"Leo" im Chamäleon (Quelle: Andy Phillipson)
Audio: Inforadio | 03.04.2018 | Magdalena Bienert | Bild: Andy Phillipson

Kritik | "Leo" im Chamäleon - Tanz gegen die Schwerkraft

Alle Physik außer Kraft gesetzt: Das Varietéstück "Leo" wurde 2011 am Berliner Chamäleon entwickelt - und startete eine weltweiten Triumphzug. Nun kehrt es zurück. Magdalena Bienert wollte wissen, was es mit dieser gefeierten Ein-Mann-Show auf sich hat.  

 "Was wäre, wenn sich die Gesetze der Schwerkraft plötzlich ändern würden?" fragt der Ankündigungstext von "Leo". Und tatsächlich setzt dieses Stück mit einer genialen Idee alle Physik außer Kraft. Okay, eine Kamera und eine Spiegelung sind dabei behilflich.

Es gibt quasi zwei Schauplätze: auf der rechten Seite liegt der junge Artist Julian Schulz auf dem Rücken auf einem blauen Fußboden, die Beine senkrecht an eine rote Wand gestellt.

"Leo" im Chamäleon (Quelle: Andy Phillipson)
Bild: Andy Phillipson

Anfangs etwas verwirrend

Auf der linken Seite der Bühne wird er auf einer großen Leinwand gespiegelt. Dort ist aber der blaue Fußboden kein Boden, sondern eine Wand und die eigentliche rote Wand ist der Fußboden. Etwas verwirrend und anfangs switcht man mit den Augen auch immer von links nach rechts. Täuschend echt sieht es aus, wie er plötzlich magisch mit dem Rücken an der blauen Wand hochrutscht, bis die Füße den Boden verlassen. Ein Blick ins reale Setting zeigt: Schulz liegt eigentlich auf dem Rücken, sein Hut neben ihm und nicht schwebend an der Wand.

Außer einem Koffer und zwei Wänden hat "Leo" nichts. Doch bald entdeckt er, dass sein Koffer eine musikalische Wundertüte ist. Koffer auf - Koffer zu - Koffer wieder auf.

Und zu jedem Musikstil tanzt Julian Schulz gegen die Schwerkraft an. Das ist überaus witzig und immer wenn man denkt, ok, ich weiß jetzt wie es geht, kommt ein neuer Twist in die Geschichte.

2011 wurde "Leo" am Chamäleon von Tobias Wegner und Daniel Brière entwickelt und startete seine irre Erfolgsgeschichte. Es gewann direkt beim weltgrößten Theaterfestival "Fringe" in Schottland zur Premiere einen Preis und die Einladung zum Broadway nach New York. Über 800 Mal wurde "Leo" inzwischen weltweit von drei wechselnden Artisten aufgeführt und hat zig weitere Preise gewonnen.

Eine neue Welt aus Kreide

Nach 30 Minuten erschafft sich Leo, scheinbar ermüdet von dem Spiel mit seinen Superkräften, mithilfe von Kreide an der zweiten Wand eine neue Welt. Katze und Goldfisch inklusive. Videoprojektionen führen ab da das Stück auf's nächste Level und wenn man den Blick nicht mehr von der Leinwand abwendet entsteht ein surrealer Film, dem eine absolute artistische Raffinesse zugrunde liegt.

Nach 70 Minuten ist das Publikum begeistert. So etwas habe man ja noch nie gesehen, sagen die Tischnachbarn. Recht haben sie!

Beitrag von Magdalena Bienert

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Ich habe die Show im letzten Jahr im Chamäleon gesehen und war begeistert. Schwer mit irgedetwas anderem vergleichbar, danke fürs Erinnern :)

Das könnte Sie auch interessieren

Berliner Rapper Capital Bra (Quelle: rbb/ Abendshow)
rbb/ Abendshow

Berliner Rapper in Spotify-Charts - Wer dieser Capital Bra ist

In den Spotify-Charts Deutschland hat es Capital Bra aus Hohenschönhausen bis an die Spitze geschafft. Über 28 Millionen Klicks hat einer seiner Songs auf Youtube. Dabei war sein Start alles andere als unkompliziert - und er selbst ist es bis heute nicht. Von Tom Garus

Künstlerkolonie Berlin (Quelle: rbb)
rbb

Video | Künstlerkolonie Berlin - Das war mal "roter Block"

Nirgendwo in Berlin haben so viele Künstler und Intellektuelle an einem Ort gewohnt: Vor 90 Jahren sind die ersten Mieter in die sogenannte Künstlerkolonie Berlin gezogen. Künstler, wie Ernst Bloch, Alfred Kantorivicz, Erich Weinert, Steffi Spira oder Ernst Busch.