Martin Schüler; © Marlis Kross
Video: Brandenburg aktuell | 26.04.2018 | Philipp Manske | Bild: Marlis Kross

rbb-exklusiv - Cottbuser Intendant Martin Schüler tritt zurück

Der Intendant des Cottbuser Staatstheaters, Martin Schüler, ist am Donnerstag überraschend von seinem Amt zurückgetreten. Das hat er dem rbb exklusiv bestätigt. Hintergrund ist vermutlich der Streit im Haus um die Zukunft von Generalmusikdirektor Evan Christ.

Der Intendant des Cottbuser Staatstheaters, Martin Schüler, ist zurückgetreten. Das hat er dem rbb am Donnerstagmittag exklusiv bestätigt.

Seit einiger Zeit gibt es an der Cottbuser Bühne Streit zwischen den Sängern und dem Orchester auf der einen Seite und dem Generalmusikdirektor Evan Christ auf der anderen Seite.

Der nun zurückgetretene Intendant Schüler hatte zuletzt versucht, den Streit zu lösen und dem Dirigenten eine Pause vorgeschlagen. Ob und inwiefern sein Rücktritt nun damit zu tun hat, ist noch nicht bekannt. Nach rbb-Informationen hatte es am Donnerstagmorgen eine Belegschaftsversammlung gegeben, auf der Schüler den Mitarbeitern seine Entscheidung mitgeteilt, aber nicht begründet hatte.

Stiftungstrat will schnell zusammenkommen

Nun will der Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung, die sich um den Theaterbetrieb kümmert, kurzfristig zusammenkommen, wie aus einer Stellungnahme von Kulturministerin Martina Münch (SPD) und Cottbus' Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) hervorgeht. Die beiden Stiftungsratsmitglieder teilten mit: "Die persönliche Entscheidung von Martin Schüler, seine Tätigkeit als Intendant am Staatstheater beenden zu wollen, nehmen wir mit Respekt und Bedauern zur Kenntnis". 

Wochenlanger Streit um das Verhalten Christs

Hintergrund der wochenlangen Querelen zwischen Musikern und Generalmusikdirektor sind Vorwürfe aus der Belegschaft, die unter anderem Christ cholerische Ausfälle vorwerfen. Intendant Schüler hatte hier dem Orchesterleiter zunächst auch einen Mediationsprozess vorgeschlagen. Christ selbst soll das jedoch abgelehnt und stattdessen eine Vertragsauflösung ins Spiel gebracht haben.

Schüler sei hier dafür kritisiert worden, dass er zuvor nicht ausreichend auf die Beschwerden aus dem Orchester reagiert habe, erfuhr der rbb von Musikern des Ensembles.

Die Auflösung des Vertrags von Christ soll am Mittwoch auch der Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung als "machbar" bezeichnet haben. Dessen stellvertretender Vorsitzender, der Cottbuser Oberbürgermeister Kelch, erklärte, dass die Brücken zwar noch nicht gänzlich abgebrochen, doch sehr beschädigt seien.  

Die für Donnerstag angekündigte Pressekonferenz zum neuen Spielplan war wenige Stunden vor dem Rücktritt kurzfristig abgesagt worden.  

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Der Rücktritt ist angemessen, weil er eine unhaltbare Situation ausgesessen hat, aber Christ wollte doch jetzt selbst gehen. Hoffentlich wird das Ganze nicht so umgekehrt, dass Schüler "anstelle" von Christ geht. Das ist das Problem im Ensemble weiter im Theater und dann hätte Schüler auch bleiben können, weil sich dann nichts ändert.
    Gut, dass der zu Unrecht wegen des Problems Entlassene, dass dieser ja auch nicht verursacht hatte, wieder eingestellt wird.

  2. 9.

    Ich habe mal in die Glaskugel geschaut:
    Martin Schüler wird dem Cottbuser Staatstheater noch lange als Intendant erhalten bleiben, denn ich vermute, dass sein angekündigter Rücktritt nur kalkulierter Schachzug ist:
    Selbstkritik üben, Asche auf's Haupt streuen und von allen seinen Ämtern zurücktreten.
    Gleichzeitig ein sog. "Fishing for Compliments" praktizieren und dabei darauf spekulieren, dass es zu vielen Statements seitens seines Ensembles, der Politik sowie der Öffentlichkeit mit der Aufforderung bzw. Bitte kommen wird, seinen Rücktritt nochmals zu überdenken, um anschließend mit großem Pathos von seinem Rücktritt zurückzutreten. ;-)

  3. 8.

    Die drei Affen brauchen uns nicht nur bezüglich des Cottbuser Theaters einfallen. Die drei Affen sind mittlerweile das Ebenbild für ganz Deutschland! Es ist dieses Gesellschaftssystem, das krank macht und auch ruhige, gute Menschen zu Cholerikern werden lässt. Nun werden Christ und Schüler gehen. Und was passiert dann? Für mich sind das lediglich Intrigen. Mein Vater sagte zur Wendezeit 1989: "Nun ist wieder die Zeit gekommen - steh du auf, damit ich mich hinsetzen kann!" Und so ist es jetzt auch am Theater Cottbus. Dass Martin Schüler geht, ist ein großer Verlust, denn die Macher werden jetzt Cottbus zu einem noch tieferem, kultulosem Loch als es schon ist, fabrizieren! Ständig wurden am Theater Arbeitsplätze gestrichen, aber Martin Schüler kämpfte für den Erhalt des Theaters. Jetzt wird das Cottbuser Theater genauso ausverkauft, wie die DDR 1990! Warum können die Menschen nicht aus der Geschichte lernen?

  4. 7.

    Staats-Theater mit Theaterdonner.
    Vollständige Umwandlung Staatstheater in Stiftungs-Theater mit
    Komplett-PR-Auftrag des Stiftungs-Geldgebers.
    Donner = Inszenierung Ablenkungstheater.
    Neuer Intendant = Abwicklungs-Beauftragter.

  5. 6.

    Musikliebhaber, darauf warten wir ja - Presse ist informiert, der Unbeherrschte bleibt. Mit Trainer meinte ich die Vorgesetzten des Unbeherrschten. Wer gehen muss mangels Contenance dürfte ja hinlänglich bekannt sein...

  6. 5.

    Wenn der Trainer sich ausfallend gegen die Spieler äußert, dass diese zur Presse gehen müssen wird er gefeuert..

  7. 4.

    Es wäre gut, wenn sich "Zukunft" in Zukunft nur noch zu Dingen äußert, zu denen er ein Mindestmaß an Kenntnis besitzt. In der Regel wird das Terrorisieren der Belegschaft durch Chefs von der Führungsetage entweder ignoriert oder die Belegschaft für ihr Aufbegehren gemaßregelt und dem Chef der Rücken gestärkt. Gut, dass es am Staatstheater in diesem Fall und zu diesem Zeitpunkt nicht so ist. Schade, dass der Ruf dieses tollen Theaters durch diese Eskalation so beschädigt wird. Da die Vorkommnisse schon lange bekannt sind, hätte das Problem durch die Verantwortlichen schon lange bereinigt werden müssen. Warum es erst dieses massiven Aufschreis der Belegschaft bedurfte, wird vielleicht durch den verantwortlichen Stiftungsrat aufgearbeitet.

  8. 3.

    Muss der Trainer wieder gehen, weils aufm Platz kein Tor gibt? Seltsame Auffassung. Cottbus wieder mal.

  9. 2.

    Bei dieser Nachricht habe ich sofort das Bild mit den drei Affen vor Augen. Die Verantwortlichen haben in der Vergangenheit nichts gesehen, nichts gehört und nichts gesagt. Im Gegenteil, der Vertrag von Herrn Christ wird sogar noch verlängert. Wie blind muss man sein um so zu handeln. Sollte es zu einer Vertragsauflösung kommen wir das nicht zum Nulltarif werden und zu Lasten des Cottbuser Theaters gehen. Richtig wäre das Frau Münch hier in die Verantwortung genommen würde, denn sie hat, trotz deutlicher Signale den Vertrag bis 2024 verlängert.

  10. 1.

    Na die guten Musiker können ja direkt mitgehen, Anstellungen mit Harmonie gibt es ja ausreichend auf der Welt.
    Das der Bürgermeister nichts blickt hatten wir bereits bei seiner falschen und viel zu späten Reaktionen auf Übergriffe an öffentlichen Plätzen seiner Stadt.
    Info-Radio hatte berichtet von einer Idee den Zirkus auf Grund veränderter Rahmenbedingungen zum Beispiel in Theatern auftreten zu lassen.
    Hier wäre nach dem Karl-Marx-Theater nun auch das Cottbusser frei.
    Vorteil, kostet keine Steuergelder und die Artisten gehen tagsüber auf Publikumssuche, persönlich.
    Denen wird nichts in den Hintern gesteckt, die denken selber und haben Erfolg ;-)

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