Intendant Jürgen Flimm bei der Fotoprobe der Eröffnungspremiere der Staatsoper Unter den Linden "Zum Augenblicke sagen: Verweile doch!" (Quelle: imago/Thomas Bartilla)
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Audio: Inforadio | 28.03.2018 | Jens Lehmann | Bild: imago/Thomas Bartilla

Jürgen Flimms Amt an der Staatsoper endet - Der Intendant der Umbauzeit geht

Seit acht Jahren ist Jürgen Flimm Intendant der Staatsoper Berlin, doch im Stammhaus Unter den Linden hat er kaum gearbeitet. Seine Wirkungsstätte war das Ersatzquartier im Schillertheater. Am Osterwochenende endet Flimms Amtszeit.

Die Amtszeit von Intendant Jürgen Flimm an der Staatsoper Berlin geht am Samstag offiziell zu Ende. Vor acht Jahren hatte der Schauspieler und Regisseur die Leitung des Hauses übernommen, quasi als Intendant des Übergangs. Denn 2010 zog die Staatsoper wegen der Sanierung des Stammhauses Unter den Linden ins Schillertheater in Charlottenburg.

"Eine wunderbare, eine wilde Zeit"

Mit Flimm gehe ein Kapitän an Bord, der das Schiff Staatsoper in guter Zusammenarbeit mit Generalmusikdirektor Daniel Barenboim sicher durch die Zeit der Sanierung steuern werde, war sich der damalige Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) sicher. Flimm werde mit der Wiedereröffnung im Herbst 2013 "einen fulminanten Neustart" hinlegen. Mit der guten Zusammenarbeit hatte Wowereit recht, Flimm bezeichnete seine Beziehung zu Barenboim als "freundschaftlich". Doch mit dem Termin für den Neustart lag der Regierende total falsch: Die Sanierung des Operngebäudes zog sich noch vier weitere Jahre hin. Und so verlängerte sich auch Flimms Amtszeit.

Das Schillertheater nutzte der Intendant für Experimente, Flimm nahm moderne Stücke ins Repertoire und gründete das Festival "Infektion" für die Opern-Avantgarde. Die Kritiker waren wenig begeistert: zu seicht, zu populistisch seien seine Premieren. Das Publikum aber kam in Scharen. Und Barenboim lobte, der Intendant habe aus dem kleinen Schillertheater, "der ungeliebten Zwischenlösung, ein Zentrum des europäischen Musiktheaters gemacht". Flimm könne voller Stolz auf das zurückblicken, was er erreicht habe. "Es war eine wunderbare, eine wilde Zeit, die wir gemeinsam hatten, und die mir stets in lieber Erinnerung bleiben wird."

Matthias Schulz, designierter Intendant, spricht am 15.03.2018 bei der Jahrespressekonferenz der Staatsoper Unter den Linden. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Der neue Intendant ist gar nicht mehr so neu: Matthias Schulz | Bild: dpa/Britta Pedersen

Nachfolger Schulz ist schon eingearbeitet

Diese "wilde Zeit" im Schillertheater ging 2017 schließlich doch zu Ende. Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, wurde die Staatsoper Unter den Linden feierlich wiedereröffnet. Die Gesamtkosten waren von den ursprünglich geplanten 239 Millionen auf fast 440 Millionen Euro gestiegen. Die immer neuen Probleme beim Umbau verglich Flimm mit Fußpilz: "Es juckt und Sie wissen nicht, woher es kommt und Sie wissen nicht, wie es weggeht. Das ist schlimm." 

Ab dem 1. April übernimmt Kulturmanager Matthias Schulz die Leitung des Hauses. Schulz kommt vom Mozarteum in Salzburg und hat sich die letzten zwei Jahre als Co-Intendant eingearbeitet. So ganz verabschiedet sich sein Vorgänger Flimm nicht von der Staatsoper. Der 76-Jährige bleibe der Berliner Bühne als Regisseur erhalten, teilte die Staatsoper am Donnerstag mit.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Mindestens die Hälfte der Belegschaft ist froh das er weg ist !

    Das letzte Jahr war eine Zumutung für die Mitarbeiter|innen

  2. 1.

    "Eine wunderbare, eine wilde Zeit"
    Schön wär es gewesen, leider war es eher eine bleierne Zeit. Aber die die ständig beschworene Freundschaft mit Barenboim und so weiter, alles war ja so beglückend....

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