27.04.2018, Berlin, Messehallen: Die Schauspielerin Marie Bäumer erhält den Preis für "Beste weibliche Hauptrolle für den Film 3 Tage in Quiberon" bei der Verleihung des 68. Deutschen Filmpreises "Lola". (Quelle: dpa/Fischer)
Video: rbb Aktuell | 27.04.2018 | Frauke Gust | Bild: dpa/Fischer

68. Deutscher Filmpreis im Palais am Funkturm - Romy-Schneider-Film räumt bei Lola-Verleihung ab

Großer Jubel beim Team von "3 Tage in Quiberon": Der Film mit Marie Bäumer als Weltstar Romy Schneider erhielt beim Deutschen Filmpreis insgesamt sieben Lola-Trophäen - darunter auch den Hauptpreis als Bester Spielfilm.

Dass dieser Filmpreis vor allem zwischen zwei Filmen ausgetragen werden würde, war zu erwarten. Doch am Ende ließ "3 Tage in Quiberon" seinen stärksten Konkurrenten "Aus dem Nichts" weit hinter sich. Emily Atefs Romy-Schneider-Porträt ging mit zehn Nennungen in neun Kategorien ins Rennen - und nahm sieben Lolas mit nach Hause. Darunter auch den Hauptpreis in der Königskategorie Bester Spielfilm und für die Beste Regie. Bewegt nahm die deutsch-iranische Regisseurin Emily Atef ihre Trophäe entgegen - und dankte auch ihrer Familie, die sie in ihrer Arbeit ermutige: "Sie sagen flieg, flieg, flieg - und mach deine Filme".

Marie Bäumer als Romy Schneider in 3 Tage in Quiberon
Zum Verwechseln ähnlich: Marie Bäumer als Romy Schneider | Bild: Rohfilm Factory/Prokino/Peter Hartwig

Schauspielkunst von Marie Bäumer gewürdigt

Drei Darstellerpreise gingen außerdem am "3 Tage in Quiberon". Verdientermaßen wurde Marie Bäumer für ihre herausragende Leistung als Romy Schneider ausgezeichnet: Was wäre der Film ohne seine Hauptdarstellerin, die in einer beeindruckenden Performance einen in sich zerrissenen Menschen sichtbar macht? Damit konnte sich Marie Bäumer auch gegen die sehr starke Diane Kruger in "Aus dem Nichts" durchsetzen.

Birgit Minichmayr wurde als Beste Nebendarstellerin geehrt, die Lola für den Besten Nebendarsteller ging an Robert Gwisdek für seine Rolle als Journalist Michael Jürgs. Gwisdek ließ sich von seinem Vater Michael vertreten, der gutgelaunt den versammelten Gästen erklärte, sein Sohn würde genau jetzt gerade Vater.  Robert Gwisdek wurde kurz live zugeschaltet und verriet: "Es wird eine Lola - ein Mädchen".

Lola 2018 - Die Gewinner

Arthousekino für das Publikum

Zudem erhielt der Film eine Lola für die Beste Filmmusik (Christoph M. Kaiser und Julian Maas) sowie für die Bildgestaltung. "Es war total emotional, dabei zu sein, und wieder zu spüren, wie schön es ist, Kino zu machen", freute sich Kameramann Thomas W. Kiennast.

Zwar ging "3 Tage in Quiberon" bei der Berlinale leer aus. Doch an diesem Abend gab es gebührende Anerkennung für diesen ambitionierten und doch unterhaltsamen Arthousefilm.  

Schauspielerin Iris Berben, Filmakademie-Präsidentin, und Edin Hasanovic, Moderator des Abends beginnen die Verleihung des 68. Deutschen Filmpreises "Lola" mit einem Tanz (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Schwungvoll: Iris Berben und Edin Hasanovic | Bild: dpa/Gregor Fischer

"Ein ehemaliger Flüchtling moderiert den deutschen Filmpreis"

Es war ein glanzvoller, gutgelaunter Abend, den der Schauspieler Edin Hasanovic mit viel Schwung moderierte - und dabei auch einige kantige Seitenhiebe gegen Fremdenfeindlichkeit verteilte: "Da schimpfst du über Flüchtlinge und ein ehemaliger Flüchtling moderiert den deutschen Filmpreis"  

Auch Akademie-Präsidentin Iris Berben, die gemeinsam mit ihm durch die Gala führte, wurde politisch. Sie nahm Bezug auf die #MeeToo-Debatte - und machte sich für die Männer stark. Jedenfalls für diejenigen, die verstanden hätten, dass Diskriminierung und sexuelle Übergriffe nicht zum Filmgeschäft gehören. Allen anderen rufe sie zu: "Eure Zeit ist vorbei".

Lola in Silber für mitreißendes Genrekino: "Aus dem Nichts"

Mit fünf Nominierungen war Fatih Akins emotionsgeladenen Thriller "Aus dem Nichts" ebenfalls ein starker Favorit. Der erste deutsche Kinofilm über den NSU-Terror wurde mit einer Lola in Silber gewürdigt, außerdem mit dem Drehbuchpreis für Hark Bohm und Akin.

Anders als "3 Tage in Quiberon" ist "Aus dem Nichts" bereits mehrfach international ausgezeichnet worden, unter anderem mit einem Golden Globe und einer Palme für Hauptdarstellerin Diane Kruger. Ihre mitreißende Präsenz, mit der sie den Racheengel Katja verkörpert, die Mann und Sohn bei einem Bombenattentat verliert, würdigte Akin auch in seiner Dankesrede: "Alle Preise, die dieser Film an diesem Abend erhält, sind auch Preise für dich, Diane".  

Bronzene Lola für "Western"

Die Lola in Bronze ging an "Western" von Valeska Grisebach, der seine Uraufführung 2017 in der Cannes-Sektion "Un Certain Regard" für "untypische" Filme feierte. Der stillen Geschichte über einen Trupp deutscher Bauarbeiter am Rande Europas hatte man eher Außenseiterchancen eingeräumt. Aber: Nicht zum ersten Mal wird ein Außenseiter geehrt - man erinnere sich nur an "Wild", von Nicolette Krebitz, der im letzten Jahr ebenfalls eine Lola in Bronze erhielt. Übrigens: Ko-Produzentin von "Western" ist Maren Ade, die letztes Jahr mit "Toni Erdmann" beim Deutschen Filmpreis groß abräumte.

Franz Rogowski zeigt den gewonnenen Preis für "Beste männliche Hauptrolle in In den Gängen" in der Media-Lounge bei der Verleihung des 68. Deutschen Filmpreises "Lola". (Quelle: dpa/Kalaene)
Franz Rogowski ist Bester Hauptdarsteller | Bild: dpa/Kalaene

Gabelstabelwalzer: "In den Gängen"

Auch "In den Gängen" von Thomas Stuber ("Herbert") hätte man eine Lola als Besten Spielfilm gewünscht, schon alleine wegen seines Settings: Welcher andere Film spielt in einem Großmarkt in Sachsen und erzählt von Menschen, die sonst selten im Zentrum eines Films stehen? Doch immerhin konnte der Berlinale-Shooting-Star Franz Rogowoski trotz starker Konkurrenz eine Lola als Bester Hauptdarsteller entgegennehmen. Den Gabelstablerfahrer Christian spielt er mit soviel Verve, dass er den Preis allemal verdient. "Ich freue mich über die Lola, aber meine Familie liebt mich auch so", sagte Rogowski als er die Trophäe entgegennahm.

"Der Hauptmann", Robert Schwentkes düsteres Geschichtsdrama über Willkür und Grausamkeit im Zweiten Weltkrieg war fünffach nominiert, konnte aber lediglich eine Lola für die beste Tongestaltung entgegennehmen. Komplett leer aus ging das Geschichtsdrama "Das schweigende Klassenzimmer" von Lars Kraume über eine Schulklasse in Stalinstadt, die sich 1956 mit den Aufständischen in Ungarn solidarisiert.  

Göhte ist Kult

Zwei Preise standen bereits im Vorfeld fest: "Fack ju Göhte 3" wird als besucherstärkster Film ausgezeichnet. Über sechs Millionen Menschen sahen die Schulkomödie mit Elyas M’Barek in der Hauptrolle. "Der Film hat Kultstatus erreicht. Welche Familie hat noch nicht von Zeki, Chantal oder Frau Schnabelstedt gehört?", sagte Iris Berben, als sie die undotierte Trophäe an die Schauspieler und an Regisseur Bora Dagtekin überreichte.

Einer der Großen: Hark Bohm, nächstes Jahr wird er 80. | Bild: imago/Christopher Tamcke

Es war ein bewegener Moment als der Autor, Produzent, Regisseur und Schauspieler Hark Bohm ("Nordsee ist Mordsee") die Lola für sein Lebenswerk aus der Hand seines Freundes und Wegbegleiters Fatih Akin entgegennahm. Bohm sei sein künstlerischer Berater, vor allem jedoch sein Freund, erklärte Akin. "Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was das für ein Gefühl in aller Öffentlichkeit von Fatih gelobt zu werden. Das ist der wahrscheinlich schönste Augenblick in meinem Leben", erwiderte Bohm, der  nächstes Jahr 80 wird.

Bester Kinderfilm für rbb-Produktion

Die Lola für den besten Kinderfilm ging an "Amelie rennt" von Tobias Wiemann, eine Kinokoproduktion unter rbb-Federführung. "Amelie rennt" erzählt von einer 13jährigen Berlinerin, die von zu Hause ausreißt, weil sie nicht in eine Asthmaklinik will. "Die kleine Hexe", der zweite Film im Rennen um den Besten Kinderfilm, ging leer aus.

Als bester Dokumentarfilm wurde "Beuys" von Andres Veiel über den Künstler
Joseph Beuys (1921-1986) gekürt.

Die Lolas sind die wichtigste Auszeichnung für das deutsche Kino und mit Preisgeldern von insgesamt drei Millionen Euro hoch dotiert.  Der Preis wird von der Deutschen Filmakademie vergeben.



Alle Nominierungen im Überblick

  • Bester Spielfilm

  • Beste weibliche Nebenrolle

  • Beste Tongestaltung

  • Beste Filmmusik

  • Bestes Maskenbild

  • Bester Schnitt

  • Beste Kamera/Bildgestaltung

  • Beste weibliche Hauptrolle

  • Bester Kinderfilm

  • Bestes Kostümbild

  • Bestes Szenenbild

  • Beste männliche Nebenrolle

  • Bester Dokumentarfilm

  • Beste männliche Hauptrolle

  • Bestes Drehbuch

  • Beste Regie

  • Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises

  • Besucherstärkster Film

Beitrag von Ula Brunner

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 3.

    Eigentlich alles stimmig, bis auf den miserablen Fack ju Göthe 3 - der Film ist deutlich schlechter als die genialen Teile 1 und 2, peinlicher 70er Jahre-Penälerfilmhumor, übles Overacting - es wird einem schon klar, warum „Frau Schnabelstedt“ nicht mehr dabei war....

  2. 1.

    Hark Bohm wird 80 und nicht 90, geb. 1939

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