Joan Wasser (Quelle: Pacific Press/Valeria Magri)
Audio: Inforadio | 10.04.2018 | Susanne Bruha | Bild: Pacific Press/Valeria Magri

Konzertkrtitik | Joan Wasser im Festsaal Kreuzberg - Soft, sexy - und alles andere als "Police Woman"

Warm und groovig: Die Indie-Band Joan as Police Woman um die Sängerin und Gitarristin Joan Wasser hat am Dienstag im Festsaal Kreuzberg ihr neues Album "Damned Devotion" vorgestellt. Mit verdammt viel Hingabe, hat Susanne Bruha festgestellt.

Als Joan Wasser und ihre Band am Montag im Festsaal Kreuzberg auftreten, machen sie erstmal Werbung: Sie stellen sich mit dem Rücken zum Publikum in eine Reihe und präsentieren weinrote Bomberjacken mit dem Schriftzug "Joan as Police Woman" auf dem Rücken. Am Merchandise-Stand gibt es diese Jacken für 90 Euro.

Kurz die Werbetrommel gerührt - und gleich wird es sehr viel ruhiger. Der erste Song "Wonderful" vom aktuellen Album ist purer Soul. Joan Wasser geht in die Knie, beugt sich über ihr Keyboard und ihre Stimme umschmeichelt zart und bestimmt den schleppenden Beat, den die Drums vorgeben. Dabei sieht sie mit ihrer schwarzen Mähne, dem geteilten Pony, der weißen Bluse mit Applikationen und einer roten Lederhose aus wie eine siebziger Jahre Filmdiva.

Neues Album langsamer als der Vorgänger

"Damned Devotion" - also "Verdammte Hingabe" - heißt das neue Album von Joan as Police Woman. Und nachdem das letzte Album vor vier Jahren hoch energiegeladen war, feiert das neue die Melancholie, die Langsamkeit und Entschleunigung.

Joan verlangt beim Techniker nach weniger Licht auf der Bühne, denn der Song, der folge, sei ein Low-Lighting-Song. Das trifft auf die meisten vom neuen Album zu. Im Mittelpunkt der Songs steht ein sattes Schlagzeug, sehr warm, sehr groovig und laid back. Um den Drumbeat herum legt sich Joans Stimme, auf die dieselben Attribute zutreffen. Dazu kommen großartig sauber gearbeiteter mehrstimmiger Backroundgesang, Keyboards und programmierte Beats - zusammen ergeben sie einen alles umarmenden Sound.

Fast ein unmoralisches Angebot

Zwischendrin flirtet Joan Wasser mit dem Publikum. Sie hat so eine Art alles, was sie sagt, irgendwie sexualisiert zu sagen: Ihre Gitarre sei kaputt, diese hier sei geborgt, wer sich im Saal mit Gitarren auskenne, solle doch bitte nach der Show zu ihr kommen. Es klingt aus dem Mund der sehr attraktiven 48-Jährigen nach einem unmoralischen Angebot, das man unbedingt annehmen will - und sorgt für viel Gelächter.

Überhaupt klingt diese Show trotz aller Melancholie - auch wenn Joan zum Bespiel vom Tod ihres Vaters erzählt und singt - leicht und zwischen den schweren Drum Patterns und den heulenden Keybords auf eine bissig-aggressive Weise leise optimistisch. Man solle doch am Dienstagabend nach Hamburg zur Show kommen, sagt Joan Wasser am Ende, aber eben vorher ihre Gitarre reparieren helfen. Am Ende dieses Abends möchte man beides können.

Beitrag von Susanne Bruha

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