Im Theaterstück "What if Women Ruled The World?" von Yael Bartana sitzt eine weibliche Regierung an einem runden Tisch in einem Regierungszentrum und diskutiert über die atomare Abrüstung. (Quelle: Volksbühne/Birgit Kaulfuss)
Bild: Audio: rbb | 13.04.2018 | Ute Büsing

Premierenkritik | "What if Women Ruled The World?" an der Volksbühne - Eine Runde Frauen gegen Präsident "Twittler"

Was wäre, wenn Frauen die atomare Welt regierten? Das fragt die israelische Regisseurin Yael Bartana in ihrem Stück "What if Women Ruled The World?" in der Berliner Volksbühne. Nicht nur professionelle Schauspielerinnen treten auf, sondern auch echte Diplomatinnen und Aktivistinnen. Von Ute Büsing

Es ist zwei Minuten vor Zwölf. Im kreisrunden fensterlosen Saal, "Situation Room" genannt, in dem über Krieg oder Frieden entschieden wird, kommen am Konferenztisch eine ausschließlich aus Frauen bestehende Regierung und von ihr eingeladene Expertinnen zusammen. Der Grund: Ein einhellig als unberechenbar und toxisch maskulin eingeschätzter Präsident mit dem sprechenden Namen "Twittler" - unschwer als Trump-Karikatur zu erkennen - hat die Aufstockung seiner Nuklearwaffen angekündigt. Was tun?, fragt sich nun die pazifistisch ausgerichtete Frauenregierung, die ein atomares Abrüstungsprogramm vorantreibt.

Internationale Vereinbarungen brechen, auch aufrüsten, oder unilateral weiter abrüsten im Glauben an den Weltfrieden. Vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen, die dem Ziel des "Global Zero", also dem Verzicht aller Supermächte auf Nuklearwaffen näherbringen?

Professionelle Schauspielerinnen und Theater-Laien an einem Tisch

Es sind Fragen über Fragen, die Yael Bartana in ihrem halb dokumentarischen, halb fiktionalen Abrüstungsdiskurs aufwerfen lässt - und zwar sowohl von professionellen Schauspielerinnen wie Anne Tismer, die als Außenministerin immer wieder das Matriarchat der Bonobo-Affen lobend hervorheben darf, wie auch von argumentativ überzeugenden Expertinnen, etwa der Abrüstungsbeauftragten der Bundesregierung, Patricia Flor, oder der Change-Org-Aktivistin Paula Peters.

Entblößte Oberkörper und Schlaflieder

Bei dem Diskursstück, in einem für nicht Geübte manchmal schwer verständlichen und nicht übersetztem Fach-Englisch, handelt es sich um scripted Dokufiction, das heißt Schauspielerinnen und Expertinnen haben ihre Rollen und Dialoge vorher eingeübt und aufeinander abgestimmt. Zwar vertreten die Abrüstungsfachfrauen Positionen, die sie auch von Berufs wegen ins Feld führen. Aber sie lassen sich auch auf kleine inszenierte Scharmützel ein, wenn etwa ein Kind am Konferenztisch anruft und auf Mutters Schlaflied beharrt oder ein junger Mann mit entblößtem Oberkörper Früchte reicht und ihm beschämt eines der vielen vermännlichten Jacketts der Diplomatenfrauen übergestreift wird.

Präsident "Twittler" macht Ernst

Das ist mäßig lustig und tut der Ernsthaftigkeit der recht willkürlich gestreiften Themen von globalem Interesse eher Abbruch: Bildung und Wissen für alle, Nord-Süd-Gefälle, Grassrootsaktivitäten, Feindbildprojektion, Fake News. Ob Frauen pazifistischer eingestellt sind als Männer, wird zum Glück nicht ausdiskutiert. Und obwohl eines der berühmten roten Telefone in Aktion tritt und dieser Präsident Twittler am Ende Ernst macht -  das der aktuellen Weltlage geschuldete Gefühl der atomaren Bedrohung wird durch diesen harmlosen Politdiskurs nicht befeuert.

Beitrag von Ute Büsing

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