Das Notos Quartett aus Berlin
Bild: (Quelle: imago / Malte Ossowski)

Kritik an Auszeichnung für Kollegah und Farid Bang - Berliner Musiker geben aus Protest Echo zurück

Die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang löst weiterhin Empörung aus. Das Berliner Ensemble Notos Quartett hat nun seinen Echo vom vergangenen Jahr zurückgegeben. Begründung: Der Preis sei zum "Symbol der Schande" geworden.

Aus Protest gegen die Verleihung des Echo-Musikpreises an die Rapper Kollegah und Farid Bang hat das Notos Quartett aus Berlin seinen Preis wieder zurückgegeben. Das Ensemble hatte im vergangenen Jahr in der Kategorie "Nachwuchskünstler des Jahres" den Klassik-Echo gewonnen.

Bis vor Kurzem sei der Echo für sie "der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands" gewesen, erklärten die Musiker auf Facebook. "Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar", hieß es weiter. Die Trophäe, die bislang in ihrem Berliner Probenstudio gestanden habe, sei nun "nichts mehr als ein Symbol der Schande."

Im Jahr 2007 haben sich Sindri Lederer, Andrea Burger, Philip Graham und Antonia Köster zum Notos Quartett zusammengeschlossen. Das Repertoire des Ensembles reicht von der Klassik bis in die Moderne. Mittlerweile hat auch der Bassist und Grafiker Klaus Voormann angekündigt seinen Echo aus den gleichen Gründen zurückgeben zu wollen. Er war erst in der vergangenen Woche für sein Lebenswerk mit einem Echo ausgezeichnet worden.

Kritik an teils antisemitischen Rap-Texten

Die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstagabend für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem Echo ausgezeichnet worden. Wegen antisemitischer Texte war bereits ihre Nominierung auf massiven öffentlichen Protest gestoßen. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Für Empörung sorgte auch, dass die Ehrung für die Rapper am 12. April erfolgte, an dem Tag also, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen Juden erinnert wird, die von den Nazis ermordet wurden.

Berlins Kultursenator sieht Gesellschaft in der Pflicht

Die Verleihung der Echo-Trophäen richtet sich in den meisten Kategorien nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauf folgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer nahm daher auch die Gesellschaft und die Musikindustrie in die Pflicht. "Der eine Satz der Rapper, der jetzt überall zitiert wird, ist krass und dumm", sagte der Linkenpolitiker am Wochenende. Dass die beiden Rapper aber ein Weltbild transportierten, das vor Verschwörungstheorien, Sexismus und Ungleichheitsvorstellungen nur so triefe, und dass sich das offenbar prächtig kommerzialisieren lasse, dem werde "weder in der Musikindustrie aber auch im öffentlichen Diskurs" begegnet. "Sondern wir erleben massive Ignoranz. Das ist ein Zeitgeistproblem", sagte Lederer.

Allerdings hat der Veranstalter der Echo-Verleihung, der Bundesverband Musikindustrie, hat inzwischen angekündigt, die Vergabekritierien zu überarbeiten.

Sendung: Inforadio, 16.04.2018, 12.00 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    "Die Hauptmerkmale populärer Rap-Inhalte zeichnen sich neben „Ego-Trippin'“ sowie der Authentizität („Realness“) des Protagonisten auch durch Verherrlichung von Drogenkonsum, Gewalt sowie Kriminalität, bis hin zu satanischen Merkmalen wie dem Ausleben von Trieben und Gefühlen durch (beispielsweise) Rache oder Sex aus." Quelle: Wikidpedia. Dafür bekommt man einen Preis?

  2. 7.

    Das mag für Klaus Voormann gelten, aber in diesem Artikel geht es nicht um ihn.
    Die Musikgruppe hier hat den Echo letztes Jahr bekommen. Das steht auch so ganz am Anfang des Artikles.

    Erstamal den Artikel und nicht nur die Überschrift lesen, bevor man kommentiert!

  3. 6.

    Sehe ich auch so. Richtig wäre gewesen, vor laufender Kamera bei der Verleihung den Echopreis abzulehnen mit einer Begründung. Das wäre ein ehrliches Statement. Eine Helene Fischer täte auch gut daran es den Anderen gleichzutun.

  4. 5.

    Das ist Statement.....
    Campino und Konsorten ,alles nur Quatscher.....

  5. 4.

    Das die besagte Textzeile ständig in und von den Medien wiederholt wird, macht die Sache nicht besser.

  6. 3.

    Meine Hochachtung.Das müssen noch viel mehr Ecco Gewinner machen.
    Nachdem Vorfall ist der Preis nichts mehr wert.

  7. 2.

    Wer nicht will, der hat schon...
    Der Echo ist ein nach Verkaufszahlen orientierter Preis - kein Schön-Sing-Sang mittels 7 Songschreiber-Poeten, sondern nur $ MONEY zählt. Und wenn Star "X" alle seine Platten selber kaufen würde wäre er der Gewinner.
    Anhand der immensen Verkaufszahlen, frage ich mich wieso diese Art Rapper-Medien nicht schon lange aus dem verkehr gezogen worden sind (Staatsschutz).
    Man verkauft und verkauft und verkauft. Dann aber den Echo streitig machen. Und Umnominierungen sind sowieso Quatsch, weil das den Gewinner im Verkaufszahlen betrügen würde.
    Ist das eine Branche... Gut das ich weder das eine oder das andere höre. Es alles eine Soße. Der Echo kann einpacken.

  8. 1.

    Is ja niedlich - garnicht erst auflaufen und annehmen - das wäre wahre Größe, aber nicht ein Zurückgeben nach ein paar Tagen. Erstmal beobachten und dann "huch"....nee Leute....det is jelogen

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