Archiv - Der russisch-orthodoxe Bruder Augustin (li.) und Bruder Peter tragen ein drei Meter langes Kreuz bei einer ökumenischen Osterprozession am 02.04.2010 durch das Zentrum Berlins (Bild: dpa/epd)
Audio: Inforadio | 08.04.2018 | Jürgen Buch | Bild: imago/epd

Religiöse Feierlichkeiten - Warum orthodoxe Chisten nun erst Ostern feiern

Ostern ist schon längst vorbei, aber nicht für die orthodoxen Christen. Sie feiern die großen Feierlichkeiten an diesem Wochenende. Die Ursache für diese Zeitverschiebung liegt Jahrhunderte zurück.

Viele zehntausend Orthodoxe in Berlin und Brandenburg feiern an diesem Wochenende das Osterfest. Hintergrund dieser späteren Osterfeierlichkeiten der orthodoxen Gläubigen ist, dass im überwiegend osteuropäischen Kerngebiet der Orthodoxen die Christen lange nach dem Julianischen Kalender lebten, der dem Gregorianischen hinterherhinkt. Also nach der Rechnung mit diesem Julianischen Kalender ist in diesem Jahr erst am 8. April für die Orthodoxen Ostern. Und diese Verschiebung gibt es seit dem 16. Jahrhundert.

Der Julianische Kalender, nach dem sich etwa die russisch-orthodoxe Kirche richtet, geht auf Julius Cäsar zurück. Evangelische und katholische Kirchen dagegen orientieren sich am Gregorianischen Kalender, den Papst Gregor XIII. 1582 eingeführt hatte.

"Christ ist erstanden"

Für orthodoxe Christen ist Ostern das höchste Kirchenfest. Dem geht eine siebenwöchige Fastenzeit voraus. Verzichtet wird dabei bei vielen auf Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier. In der Osternacht gehen die Menschen mit Kerzen zur Kirche, das Ostergeläut ertönt und die Kirche wird mehrfach umrundet. Osterfeuer werden entzündet und der Ruf "Christ ist erstanden" erschallt. Und dann wird bei den meisten ordentlich gegessen und getrunken. Die Tische biegen sich unter der Last von Osterkuchen und anderen Speisen, die vorher in der Kirche gesegnet wurden.

In Deutschland gibt es rund eine Million orthodoxe Christen. Die orthodoxen Kirchen waren in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches entstanden und werden deshalb auch Ostkirchen genannt.

Archiv - Gläubige entzünden beim Ostergottedienst der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Berlin-Steglitz Kerzen an von Priestern in die Kirche getragenen Osterkerzen. (Bild: dpa/Ralf Maro)
Orthodoxe Christen entzünden in einem Ostergottesdiens in Steglitz Kerzen | Bild: dpa/Ralf Maro

Keine Einigung auf einen gemeinsamen Kalender

Nach jahrhundertelangem Streit um theologische, politische und kulturelle Fragen hat sich das Christentum im elften Jahrhundert endgültig in einen östlichen und einen westlichen Zweig gespalten. Die orthodoxe sowie die römisch-katholische Kirche entwickelten sich danach weitgehend unabhängig voneinander.

Seit Jahrzehnten gibt es Pläne der Weltkirchen, dies zu ändern. Doch das ist bisher nicht gelungen. Papst Franziskus hat 2015 eine erneuten Versuch gemacht und sich an die Patriarchen von Konstantinopel und Moskau gewandt. Es sei doch ein Skandal, wenn Christen einander fragen würden, wann denn die Auferstehung von eurem Jesus sei. Er war sogar bereit, den orthodoxen Termin zu übernehmen. Keine Reaktion. Zusammen feiern können Christen, allerdings nur in den Jahren, in denen die verschiedenen Berechnungsmethoden auf denselben Termin kommen. Das war zuletzt 2017 der Fall und wird erst am 20. April 2025 wieder möglich sein, wenn sich bis dahin nichts ändert.

Sendung: Sonntag, 08.04.2018 , 08:10 Uhr   

Beitrag von Ulrike Bieritz

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