06.04.2018, Berlin: Projektile des Attentats auf Rudi Dutschke werden in der Polizeihistorischen Sammlung gezeigt. (Quelle: dpa/ Britta Pedersen)
Audio: radioBerlin | 09.04.2018 | Knut Müller | Bild: dpa/ Britta Pedersen

Ausstellung in der Polizeihistorischen Sammlung - Die Kugeln, die Rudi Dutschke trafen

Vor 50 Jahren schoss ein Attentäter auf den Studentenführer Rudi Dutschke. Die Projektile sind nun in Berlin ausgestellt. Für die Witwe war es eine Überraschung.

Projektil 1 heißt eine der Kugeln in emotionslosem Behördendeutsch, mit Projektil 2 und 3 sowie einem weiteren bildet sie das Zentrum der kleinen Ausstellung, sie seit Montag in der Berliner Polizeihistorischen Sammlung gezeigt wird.  

Gleich in der ersten Vitrine sind sie zu sehen, jene drei Kugeln, die Rudi Dutschke am 11. April 1968 lebensgefährlich verletzten. Geschossen hatte der Hilfsarbeiter Josef Bachmann: Er traf Dutschke zweimal in den Kopf und einmal in die Schulter.

Der Attentäter sei ein aktiver Neonazi gewesen, erklärt Jens Dobler, Leiter der Polizeihistorischen Sammlung: "Er gehörte zum NPD-Umfeld aus Niedersachsen und diese Leute haben damals geschossen, die haben Übungsschießen veranstaltet, die waren bewaffnet."

09.04.2018, Berlin: Gretchen Dutschke-Klotz (M) kommt zur Eröffnung einer Ausstellung der Berliner Polizei zum Attentat auf Rudi Dutschke vor 50 Jahren. Foto: dpa/ Bänsch)
Gretchen Dutschke-Klotz | Bild: dpa/ Bänsch

Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken

Dutschke überlebte die Schüsse auf dem Kurfürstendamm nach mehreren Operationen. Elf Jahre später starb er jedoch an den Spätfolgen.

Dutschkes Witwe Gretchen Dutschke-Klotz sah bei der Ausstellungseröffnung erstmals die Patronen: "Ich hätte niemals gedacht, dass die Kugeln noch existieren", sagte die 76-Jährige. 

Dass es die Kugeln überhaupt noch gibt, und sie jetzt zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt werden können, hat auch Jens Dobler, den Leiter der Polizeihistorischen Sammlung, überrascht: "Als ich die Projektile im Archiv fand, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, dass sie überhaupt noch existieren. Das war sehr beeindruckend und für mich auch ausschlaggebend, sie zu zeigen." 

Die Ereignisse im neuen Licht

Daneben gibt es Bilder vom Tatort und der Waffe Bachmanns sowie das Protokoll eines Telefongesprächs mit Rainer Langhans, weil der Attentäter sich bei der legendären Kommune 1 erkundigt hatte, wo er Rudi Dutschke finden könne.

Gezeigt werden auch Flugblätter und Zeitungsartikel der Tage danach, die ein Schlaglicht auf die damalige Stimmung in der Stadt werfen. Die Urteile gegen die RAF-Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin wegen Kaufhausbrandstiftung oder gegen zwei Studenten, die versucht hatten, die Auslieferung der BILD-Zeitung in Köln zu verhindern, sind ebenfalls Teil der Exponate. Auf den beiden letzten Tischen liegen vier schwere Folianten mit ganz besonderen Fotos aus den Jahren 66 bis 70, bearbeitet von Arwed Messmer, einem Künstler, der mit Behördenfotografie arbeitet. "Er nimmt Fotos, die etwa zu Beweiszwecken vom Staat gemacht wurden und arrangiert diese neu - etwa in Folianten, Büchern oder Ausstellungen und gibt ihnen damit ein neues Gewicht, einen neuen Blick auf die Ereignisse", erklärt Dobler.  

Auch die Berliner Polizei habe aus den Ereignissen gelernt. Bei den Studentenunruhen nach den Dutschke-Attentat sei sie brutal und desorganisiert vorgegangen. Seither tragen Polizisten Helme und man entwickelte eine Deeskalationsstrategie.

Wo und wann?

Rudi Dutschke © imago/Keystone
imago/Keystone

Ausstellung der Polizeihistorischen Sammlung - "Drei Kugeln auf Rudi Dutschke"

9. April - 20. Juli 2018

Sonderausstellung zu den Ereignissen rund um das Attentat auf Dutschke und dessen Folgen. Erstmals gezeigt werden die Projektile, die Rudi Dutschke trafen, die Ermittlungsakte gegen den Attentäter Bachmann sowie weitere Dokumente, die die Polizei rund um das Attentat und dessen Folgeaktionen angelegt hatte

Polizeihistorische Sammlung, Platz der Luftbrücke 6, Berlin-Tempelhof

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Da Ausstellen von Tötungswerkzeugen zu konkreten Tötungsfällen ist meiner Meinung nach pietätlos.
    Vollkommen egal ob es sich bei dem Getöteten um einen Promi, Diktator oder ein kleines Mädchen vom Lande handelt.

    Für die Angehörigen (die hoffentlich hier in diesem Beispiel um Erlaubnis gefragt wurden)
    ist dies sicherlich kontraprodiktiv hinsichtlich der Verarbeitung der Vorfälle und des Verlustes. (Oder eher doch hilfreich?!?)

    Beim Schreiben dieser Zeilen musste ich irgendwie an Gaffer an einer Unfallstelle denken...


    ...all das ist natürlich nur MEINE Meinung....

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