Vier Jugendliche stehen auf der Bühne im Theaterstück #BerlinBerlin (Quelle: Theater Strahl)
Audio: Inforadio | 14.03.2018 | Ute Büsing | Bild: Theater Strahl

Theaterkritik | Theater Strahl - "#BerlinBerlin" beschwört den Geist der Teilung

Trennung von Familien, zwei deutsche Lebenswelten - die Geschichte der Berliner Mauer verblasst. "#BerlinBerlin" im Theater Strahl ruft das Gefühl der Teilung wieder ins Gedächtnis - vor allem für Jugendliche. Von Ute Büsing

Wie war das noch mal mit der Mauer und der Freiheit? Wo war drinnen, wo draußen? Das fragen sich zwei jugendliche Mauerspringer mit "Happy New Year 2099" auf dem T-Shirt. Für alle, die beim Mauerbau 1961 und dem Mauerfall 1989 nicht dabei waren, hat das Theater Strahl von vier Autoren aus Ost und West eine Geschichtsrevue schreiben lassen.

"#BerlinBerlin" vermittelt in demonstrativen, vielfältig nutzbaren Mauerversatzstücken den Zeitgeist der umzingelten Phase der Stadt. Mit live gecoverten Songs von den Beatles, Nina Hagen, Ton, Stein, Scherben, den Puhdys und Bruce Springsteen.

Eine Szene aus dem Theaterstück #BerlinBerlin - drei Jugendliche lachend vor Mauerblöcken (Quelle: Theater Strahl)
EIne Szene aus #BerlinBerlin | Bild: Theater Strahl

Alltag getrennter Familien gegeneinandergestellt

Im Mittelpunkt steht Ingo, der im Osten aufwächst, weil sein Vater zur Zeit des Mauerbaus auf West-Maloche war. Der die Ost-Familie dann auch ganz schnell vergisst, im Westen eine neue gründet und zum Zone-Hasser wird.

Mit viel Retro-Look wird der Alltag der getrennten Familienhälften gegeneinander gestellt. Ganz schön brav für heutige Verhältnisse geht es auf beiden Seiten zu. Wie in einer Chronik werden wichtige Geschichtsdaten wie die Zerschlagung des Prager Frühlings, die Gewerkschafsbewegung in Polen, die Häuserkämpfe in West-Berlin, aufgeblättert. Ingo und die Seinen im Osten gucken West-Fernsehen und tragen Jeans. Vaters neue West-Töchter kommen in den antiautoritären Kinderladen. Eine schwärmt sogar von der DDR als "besserem Deutschland".

Chöre wie Nachdenkblocks

Das Hin- und Her zwischen den beiden Staaten, zwischen Freiheitsbegriffen sowie die kleinbürgerlichen Verhältnisse auf beiden Seiten, werden von sechs Darstellern in wechselnden Rollen anschaulich verkörpert. Sie werfen sich auch in der Band ins Zeug.

Passagen, in denen Chöre singen, sind wie Nachdenkblocks in die Szenen von 1961 bis 1989 eingebaut. Je mehr die Handlung Richtung Umbruch voranschreitet, desto packender wird auch das Familiendrama. Ingo lernt seine Stiefschwester am Grab der Oma im Osten kennen und will, als er seinen Erzeuger lokalisiert hat, mehr denn je ausreisen. Doch da kommt ihm die Geschichte zuvor. Jörg Steinberg hat die politische Familiengeschichte mit einigen Längen in Szene gesetzt. Lehrreich für Nachgeborene ist sie allemal.

Beitrag von Ute Büsing

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