BKA-Theater am Berliner Mehringdamm (Quelle: imago/Schöning)
Audio: radioBerlin 88,8 | 30.04.2018 | Interview mit BKA-Gründer Rubbert | Bild: imago/Schöning

Interview | BKA-Theater in Berlin-Kreuzberg - "30 Jahre - ein wunderbares Jubiläum"

Vor 30 Jahren wurde das BKA-Theater am Mehringdamm gegründet. Sissy Perlinger oder Tim Fischer sind hier groß geworden. Das Haus versteht sich immer noch als Innovationsbühne und ist weiterhin auf der Suche nach Talenten, erzählt Gründer Rainer Rubbert.

Ingo Hoppe, rbb: Ich bin 1988 nach Berlin gekommen und habe gedacht, dass es das BKA-Theater am Mehringdamm schon immer gab. Jetzt habe ich festgestellt, wenn ich früher gekommen wäre, hätte es den Veranstaltungsort noch nicht gegeben.

Rainer Rubbert: Da hätten Sie wohl eine leere Fabriketage vorgefunden - und noch zwei Jahre vorher eine der legendären West-Berliner Diskotheken, die Dachluke.

Rainer Rubbert (Quelle: imago/Future Image)
BKA-Mitbegründer Rainer Rubbert | Bild: imago/Future Image

Wann kam der Punkt, dass Sie dort für Jahrzehnte ein Theater einrichten?

Da muss ich etwas weiter ausholen. Wir haben seit Ende der 1970er Jahre Kabarett in Berlin gemacht – erst mit dem KaDeWe (Kabarett des Westens), da hatten wir im Max und Moritz und dann im Mehringhof-Theater gespielt. Unsere Gruppe hatte sich dann aufgelöst und neu formiert als "Die Enterbten". Wir waren dann in vielen kleinen Theatern auf Tournee. Irgendwann wurde aber wieder der Wunsch wach, ein eigenes Theater zu haben - weil es sehr komfortabel ist.

Viele werden sich erinnern, wen sie so alles auf der Bühne des BKA-Theaters gesehen haben, wie zum Beispiel Sissy Perlinger oder Tim Fischer. Was sind Ihre Höhepunkte aus den vergangenen Jahren?

In den Anfangsjahren waren es tatsächlich Tim Fischer und Sissy Perlinger. Die beiden waren Neuentdeckungen, die mein Kollege Jürgen Müller entdeckt hat. Anfang der 1990er Jahre hatten sich verschiedene kleine Formationen entwickelt, wie zum Beispiel Pigor & Eichhorn oder Popette Betancor. Diese Künstler haben alle bei uns angefangen, weil wir neu und offen waren. Zu dieser Zeit gab es in Berlin keine vergleichbare Bühne.

Neben den Erfolgen - gab es in 30 Jahren auch mal Künstlerinnen oder Künstler auf der Bühne, die richtig mies waren?

Ja, es gab auch Flops, an die ich mich nicht erinnern möchte (lacht).

Es gab mal diese Eintrittskarte für das BKA-Theater, die wie ein BVG-Ticket aussah. Bei Fahrkartenkontrollen wurden diese auch vorgezeigt. Daraufhin gab es Ärger.

Es war lustig und als Fälschung bei einer Kontrolle durchaus zu erkennen. Es gab aber bei der BVG Beschwerden von Kunden. Daraufhin hat die BVG gesagt, dass das Ticket eindeutig als Fälschung zu erkennen ist. Es ist also nie zu einem Prozess gekommen. Gott sei Dank.

Die Gegend rund um das BKA-Theater hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert. Viele Touristen kommen hierher und stehen sogar an Imbissen Schlange. Ist das gut für Sie, dass sich die Ecke so verändert hat?

Grundsätzlich finde ich es erst einmal gut, wenn Menschen da sind. Vor dem Mauerfall, als wir eröffnet hatten, war es einfach eine tote Ecke. Jetzt sind wir wirklich in der Mitte und in fünf Minuten an der Friedrichstraße. Es ist nur manchmal nervig, wenn man auf dem Bürgersteig nicht mehr durchkommt. Aber das nehmen wir in Kauf.

Hat die Veränderung der Stadt auch das Publikum des BKA-Theaters verändert?

Ja, bestimmt. Das sind ja langsame Prozesse. Man kann ja jetzt nicht sagen, plötzlich kommt Publikum aus Weißensee. Wir fragen die Leute auch nicht, woher sie kommen. Aber grundsätzlich hat das Publikum sich verändert.

Haben Sie gedacht, als Sie angetreten sind, dass es das BKA-Theater so lange gibt?

Wenn man jung ist, macht man sich über die Zukunft -  zum Glück – nicht so viele Gedanken. Ich freue mich, dass es uns 30 Jahre gibt. Das ist ein wunderbares Jubiläum.

Ich habe auch den Eindruck, Sie können mit Ihrer Kunst weitere 30 Jahre so weiter machen.

Auf jeden Fall. Das BKA zeichnet aus, dass es eine Innovationsbühne in Berlin ist. Nach wie vor versuchen wir, neue Talente zu entdecken, Menschen zu entdecken, die in Berlin noch nicht Fuß gefasst haben. Ihnen ein Podium zu bieten, damit sie hier groß werden, wie La Signora oder Stefan Danziger, als Berliner Neuentdeckung. Danziger hat als Stadtführer angefangen und füllt jetzt das Haus, was überaus erfreulich ist.

Wie entdecken Sie Ihre Künstler? Haben Sie Scouts oder bewerben sie sich bei Ihnen?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche Künstler bewerben sich, manchmal bewerben sich die Agenturen, manche kommen persönlich vorbei. Vieles ist auch auf Empfehlung. Wir sind auch jedes Jahr bei der Kleinkunstbörse in Freiburg, um zu gucken, ob es neue Talente gibt. Was uns aber auch auszeichnet, dass es keinen künstlerischen Direktor gibt, der alleine entscheidet.

Natürlich gibt es einen Geschäftsführer, der letzten Endes die Verantwortung trägt und die Veträge macht. Aber wir entscheiden in einem kleinen Team, was ins Haus reinpasst, unserem Konzept entspricht und beim Publikum ziehen könnte. Wir haben auch jüngere Kollegen bei, weil wir inzwischen auch 30 Jahre älter sind.

Bis November läuft das Jubiläums-Festival des BKA-Theaters mit sehr viel Programm.

Unser Highlight-Programm erstreckt sich über das gesamte Jahr, das in drei Kategorien unterteilt ist: Newcomer, BKA-Allstars und Special Guests, also die Promi-Ecke, wo beispielsweise Georgette Dee oder Pigor & Eichhorn wieder bei uns auftreten, weil sie bei uns angefangen haben.

Außerdem gibt es unsere erste Eigenproduktion, das Musical "Wildes Berlin" von Robert Löhr und Wolfgang Böhmer.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Ingo Hoppe, radioBerlin 88,8.  

Das vollständige Interview können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im oberen Bild des Artikels hören.

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