Oscar Gewinner Gerd Nefzer mit seiner Frau Regina Nefzer. (Quelle:dpa7Hubert Boesl)
Video: Aktuell | 05.03.2018 | Bild: dpa

Gerd Nefzer für "Blade Runner 2049" - Potsdamer Special-Effects-Künstler gewinnt Oscar

Ein Deutscher hat einen Oscar gewonnen: Gerd Nefzer, Special-Effects-Künstler aus Potsdam. Er sorgte dafür, dass Harrison Ford und Ryan Gosling am Set mit echtem Wind, Regen oder Nebel kämpfen mussten.

Gerd Nefzer hat in der Nacht zu Montag in Los Angeles einen Oscar für die visuellen Effekte in "Blade Runner 2049" gewonnen. Mit seiner Special-Effects-Firma aus Potsdam stellte er das Wetter in dem Actionfilm her.

So sorgte er dafür, dass Harrison Ford und Ryan Gosling am Set mit Wind, Regen oder Nebel kämpfen mussten.

Oscar erst nach Babelsberg, dann nach Schwäbisch Hall

Mit "Dankeschön Germany, thank you, great!" bedankte sich Nefzer am frühen Morgen deutscher Zeit für die Auszeichnung. Im rbb war am Morgen ein sehr glücklicher Nefzer zu hören: "Ein supertoller Moment. Den werde ich nie vergessen", sagte er. Ein bisschen habe er zwar damit gerechnet, dass er und sein Team den Oscar gewinnen werden. Trotzdem sei es im Moment der Verkündung eine "Riesenüberraschung und einfach eine riesige Freude" gewesen.

Den Oscar wolle er zunächst ins Studio Babelsberg mitnehmen, damit jeder im Team sie einmal anfassen könne. Denn "das habe ich nicht alleine geschafft, sondern da gehört eine Riesentruppe dazu, die mitgearbeitet hat", so der Künstler. Dann jedoch will er den Goldjungen in seinen Heimatort nach Schwäbisch Hall bringen.

"Bis jetzt kann ich es noch nicht richtig begreifen. Es dauert vielleicht noch einen Tag oder so, bis man wirklich weiß, was einem das bedeutet oder was das wert ist. Schaumamal", sagte Nefzer im rbb.

Grütters: "Deutschland produziert auf Weltniveau"

CDU-Kulturstaatsministerin Monika Grütters gratulierte dem deutschen Spezial-Effekte-Künstler Gerd Nefzer zum Oscar-Gewinn. "Der Oscar ist ein großartiger Erfolg für Gerd Nefzer und seine Mitstreiter. Er ist aber auch ein wichtiges Ausrufezeichen für den Filmstandort Deutschland und seine hervorragend qualifizierten Filmschaffenden", erklärte Grütters am Montag. "Dass Gerd Nefzer den weltweit wichtigsten Filmpreis gerade in der Kategorie visuelle Effekte gewonnen hat, belegt das Weltniveau, mit dem in Deutschland produziert wird."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bezeichnete den Oscar-Gewinn als sensationellen und großartigen Erfolg für den Filmstandort. Die Auszeichnung belohne zudem den hohen Standard der technischen Berufe am Filmstandort Potsdam-Babelsberg.

"Ein Babelsberger Urgestein"

Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sprach von einem "verdienten Preis für den ‚Wettermacher‘ dieses spannenden Science Fiction-Films". Es sei immer wieder beeindruckend zu sehen, "auf welch hohem Niveau Potsdamer Filmschaffende arbeiten", sagte Jakobs laut einer am Montag verbreiteten Mitteilung. "Der Oscar ist gut für den Filmstandort Babelsberg und er ist auch gut für die Landeshauptstadt."

Auch das Studio Babelsberg gratulierte. "Gerd Nefzer ist ein Babelsberger Urgestein – seit über 20 Jahren haben wir eine gemeinsame Firma auf dem Studiogelände", hieß es. Nefzer habe an unzähligen deutschen und internationalen Produktionen mitgewirkt und "das Know-how aus Babelsberg in die Welt getragen", so Vorstandschef Christoph Fisser am Montag. "Toll, dass wir auch bei unserer aktuellen Produktion auf die Erfahrung und Kompetenz von Gerd und seinem erstklassigen Team zählen können."

Wasserbecken 50 mal 50 Meter

"Blade Runner 2049", für den unter anderem Nefzer den Oscar gewann, ist die Fortsetzung des Blockbusters aus den Achtzigern. Für den Film hat der 52-Jährige auch ein Wasserbecken hergestellt, in dem Ford versinkt - es ist in etwa 50 mal 50 Meter groß. Auch kleine Lagerfeuer und große Brände sind dabei.

Richard R. Hoover, Paul Lambert, Gerd Nefzer (3. v. l.) und John Nelson, Gewinner des Oscars in der Kathegorie - Best Visaul Effects - für den Film <<Blade Runner 2049>>. (Quelle: imago/Arorizo)
Gewinner des Oscars für besten visuellen Effekte: Richard Hoover, Paul Lambert, Gerd Nefzer and John Nelson | Bild: imago/Arorizo

Nefzer stieg in den 1980er Jahren in die Firma seine Schwiegervaters, "Nefzer Special Effects", ein. Dieser hatte sie 1968 im baden-württembergischen Schwäbisch Hall gegründet. Nach der Wende gründeten die Nefzers eine Filiale in Potsdam-Babelsberg.

Neben den besten Visualeffekten erhielt der Film "Blade Runner 2049" auch den Oscar für die beste Kamera.

Berliner Regisseure gehen leer aus

Auch die beiden in Berlin lebenden Regisseure Jakob Schuh und Jan Lachauer waren für einen Oscar nominiert. Ihr Trickfilm "Revolting Rhymes" ging jedoch leer aus.

Bester Film bei der 90. Oscarverleihung wurde "The Shape of Water" von Regisseur Guillermo del Toro, der auch für die beste Regie geehrt wurde. Insgesamt erhielt der Film vier Oscars. Er war 13-fach nominiert worden. [mehr bei tagesschau.de]

Bester fremdsprachiger Film wurde "A Fantastic Woman", eine chilenisch-deutsch-amerikanische Koproduktion. Regisseur Sebastián Lelio hatte den Film erstmals auf der Berlinale 2017 gezeigt. Zusammen mit Gonzalo Maza erhielt er dort den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Auch "Körper und Seele" von der Ungarin Ildikó Enyedi, der im selben Jahr den Goldenen Bären gewann, war als bester fremdsprachiger Film nominiert.

Hinweis: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, zwei Deutsche seien mit einem Oscar ausgezeichnet worden. Das ist falsch. Gerd Nefzer war in diesem Jahr der einzige. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Auch von mir aus Gratulation. Nun muß ich nur noch sein Werk begutachten.

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