Ben Harper & Charlie Musselwhite bei einem Konzert während ihrer Tour 2018 (Quelle: picture alliance)
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Audio: 11.4.2018, Inforadio, Jakob Bauer | Bild: picture alliance / Photoshot

Konzertkritk | Ben Harper und Charlie Musselwhite - Legende und Legende spielen legendären Blues

Beide sind sie Giganten der amerikanischen Blues-Szene, und dann spielen sie auch noch zusammen: Ben Harper und Charlie Musselwhite. Ende März haben sie ein gemeinsames Album veröffentlicht und am Dienstag im Berliner Huxley’s vorgestellt. Von Jakob Bauer

Herrjeh, sind die cool. Ben Harper, komplett in Schwarz, mit breitkrempigen Hut über der Glatze, schaut aus wie Mitte 30, ist fast 50 und spielt Gitarre, als hätte er mehrere Menschenleben Zeit gehabt zu üben. Charlie Musselwhite, 74, in Würde ergraut, hat einen kleinen Koffer voller Mundharmonikas vor sich stehen und röhrt "We Got The Blues In The House" ins Mikrofon. Das Versprechen setzen die beide dann auch postwendend um.

Grandioser Gitarrist, der auch noch singen kann

Die beiden Amerikaner und ihre Band machen keinen großen Schnick-Schnack, das ist Blues-Rock, erdig, kantig, emotional, mit heulenden Gitarren, zitternden Mundharmonika-Klängen und sich überschlagenden Stimmen. Beide singen, Harper deutlich mehr als Musselwhite und das hat auch einen Grund. Harpers Stimme ist reiner Soul und es ist schon eine tolle Fügung des Schicksals, wenn aus einem so guten Gitarristen auch noch solche Töne rauskommen.

Natürlich dürfen beiden auch an ihren Instrumenten brillieren. Harper zupft bedächtig sanfte Blues-Akkorde, nur um im nächsten Moment wild über seine Slide-Gitarre zu rutschen. Musselwhite zieht Klänge aus seiner Mundharmonika, die mal nach verzerrter Gitarre, mal nach menschlicher Stimme und mal nach komplettem Wahnsinn klingen.

Coole Leute, coole Musik, coole Show

Aber am schönsten ist es, wenn diese beiden begnadeten Musiker in Ekstase aufeinandertreffen, zusammen spielen, sich umkreisen und ihre einzelnen Stimmen zu einer gemeinsamen Sprache werden.

Also: coole Leute, coole Musik und auch: coole Show. Anfangs vielleicht sogar noch zu cool? Es wirkt eine Zeit lang so: Ben Harper hat den Hut so tief ins Gesicht gezogen, dass man ebenjenes nicht mal sieht, wenn der Amerikaner singt. Ansagen gibt's da auch noch nicht und man kann sich schon denken: Ja klar, Blues ist Blues - das ist das Leiden in Musik; Lachen kannste am Karneval. Aber nein, zum Glück kann man auch hier lachen.

Ben Harper kann auch witzig sein

Irgendwas passiert nach einer halben Stunde mit Harper. Vielleicht merkt er, dass das Publikum nur deswegen so verhalten tanzt, weil es so unglaublich aufmerksam zuhört? Auf jeden Fall wird Harper plötzlich zum Witzbold. Er stellt scherzhaft pikiert fest, dass sein zweiter Gitarrist mehr Applaus bekommt als er, und als Harper mal den Text vergisst, weil er zu sehr "into it" war, fragt er, wie um alles in der Welt Beyoncé das schafft: gleichzeitig zu tanzen und singen.

Als Harper beim letzten Song dann sogar sein Mikro ausschaltet und ohne Verstärkung ins nicht gerade kleine Huxleys hineinsingt, dann ist das der krönende Abschluss eines Abends, der immer souverän zwischen virtuoser Instrumentenkunst, tief emotionalem Blues-Feeling, stampfenden Rock-Nummern und witzigen Momenten hin- und herpendelt. Ein toller Schlusspunkt für ein tolles Konzert.

Beitrag von Jakob Bauer

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