"TAKE IT EASY!" in dem Wintergarten (Quelle: Wintergarten)
Audio: Inforadio | 03.02.2018 | Nadine Kreuzahler | Bild: Wintergarten

Showkritik | Neue Show im Wintergarten - Schlicht unterhalten mit "Take it Easy"

"Take It Easy" hat am Donnerstag im Wintergarten Berlin Premiere gefeiert - eine Show mit Akrobatik, Zauberkunst und Live-Musik. Ein "Roadtrip zu den Wurzeln des Rock und Pop" verspricht das Programm. Was wirklich geboten wird, hat Nadine Kreuzahler herausgefunden.

Eine Harley Davidson darf als Dekoration natürlich nicht fehlen - immerhin geht es um die Wurzeln von Rock. Einsame Landstraßen ziehen am inneren Auge vorbei und harte Kerle in Lederjacken. Soweit das Klischee und das - so viel darf schon mal verraten werden - wird gerne erfüllt.

Durch den Abend führt Sänger Tim Wilhelm, seit sechs Jahren Frontmann der Band Münchner Freiheit. Mit ihm sind noch zwei Sängerinnen und ein weiterer Sänger nebst Liveband auf der Bühne. Musik und Artistik stehen in dieser Show gleichberechtigt nebeneinander, sie interagieren und ergänzen sich.

Artistisch alles dabei

Einer der ersten Typen, dem wir auf diesem "Roadtrip" begegnen, ist der Luftakrobat Chris Kiliano. Von der Decke hängend vollführt er Handstände, Pirouetten, Figuren. Er trägt eine schwarze Lederjacke über nackter Haut und es scheint in Wirklichkeit nur darum zu gehen, sein wohl definiertes Sixpack zur Schau zu stellen. Jedenfalls jubeln einige Damen begeistert.

Später macht es ihm die Handstand-Akrobatin Melanie Chy aus Las Vegas nach - die Frau mit dem Kurzhaarschnitt verbiegt sich im knappen sexy Outfit auf einer präparierten Harley Davidson in alle Richtungen.

"TAKE IT EASY!" in dem Wintergarten (Quelle: Wintergarten)
Bild: Wintergarten

Überladene Klischee

Artistisch ist alles dabei. Eine sehr gewitzte unterhaltsame Jonglage- und Diabolo-Nummer, erotischer, knisternder und romantischer Paartanz in der Luft und am Boden, Schleuderbrett-Akrobatik. Die artistischen Leistungen sind insgesamt bewundernswert. Nur: Warum muss das so klischeebeladen und ironiefrei in Szene gesetzt sein?

Auf die Spitze treibt es das Akrobatikquartett "White Gothic", alle vier in Tarnhosen, mit nacktem Oberkörper und Bürstenhaarschnitt in Armee-Ästhetik. Wenn man weiß, dass der Song von den Dire Straits "Brothers in Arms", zu dem sie performen, ein Anti-Kriegs-Song ist, bekommt es zwar eine andere Note, aber ohne dieses Wissen bleibt ein schaler Beigeschmack.

Zaubereien bezaubern

Das Duo Timothy Trust und Diamond Diaz ist in "Take it Easy" für Zauberei und Illusion zuständig. Der Trick mit dem Gedankenlesen bringt das Publikum zum Staunen. Timothy Trust, in Frack und Zylinder, verbindet seiner Bühnenpartnerin die Augen, nachdem er die Blickdichte zuvor von einer Dame aus dem Publikum hat überprüfen lassen. "Jetzt nehmen Sie bitte irgendeinen beliebigen Gegenstand aus Ihrer Tasche", bittet er die Gäste im Wintergarten. Er bleibt vor einer Frau stehen, nimmt ihr Handy in die Hand. "Diamond, woran denke ich, siehst du den Gegenstand?" "Ja, Timothy, ich sehe sehr viele persönliche Daten, an die du gerade denkst, ich sehe ein Telefon." Timothy Trust dreht die Nummer weiter. "Ja, was für ein Telefon?" "Ein iPhone." "Stimmt. Wie ist der Status der Batterie?" "Der Ladestatus ist bei 26 Prozent." Die iPhone-Besitzerin überprüft das ungläubig. "Stimmt!" Ein Raunen geht durchs Publikum.

Timothy Trusts Bauchredner-Nummer in der zweiten Hälfte des Abends hat allerdings vor allem schlüpfrige Alt-Männerwitze zu bieten. "Welches Tier wechselt innerhalb von Sekunden das Geschlecht", fragt Trust seine Bauchredner-Puppe, einen grünen Frosch. Der antwortet: "Die Filzlaus."

Mitreißende Medleys

Musikalisch ist "Take it Easy" eine Reise durch Country, Folk und Rock der letzten Jahrzehnte: Johnny Cash, Dolly Parton, James Blunt, die Rolling Stones, Nirvana, Ed Sheeran. Die Songs fließen auch als mitreißende Medleys ineinander - zwischen den Zirkusnummern, aber oft auch als Teil von ihnen. Das funktioniert sehr gut - der Mitklatschfaktor ist hoch. Das Publikum hält es am Ende nicht mehr auf ihren Stühlen. Es tanzt und feiert mit dem Ensemble.  

Beitrag von Nadine Kreuzahler

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren