary Poppins" als auch der "Feuerzangenbowle" sein, aber auch noch bei einigen weiteren Filmen.

Zahl der jährlichen Verbote sinkt deutlich

Die Zahl der verbotenen Filme sinkt übrigens seit Jahren, seitdem das Verfahren so gestaltet wurde, dass Filmverleiher zusammen mit der Jugendfreigabe immer auch die stillen Tage beantragen. Waren es in den 1950er und 1960er Jahren noch fast zwei Drittel aller Filme, sind seit dem Jahr 2000 nur noch etwa ein Prozent nicht freigegeben worden. Einer davon war der Kinderfilm „Heidi in den Bergen", bei dem die explizite Feiertagsfreigabe noch vergessen wurde - seit der Umstellung können solche Filme eigentlich nicht mehr auf die Liste geraten.

Wie beliebig die Liste am Ende wirkt, zeigt sich auch daran, dass von einigen Horror-Filmreihen einzelne Teile verboten sind, etwa "Final Destination 5" oder "Saw IV", andere aber nicht. Und dann wiederum die Action-Blockbuster "Top Gun" oder "Terminator" sowie einzelne "Police Academy"-Teile nicht freigegeben sind.

Und dann ist da noch "Das Leben des Brian"

Eine Besonderheit ist der Monty-Python-Film "Das Leben des Brian" - der Inbegriff der verfilmten Gotteslästerung, eine 94-minütige Provokation religiöser Gruppen, die zu Aufführungsboykotten und -verboten selbst in den Vereinigten Staaten und Großbritannien führte.

Obwohl der Vorwurf der Blasphemie von praktisch allen Seiten entkräftet wurde und der Film mittlerweile - gerade bei Atheisten - Kultstatus genießt, ist er bei Christen nach wie vor umstritten. Zur allgemeinen Wahrung des Karfreitags-Friedens wird die Satire deshalb wohl noch lange auf der Liste verbleiben - auch wenn die Initiative "Religionsfrei im Revier" um den Rentner Martin Budich ihn als Provokation jährlich an Karfreitag im Bochumer Café Riff zeigt. In diesem Jahr bekam er sogar eine Ausnahmegenehmigung.

Hier finden Sie eine Übersicht aller an stillen Feiertagen verbotenen Spielfilme:

[Externer Link zu der veröffentlichten Liste der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft SPIO]

Anmerkung in eigener Sache: In einer ersten Version dieses Beitrags konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Feiertagsfreigabe auch für das Fernsehen gilt. Sie bezieht sich aber auf öffentliche Vorführungen, also insbesondere das Kino. Wir haben das nun deutlicher hervorgehoben. "Für den Rundfunk, den Verkauf von DVD/Blu-rays oder Online-Dienste bestehen hingegen keine entsprechenden Regelungen", heißt es auf der Webseite der FSK.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

50 Kommentare

  1. 50.

    Ein Berliner kirchlicher Radiosender hat ohne Ende Werbeschleifen für kommerzielle Produkte (!) gebracht, Ostern scheint selbst an der Basis nicht wichtig zu sein.

  2. 49.

    Im Babylon Mitte wurde am Freitag "Life of Brian" gezeigt und die bekannten Tanzschuppen hatten auch allesamt geöffnet.
    Es scheint sich wohl also eher um eine Empfehlung als um ein Verbot zu handeln, insofern alles halb so wild.

  3. 48.

    Was heißt die Achtlosigkeit macht Sie Sprachlos? Andere Religionen achten unsere Feiertage auch nicht. Wenn mir am Karfreitag danach ist, einen krassen Horrorfilm zu sehen oder auf dem Tischen zu tanzen hat das noch nichts mit meinem Glauben zu tun oder?

  4. 47.

    Wer aus welchen Gründen auch immer nicht tanzen, oder bestimmte Filme nicht sehen wlil, der soll und darf das auch, aber niemand sollte dazu gezwungen werden.
    Glaubensfreiheit ist auch die Freiheit nicht zu glauben.

  5. 46.

    Willkommen im Jahr 2018!

  6. 45.

    Ich kann hier einigen Kommentatoren nur gratulieren. Sie haben gerade hervorragend die Abschaffung aller christlichen Feiertage im Allgemeinen und des Karfreitags im Besonderen begründet.

  7. 44.

    Das ist so verlogen wie falsch. Wir sollen des Leidens Christi gedenken. Wie wär‘s, wenn wir mal des Leidens gedenken, das deutsche Waffen aktuell weltweit verursachen? Oder der Menschen in Südafrika, denen Nestlé sauberes Trinkwasser wegnimmt, um es hier extrem teuer in Plastikflaschen zu verkaufen? Ich jedenfalls wäre zufriedener, wenn dieses Unrecht aus der Welt wäre, denn es ist der menschlichen Zivilisation einfach unwürdig.

  8. 43.

    Religion gegenüber staatliches und Wirtschaft müssen ebenso untereinander zur Reliogion getrennt werden, wie es die Demokratie und der freien Entfaltungswillen jedes Einzelnen, aber auch der Gemeinschaft nach Grundgesetz und anderen rechtlichen Grundsätzen zur freien Wahl tun müssten. Die Gesetze sind da, der Willen der Kirchen aber nicht. In Frankreich sind Staat und Religion vollständig von einander getrennt, in Deutschland werden Steuergelder für die über sehr hohen "Gehälter" von Kirchenoberen VERSCHWENDET! Das wird nicht aus der Kirchensteuer alles gezahlt. Ich weiß das sehr genau, da ich längere Zeit in entsprechendes Finanzstelle der kathol. Kirche tätig war und dort auch sah, wie die Finanzämter hier zum Einzug ausstehender Kirchensteuern als Inkassobüro der Kirche missbraucht wurden und wie sie dabei vorgingen. Relogion hat sich nicht in die Rechte des Einzelnen einzumischen und etwas zu verbieten!

  9. 42.

    Der Grund dafür liegt bei der aktuell sehr angesagten Religion namens Kapitalismus. Dort haben klassische Werte keinen Wert und sind somit am Aussterben. Um diese Werte wiederzubeleben braucht es aber keine klassischen Religionen,denn diese Werte machen den Menschen im wesentlichen aus. Man muss sie einfach nur wertschätzen.

    Ansonsten wusste ich gar nicht,dass es solch ein Verbot gibt. Da sieht man mal,wieviel Einfluss Religion noch hat. Obwohl das im Osten sicher eh kaum einen interessiert.

  10. 41.

    Hat sich mal jemand die Liste angeschaut? Das ist schon lustig: "Louis, der Spaghettikoch", "Didi Hallervorden - Alles im Eimer", "Piratensender Powerplay". Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es darum, dass diese Filme am Karfreitag nicht öffentlich gezeigt werden dürfen. Dafür ist mir das Geschrei mit "Zensur" etwas zu laut. Im übrigen würde es mich nicht wundern, wenn viele, die hier gegen die Kirche wettern, sich anderswo gerne auf das christliche Abendland berufen - z.B. in der Islam-Debatte.

  11. 40.

    Der Einfluss von v.a. katholischer Kirche auf öffentliche Aufführungen wird immerhin thematisiert. Weitreichende Beschneidungen anderer grundsätzlicher Rechtsbestimmungen, wie Arbeitnehmerfreizügigkeit, Streikrecht, Berufswahl, Netzwerke von dominanten christlichen Arbeitgeberverbänden, eigene Datenschutzregelungen werden hingegen eher nicht sonderlich thematisiert. Daher sind Osterfeiertage doch eigentlich ein konkreter Anlass über die, diplomatisch ausgedrückt, bei weitem unvollständige Umsetzung von Laizismus nachzudenken, aber bitteschön mit Respekt gegenüber religiösen Menschen, ohne Beleidigungen etc. Denn sonst handelt man ja nicht anders, als die FSK - anderen etwas vorschreibend.

    Das ändert nichts daran, dass man gerade an solchen Tagen "Alien", "Aliens" (Königin = Osterhäsin? :D) oder etwas anderes Passendes mit wiederkehrenden Toten vorführen könnte - oder nicht. Wieso anderen vorschreiben, wie man zu leben hat, mal abgesehen von Demokratie, Menschenrechten?

  12. 39.

    unisonoBrieselang-Ich nehme mal an an Karfreitag tanzen sie dann ihren Namen.
    Da werden Filme verboten ,aber im Internet kann ich Orgien,Kettensägenmassaker oder andere Schauerliche Dinge schauen.
    Verbote sind also so guuuuuut - schließen sie sich im Keller ein.Wir leben im Jahre 2018.

  13. 37.

    Nette Kommentare. Mir fallen nur drei Dinge dazu ein : 1 In Deutschland gibt es keine Zensur (Grundgesetz)2 religiöser Glaube, egal welcher Art, bringt hauptsächlich Leid und Elend in die Welt (siehe aktuell die täglichen Nachrichten, geschichtlich z.B. die Kreuzzüge samt Inquisition, und auch schon nach dem alten Geschichtenbuch prügelte man sich zu Jesu Zeiten im israelisch / palästinensischen Raum schon seit Anbeginn der Zeit) 3 Erst das globale Verbot von öffentlichem Bekenntnis zu bzw. öffentlicher Ausübung einer Religion wird Ruhe in die Menschheit bringen (privat und zu Hause kann ja jeder in Ruhe glauben, was er mag).

  14. 36.

    Also ich lese aus dem Artikel nicht Pro-Reli raus sondern eher Ironie. Trotzdem sind die meisten Kommentare richtig, ausser unisonum . Der hats nicht kappiert.

  15. 35.

    Ich finde diese Verbote richtig, der Kommentar einiger User ist mitunter unter aller Würde.KARFEITAG ist und bleibt ein besonders hoher Feiertag
    Die Achtlosigkeit mancher Bürger macht mich manchmal sprachlos

  16. 34.

    Eine auf ein Stück Holz genagelte Leiche ist doch ein wundervolles Symbol, dazu noch eierlegende Hasen. Für alle Christen zur Erbauung: 4.Mose 31.2, besonders hübsch ab 31.14.
    Das Buch Hiob ist auch ganz hübsch, da piesackt der liebe Gott wg. einer Wette mit dem Satan seinen treuesten Fan und bringt seine Familie um.
    Von den Fällen sexuellen Mißbrauchs dieser Bevormunder mal gar nicht zu reden.
    Ich laß mich gern zensieren von Leuten ohne Sachkenntnis, dafür aber mit festem ideologischem geistigen Rüstzeug.

  17. 33.

    Die Filme werden einmalig geprüft, wie bei der Jugendfreigabe. Diese Einschätzung gilt dann bis jemand eine neuerliche Prüfung beantragt. Das passiert ja mitunter auch, um Filme auch in Sachen Jugendfreigabe noch einmal neu zu bewerten. Insofern gelten die Feiertagsfreigaben nicht nur für das betreffende Jahr, sondern dauerhaft, wobei die meisten Kinofilme natürlich nur im Jahr ihrer Erscheinung öffentlich gezeigt werden.

  18. 31.

    Liebe Redakteurinnen, lieber Mitarbeiterinnen des Ministeriums für Wahrheit.

    Diese Nachrichten, die ich wiedergegeben habe, stammen alle aus der Tagesschau oder aus der weltweit anerkannten Geschichtsschreibung. Wenn Sie so was nicht veröffentlichen können, was dann?

    Religion ist Skalverei, Selbstzensur auch.

Das könnte Sie auch interessieren