Dirigent Christoph von Dohnányi (l.) und Regisseur Hans Neuenfels (r.) (Quelle: dpa/imago)
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Wegen Differenzen mit Regisseur Neuenfels - Dirigent Dohnányi schmeißt kurz vor Staatsopern-Premiere hin

"Künstlerische Differenzen" lassen die Zusammenarbeit von Dirigent von Dohnányi und Regisseur Neuenfels kurz vor der Premiere von "Salome" an der Staatsoper zerbrechen. Ein Nachfolger ist schon gefunden - zumindest vorerst.

Kurz vor der Premiere ist der Dirigent Christoph von Dohnányi von der musikalischen Leitung der Oper "Salome" an der Berliner Staatsoper zurückgetreten. Als Grund gab das Opernhaus am Freitag "künstlerische Differenzen" zwischen von Dohnányi und Regisseur Hans Neuenfels an, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Von Dohnányi hatte das Dirigat Anfang Januar für den erkrankten Zubin Mehta übernommen.

Im Kulturradio des rbb sagte Neuenfels am Freitagnachmittag zur Erklärung der Kündigung Dohnányis: "Das ist eine komplizierte Geschichte. Ich denke, Dohnányi hat Gründe, die man respektieren muss." Den Rücktritt nannte der Regisseur ein "kleines Drama". Angesprochen auf das Ausmaß des Zerwürfnisses erklärte Neuenfels lediglich, dass er und Dohnányi sich "auf jeden Fall" auch weiterhin grüßen würden, wenn sie sich begegnen.

Auf Dohnányis Empfehlung hin werde nun Thomas Guggeis die Aufführung dirigieren. Guggeis hatte bereits die Generalprobe am Donnerstag dirigiert und ist seit der Saison 2016/17 Assistent von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und Korrepetitor der Staatsoper. Neuenfels nannte die Vertretung durch Guggeis ein "außerordentliches Glück".  

Unter der Regie von Neuenfels führt die Staatsoper an diesem Sonntag (18.00 Uhr) die zweite große Premiere seit der Wiedereröffnung des Haues im Oktober auf. Die Hauptrollen werden von Gerald Siegel (Herodes), Marina Prudenskaya (Herodias) und Ausrine Stundyte (Salome) gesungen.

Neuenfels: "Ich habe genug gemacht."

Zuvor hatte - unabhängig davon - Theater- und Opernregisseur Neuenfels gegenüber der Berliner Zeitung gesagt, dass er ans Aufhören denke. Im Sommer inszeniert er bei den Salzburger Festspielen "Pique Dame" von Tschaikowsky und "dann höre ich wahrscheinlich auf", sagte er. "Ich habe genug gemacht."

1941 ist Neuenfels als Sohn eines Oberregierungsrates geboren. Als seinen "geistigen Vater" sieht er den Surrealisten Max Ernst an, für den er als junger Mann als Sekretär gearbeitet hat.  

Sendung:Kulturradio, 02.03.2018, 16:10 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 3.

    ja,was sich auf den Führungsetagen der großen Opernhäuser abspielt hat Züge des Absurden.An die immensen Gelder,die in diesem Bereich verbrannt werden,darf man garnicht denken.

  2. 2.

    Na, den Jüngeren haben Sie ja nun, den "Job" macht ein 24-jähriger. Ich saß in der GP und darf berichten, es war alles "zusammen", fiel nicht auseinander (bei Salome durchaus eine Option) doch war es sehr langweilig dirigiert - was will man von einem Jüngeren, einem 24-jährigen auch mehr erwarten, als dass es "zusammen" war.
    Es hat (zumindest bei Dirigenten) oft schon seine Berechtigung, viele Jahrzehnte auf dem Buckel und die Werke "im kleinen Finger" zu haben.
    Aber das ist hier eigentlich gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass Dohnanyi wenige Tage vorher hinschmeißt, was sehr unprofessionell ist - und ein Skandal ist, dass sich die Staatsoper hierzu nicht artikuliert. Da wird so getan, als wenn von vornherein Herr Guggeis die Aufführungen dirigieren sollte. Das ist der Skandal. Keine Erklärung, keine Entschuldigung, kein Nichts, kein Garnichts.

  3. 1.

    Ein 89-jähriger (v. Dohnányi) und ein 76-jähriger (Neuenfels) haben "künstlerische Differenzen"...Die Herren mögen sich ja in ihren langen Karrieren reichlich Lorbeeren verdient haben, aber wäre es nicht längst an der Zeit in Würde abzutreten und den Jüngeren auch mal einen Job zu gönnen? Wie lange soll der Steuerzahler eigentlich für den Altersstarrsinn mancher Künstler herhalten müssen? Wer bitte kommt auf die Schnapsidee diese Herrschaften, die sich längst einen Ruhestand wohl verdient haben, noch mit üppigen Verträgen zu versorgen? Manchmal ist man schon fassungslos, wenn man sowas mitbekommt...

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