Klaus Voormann bei der Echo Verleihung 2018 am 12.04.2018. (Quelle: dpa/Patrick Becher)
Bild: dpa/Patrick Becher

Protest gegen Farid Bang und Kollegah - Klaus Voormann gibt Echo für sein Lebenswerk zurück

Nach dem Berliner Notos Quartett hat nun auch Klaus Voormann seinen Echo zurückgegeben. Der 79-Jährige war erst in der vergangenen Woche für sein Lebenswerk als Bassist und Grafiker berühmter Plattencover geehrt worden.

Am vergangenen Donnerstag wurde der Bassist und Grafiker mit dem Echo für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Nun will er den Preis zurückgeben, kündigte er am Montag in einem Statement an, das unter anderem auf der Seite der Website der Band BAP zu lesen ist. BAP-Sänger Wolfgang Niedecken hatte vergangene Woche die Laudatio auf Voormann gehalten. Zuvor hatte das Hamburger Nachrichtenportal "Spiegel Online" über die Rückgabe berichtet.

"Das hat nichts mit gutem Hip-Hop zutun"

Voormann übt damit Kritik an der Echo-Auszeichnung für die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang in der Kategorie "Hip-Hop/Urban national". Insbesondere das Lied "0815" stand wegen eines Auschwitz-Vergleichs in der Kritik. In seiner Stellungnahme schreibt der 79-Jährige, das Provokation erlaubt und manchmal sogar notwendig sei. "Aber es darf nicht die Grenze zu menschenverachtende, frauenfeindliche, rassistische, antisemitische, gewaltverherrlichende Äußerungen und Taten überschritten werden. Genau diese Attribute treffen im gegebenen Fall zu, und das hat für mich nichts mehr mit der Kunstform guter Hip-Hop- und Rap-Interpreten zu tun."

Voormann habe die Auszeichnung zuerst gern angenommen und als Geschenk zu seinem bevorstehenden 80. Geburtstag verstanden. "Da man bei mir anscheinend nicht nach Verkaufserfolg und Umsatzzahlen ging, sondern meine künstlerische Leistung würdigen wollte", heißt es. Dies "entpuppt sich nun als große Enttäuschung".

Der Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) habe von den Rückgaben aus den Medien erfahren, teilte eine Sprecherin auf Nachfrage von rbb|24 mit. In einer Stellungnahme hieß es zudem, der BVMI bedauere aber respektiere die Entscheidungen der Künstler.

Voormann produzierte unter anderem "Da-Da-Da"

Voormann gilt als bester Bassist seiner Generation. Der gebürtige Berliner spielte unter anderem mit den Beatles in Hamburg bevor die Band ihren großen Durchbruch hatte. Er spielte mit Manfred Mann, Randy Newman, John Lennon, George Harrison, trat zusammen mit Bob Dylan 1971 beim "Concert for Bangla Desh" auf und produzierte nach seiner Rückkehr aus den USA mit der damals noch unbekannten Dada-Truppe Trio den bis dato größten Hit der Deutschen Welle: "Da Da Da".

1966 gestaltete Voormann das Cover für das Beatles-Album "Revolver". Dafür er erhielt er 50 Pfund als Entlohnung sowie einen Grammy, den wichtigsten Musikpreis der USA. Mit den verbliebenen Bandmitgliedern, Ringo Star und Paul McCartney, verbindet ihn eine bis heute andauernde Freundschaft. McCartney gratulierte Voormann am vergangenen Donnerstag per Video zur Verleihung des Echo.

Notos Quartett bezeichnet Echo als "Symbol der Schande"

Am Sonntag hatte bereits das Berliner Notos Quartett seine Echo-Auszeichnung zurückgegeben, die ihnen im vergangenen Jahr übergeben worden war. Das Ensemble hatte im vergangenen Jahr in der Kategorie "Nachwuchskünstler des Jahres" den Klassik-Echo gewonnen.

Bis vor Kurzem sei der Echo für sie "der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands" gewesen, erklärten die Musiker auf Facebook. "Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar", hieß es weiter. Die Trophäe, die bislang in ihrem Berliner Probenstudio gestanden habe, sei nun "nichts mehr als ein Symbol der Schande."

Sendung: Inforadio, 16.04.2018, 16 Uhr

Kommentar

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25 Kommentare

  1. 24.

    Was haben wir als Kinder gesagt? Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen.

    Ob nun Unterschichten TV oder Musik... *shrug*

    "Schauen wir uns diesen e.V. doch mal näher an. Ein Widerspruch in sich. Als erstes sollte man diesem "Verein" das Recht absprechen sich e.V. zu nennen. http://www.musikindustrie.de/ueber-uns/

    Um was es diesen Herrn geht ist doch vollkommen klar. Hier zählt nicht Moral oder sowas wie Anstand, hier zählt ausschließlich Geld, Kohle, Asche...

    Und genau da kann man diesen "Verein" doch am besten treffen.

    Also Augen auf beim nächsten Musikkauf! ;-)"

  2. 23.

    Jetzt wird der Streit um die ECHO noch absurder: Die Geissens, die deutsche "RTL-Vorzeigenfamilie" mischt sich ein.
    http://meedia.de/2018/04/17/echo-aerger-die-geissens-erstatten-anzeige-gegen-kollegah-fans-und-bushido-moniert-roooberts-rechtschreibschwaeche/

  3. 22.

    - ich vergase nicht Frau Müller-Hohenstein, "1984" ist vor allem ein Buch und nicht ein Film und das schrieb dieser George Orwell nicht zuletzt seiner Eindrücke wegen, die er zwischen den Franco-Faschisten und den Stalinisten im spanischen Bürgerkrieg verarbeitete, während er gleichzeitig in den internationalen Brigaden auf Seiten der spanischen Demokratie kämpfte. Und die Autobahn hat ja gar nicht dieser Zwerg mit schlechter Frisur, lächerlichem Bart und veritabler psychischer Störung erfunden. Das war nur ein Plan den es schon gab und der nun gut in Modernitäts-Propaganda und staatliche Beschäftigungsprogramme der NSDAP passte. Und Campino ist wenigstens einer der von all dem was ich schreibe etwas weiss, weil Bildung, (Geschichts)Bewusstsein und Ehre denen die vor uns etwas erreichten und dafür gaben zum Repertoire der Hosen gehört und sie selbst von Beginn an und immer die Besetzer der Kiefernstrasse in Düsseldorf unterstützten....wir sind nicht im Supermarkt und alles ist egal

  4. 21.

    ..auch Sie haben es nicht verstanden, warum die Künstler Ihren " Echo " zurückgegeben haben. Diese Verbrechen und hier insbesondere der Holocaust, ein bespiellosen Verbrechen, dürfen niemals verharmlos werden. Es hat mit den Film "1984" rein gar nichts zu tun.

    Besuchen Sie Konzentrationslager, evtl. werden Sie es dann verstehen.

    Deshalb haben die Künstler den Preis zurückgegeben, um damit ein Zeichen zu setzen gegen Antisemitismus.

  5. 20.

    Sie vergasen Müller-Hohenstern (ZDF), die sagte, es wäre ihr ein "innerer Parteitag" und in einer Talkshow hörte ich einen, der "Autobahn" sagte und die anscheinend auch noch gut fand.
    Solangsam erinnert mich die Szenerie an den Film "1984", wo jeder gesagt bekommt, was er zu denken und zu sagen hat.
    Ich finde, die Rap-Musik gehört in allen Facetten zu unserer Zeit. Und der momentane Sturm (im Wasserglas) legt sich wieder.
    Jetzt können einige sich im späten Ruhm sonnen und ihren ECHO mediengerecht zurück geben, danach hüllt sich wieder das tiefe Schweigen um sie.
    Ob es nun diese Tote Hose ist, oder der, der die Spendengelder unterschlagen hat.
    Letztlich hat keiner von denen den ECHO verdient.

  6. 19.

    Diese hysterische Debatte steht im krassen Widerspruch zur Bedeutungdes Echos. "Ausgezeichnet mit dem Echo" ist doch nur (noch) ein billiger Marketingspruch.

  7. 18.

    Endlich kommt mal Leben in die Bude!

  8. 17.

    Finde es neben dem so hoch Aufgehängtem einfach gut das laut gesagt wird: Nö. Den Publikumspreis kriegen diese Pseudoraper und Rapper nicht. Wir wollen diesen Scheiss nicht hören. Das ist unser Echo.
    Ansonsten - auch Nö. Die Auschwitz-Zeile ist nicht "antisemitisch" - sie ist einfach genauso Scheisse wie der Satz, der Thomas Kapselski, nebst verantwortlicher Redakteurinnen 1988 den Job bei der TAZ kostete: "Die Disco war Gaskammervoll" Und erinnere ich richtig, strudelte Wiglaf Droste mit "Endlösung der Dudenfrage" gleich mit raus, während er derart gegen die "Gutmenschen" polemisierte. Antisemitisch wäre zu behaupten, der jüdische Nachbar müsste uns irgendwie dankbar sein, das wir glauben das vor allem Menschen jüdischen Glaubens von diesen Rap-Bürschchen verachtet werden. Nö. Ich hätte gerne ein WIR das findet: Verbrechen ist nicht geil. Und Rassismus, Chauvinismus, Machokack und Frauenhass ist Verbrechen. Da brauch ich kein Gesetz. DAS macht die Strasse.

  9. 16.

    Ja, Bilder und Adressen, EMailabressen und alle Telefonnummern. So etwas MUSS an den Pranger.

    Wie peinlich - noch leben wir in einer Demokratie, wo Jeder -JEDER (!) - seine Meinung frei äußern kann und darf. (GG, Paragraph 5) Aber, wir müssen um die Meinungsfreiheit kämpfen, denn sie ist in Gefahr, nicht nur wegen solcher Menschen wie Sie.

  10. 15.

    Ihr letzter Satz war wirklich toll: "Helene überrasche uns und zeige Gefühle jenseits von Kalkül."
    Kommt sie, wenn sie kein "Gefühle jenseits von Kalkül" zeigt, an den medialen Pranger?
    Geben dann die, die ihre CDs und Eintrittskarten gekauft haben, diese wieder zurück?
    Ich habe eher die Befürchtung, dass Krasnojarsker Sirene im nächsten Jahr wieder mit Preisen überschüttet wird.

  11. 14.

    Besser spät als nie.

    Und leider geht es eben nicht nur um eine Zeile (die geschmacklos ist).

    Last but not least läßt sich mit der Freiheit der Kunst oder mit Satire eben nicht alles rechtfertigen. Es sind hohe Güter, die gegen andere hohe Güter abgewogen werden müssen.

  12. 13.

    Sie wissen schon, dass der Echo nicht mehr nur nach den Verkaufszahlen vergeben wird? Die Jury entscheidet letztendlich!

  13. 12.

    Stimmt es gibt Öko-Rapper, Anarcho-Rapper, rechte Rapper und harte Rapper, genauso wie falsche Musiker (fremde Texter, 100x durchgekaute) und richtige Musiker mit eigenen Texten (Eigenverantwortung mit gff. Shitstorm) gibt.
    Der Echo hat mit Auslegungen von Korrektheit nicht zu tun, entweder die Tonträger oder Produktion beschlagnahmen oder her mit dem Preis und kein Gemecker.
    Oder wollte der Staat erst die Mehrwertsteuer kassieren? Tut er ja immer noch bei dem Track.

  14. 11.

    Oh, da könnte sie bei denen punkten, die Pop jenseits von Schlager schätzen. Hat bei Guildo Horn geklappt. Helene überrasche uns und zeige Gefühle jenseits von Kalkül.

  15. 10.

    Mangel an Empathie läßt sich mit Verstand kompensieren. Verdammt, was tun Hirnlose?

  16. 9.

    @rbb: Wer sind eigentlich die Mitglieder dieses ominösen-Echo-Ethikrates, der diese den Holocaust lächerlich machenden Texte durchgewunken hat? Außer allgemeinen Aussagen wie "Vertreter von..." habe ich in der Berichterstattung nichts gelesen.

  17. 7.

    Warum sollte sie ihren ECHO zurück geben? Schließlich bezieht sich der Preis auf die Verkaufszahlen und nicht auf die politische Haltung der Künstler.
    Wenn Sie also nicht wollen, dass diese "Künstlerin" im Nächten Jahr keine ECHO bekommen soll, dann kaufen Sie diesen musikalischen Schund nicht.

  18. 6.

    Ich bin doch etwas verwundert, wie sich das "Gewissen" Tage später regt. Courage hätten sie bewiesen, wenn sie am gleichen Abend den ECHO zurück gegeben hätten, bez. der ECHO gar nicht erst angenommen wurde. Den die Debatte um die Textzeile ging doch schon seit Wochen.
    Ich nehme mal an, dass jetzt jeder Ausgezeichneten täglich ihren ECHO medienwirksam zurück geben und die Anderen gebrandmarkt werden, die es ihnen nicht Gleich tun.
    Klar, die kritisierte Zeile aus ihrem Song „0815“ ist geschmacklos – aber nicht antisemitisch. Deswegen muss ich sagen, dass ein Ausschluss Zensur wäre. Die Kunstfreiheit ist ein zu hohes Gut in Deutschland, als dass wir sie einschränken sollten, nur weil uns eine bestimmte Kunst nicht passt.
    Bei Böhmermann und seinem "Erdogan-Gedicht" konnte man sehen, wie es endet.

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