Campino bei der letzten Echo-Verleihung als er seine Wutrede gegen Antisemitismus hielt (Quelle: dpa/Axel Schmidt)
Bild: POOL AFP/AP Images

Rede bei umstrittener Echo-Vergabe - "Campino sollte das Bundesverdienstkreuz bekommen"

"Für mich persönlich ist die Grenze überschritten", hatte der Tote-Hosen-Sänger Campino kommentiert, als die Rapper Kollegah und Farid Bang den Musikpreis Echo bekamen. Dafür erhielt er viel Lob - und wird nun sogar für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung hat den Frontsänger der Toten Hosen, Campino, für seine Rede zu der umstrittenen Echo-Vergabe an Kollegah und Farid Bang gelobt. "Campino sollte für sein Engagement auf der Echo-Verleihung unbedingt gewürdigt werden, am besten mit dem Bundesverdienstkreuz", sagte Felix Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag).

"Antisemitismus neue Grenzen gesetzt"

Campino hatte wegen als judenfeindlich kritisierter Textzeilen der Rapper Kollegah und Farid Bang bei der Echo-Gala Mitte April gesagt, dass eine Grenze überschritten worden sei. Man müsse unterscheiden, ob die Provokation ein Stilmittel sei oder dazu diene, andere auszugrenzen. "Für mich persönlich ist die Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme, antisemitische Beleidigung geht und die Diskriminierung jeder anderen Religionsform", sagte der 55-Jährige wörtlich.

Klein forderte nun, Campino solle geehrt werden, "weil er vielleicht sogar langfristig unsere Gesellschaft verändert hat". Durch die Diskussion, die vor allem durch Campino angestoßen worden sei, "haben wir dem Antisemitismus im Pop, in der Kunst, in der Gesellschaft neue Grenzen gesetzt".

"Gemeinschaftliches Versagen"

Klein nannte die Echo-Gala nun "ein gemeinschaftliches Versagen". Dass im Vorfeld der Verleihung kaum einer empört gewesen sei, habe etwas mit einer Verrohung der Gesellschaft zu tun. Es sei um Kommerz gegangen. "Aber wenn die Gefühle von Holocaust-Überlebenden verletzt werden, muss Schluss sein mit dem Geschäftemachen."

Nach der Preisverleihung an Kollegah und Farid Bang kündigten mehrere Künstler an, ihre Echo-Preise aus Protest zurückgeben zu wollen. Der seit 1992 vergebene Musikpreis Echo wurde wenig später im Zuge der folgenden Antisemitismusdebatte abgeschafft. Die Bertelsmann Music Group (BMG) trennte sich von Farid Bang und Kollegah. Die Vertreterin der katholischen Kirche, Uta Losem, hatte als einzige im Beirat des Musikpreises gegen die Auszeichnung gestimmt.

Klein hat sein Amt als Antisemitismusbeauftragter offiziell zum 1. Mai angetreten.

Sendung: Inforadio, 07.05.2018, 02.00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

19 Kommentare

  1. 19.

    Campino, die Tote Hose, das Bundesverdienstkreuz?
    Nur?
    Warum nicht gleich den Friedensnobelpreis oder zumindest die Seligsprechung durch den Papst.

  2. 18.

    Wenn er "Eier" hätte, würde er das VK ablehnen wegen selbstverständlichen Handelns. Nun denn, mal sehen...

  3. 16.

    Aus für mich nicht ersichtlichen Gründen wurde mein erster Beitrag zu diesem Bericht wohl nicht veröffentlicht.
    Neuer Versuch:

    Meiner Meinung nach hat Campino nichts geleistet, um eine solche Ehrung zu verdienen.
    Er hat gesagt und getan, was ihm seiner Ansicht nach den meisten Zuspruch eingebracht hat, dabei aber wenig bis nichts riskiert.
    Mag sein Handeln auch korrekt (gewesen) sein: Mit dem Strom zu schwimmen ist keine Heldentat.

  4. 14.

    Was hat sich verändert? Z.B. Fichte-Schulen heißen noch so da Fichte für Deutsche anscheinend immer noch "eine Leitfigur der dt. Leitkultur", inkl. seiner Thesen bzw. Tiraden. Und dt. Politiker scheinen nicht mal ABC zu können wenn mit wilden Thesen um sich schmeißen und sich dabei aber mit Titeln wie "Jurist" schmücken - siehe z.B. Hohmann-Affäre, wo er in Rede komplett übergangen hat dass Unterschied zwischen dem dass sich Bürgerschaften des "Weimarer Bundes" eine Verfassung gaben mit welcher Kanzler Hitler Sondervollmachten vom gewählten/Bürger-mandatierten Hindenburg bekam und dass dt. Bürger Staatshaben (inkl. Schuld als juristische Person) für sich beanspruchen, und dem dass bei Bolschewisten angeblich paar Juden welche aber ohne jedwedes Mandat aller Juden.

    Und solchen Politikern (und denen welche für paar Hektar mehr Geld bekommen als z.B. ALGII ist) soll man nicht nur Steuern zahlen aber auch als Authorität anerkennen während die so tun als ob Fichte ein tolles Vorbild?

  5. 13.

    Es ist doch bezeichnend, wie laut hier "Heuchelei" gerufen wird, aber wie leise der Einsatz gegen Antisemitismus im Allgemeinen noch immer ist, dieses Forums inkl.: Man schaue mal zurück auf den antisemitischen Vorfall vor dem Restaurant Feinberg. Das war auch hier eine große Anzahl an antisemitischen Äußerungen, die von Verschörungstheorien genauso geprägt waren wie von Blut-und-Boden-Ideologie. Wer hier "Heuchler" ruft, darf sich gerne mal an die eigene Nase fassen und darüber nachdenken, wie viele jüdische Menschen man überhaupt persönlich kennt und warum in diesem Land Jüd*innen ihren Glauben lieber diskret behandeln.

    Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wäre selbstentlastender Aktionismus und keine nachhaltige Bildungsarbeit zur Bekämpfung von Antisemitismus in der gesamten Gesellschaft. Dieses autoritäre Statussymbol der Staatsgläubigkeit wurde im Übrigen auch Menschen verliehen, die von Enteignungen, Sterilisierungen und Ermordungen v. Jüd*innen profitierten.

  6. 12.

    Ja, die tote Hose Campino war der Einzige, der eine schwulstige Rede hielt und trotzdem seinen ECHO mit nach Hause nahm. Vielleicht ist das sein Verständnis für PUNK.
    Und ich glaube nicht, dass die Kriminellen, wie Sie sie nannten, je verurteilt werden, wegen Volksverhetzung.
    Dann würde das gleiche Schicksal die Band "FeineSahne Fischfilet" ereilen, die sich mit Textzeilen : „Deutschland ist scheiße – Deutschland ist Dreck! Gib mir ein ‘like’ gegen Deutschland! (…) Deutschland verrecke, das wäre wunderbar!“ oder „Wir stellen unseren eigenen Trupp zusammen und schicken den Mob dann auf euch rauf. Die Bullenhelme – sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein und danach schicken wir euch nach Bayern, denn die Ostsee soll frei von Bullen sein.“ hervor taten.
    Eine Frage bleibt aber: gibt es für die ECHO auch ein Preisgeld? Wenn ja, geben die "Aufrechten" das auch zurück, oder nur diese kiloschwere ECHO-Trophäe?

  7. 11.

    Auch mir ist es ein Rätsel, wieso Campino diese wichtige Ehrenmedallie erhalten soll. Stimme Ihnen voll zu, er hätte gleich bei seiner Rede den Echopreis zurückgeben, oder besser nicht annehmen sollen.

  8. 10.

    Also das mit Bundestverdienstkreuz ist wirklich etwas hoch geschossen.
    Aber natürlich hat Campino exakt richtig gehandelt und er war an dem Abend der EINZIGE!!
    Aber der Veranstalter hat mit dem Event richtig Geld gescheffelt. Neben der (sehr späten) Konsequenz, den Echo nun in seiner alten Form abzuschaffen, sollten er ALLE Erlöse aus diesem Abend einer, am besten jüdischen, Wohlfahrtsorganisation spenden.
    Und die beiden wegen Volksverhetzung Kriminellen werden hoffentlich bald verurteilt - am besten zu 6 Monaten Sozialdienst in einem jüdischen Pflegeheim! Und Auftrittsverbot!

  9. 9.

    Jedes Land hat die Bundesverdienstkreuzträger, die es verdient. Kein Echo mehr. kein Literaturpreis mehr, wann wird die unsagbar peinliche Bundesverdienstkreuzverteilung eingestellt?

  10. 8.

    Ja genau, Campino ein Bundesverdienstkreuz und Deniz Yücel auch gleich noch eins, aber wenn schon, dann bitte am goldenen Band (wenn es sowas gibt). :-D
    Leute, mit Deutschland geht es steil bergab.

  11. 7.

    Man erregt sich aufmerksamkeitsheischend über die Rapper, als ob das eine "Problemlösung" wäre, und übergeht immerfort, dass der Antisemitismus in Dt. an Schulen usw. zu nimmt. Also "wegen" des wochenlangen Echogelabers muss man jetzt gefühlt gar nichts mehr unternehmen. Mit dem Bundesverdienstkreuz für eine einzige Äußerung soll das jetzt noch höher geschwurbelt werden. = pseudo

  12. 6.

    Hoffentlich kommt es jetzt nicht zu Massenzurückgaben des Bundesverdienstkreuzes von Bürgern, die diese Auszeichnung für ihre jahrelang engagierte Arbeit in sozialen Bereichen bekommen haben.

    Gut, von verurteilten Steuerbetrügern, wie z.B. Hoeneß und Schwarzer, ist das wohl nicht zu erwarten.

  13. 5.

    Das Geschehen um die ECHO wird immer peinlicher.
    Gut, Tom Cruse bekam den Courage-Bambi, wie auch Bushido den Integrations-Bambi.
    Warum sollten wir dann nicht der toten Hose Campino das Bundesverdienstkreuz nachwerfen?

  14. 4.

    Naja, wenn eine Aktion reicht für das Bundesverdienstkreuz, dann sollte man es massenweise produzieren und an alle verleihen, die schon mal auffällig geworden sind. 80 Millionen Bundesverdienstkreuzträger, wie geil ist denn das!

  15. 3.

    Die Tote Hose Campino wird für ein Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen werden?
    Wofür?
    Dafür, dass er eine Rede gehalten hat, um danach seinen ECHO in Empfang zu nehmen? Hätte er Charakter, hätte er die Annahme des ECHOs gleich vor Ort abgelehnt.
    Und, was ist mit seiner Ankündigung, er, bez. die "Punk"-Band Die Toten Hosen, würden alle ihre ECHOs zurück geben, geworden?
    Ich habe davon nichts gehört und gesehen. Und glaubt mir, diese Zurückgabe wäre nicht ohne riesigen Medien-Tamtam vonstatten gegangen?
    Ich glaube, Böhmermann hatte diesen Campino schon richtig beschrieben: https://www.youtube.com/watch?v=qx_qdOWy784

  16. 2.

    ... was bitte soll das denn? Campinos Aussage war gut und richtig - aber auch selbstverständlich (im Gegensatz zu der sibirischen Heulsuse und allen Anderen die erst im Nachgang charakterfest wurden) aber dafür gleich das Bundesverdienstkreuz verleihen halte ich für ziemlich übertrieben. Und noch was: wenn sich die BMG erst nach der Preisverleihung von den „Künstlern“ trennt frage ich mich ernsthaft ob sich dort niemand VORHER mal die Texte angehört hat? Es stinkt überall nach Scheinheiligkeit ....

  17. 1.

    Die Ansage von Campino war sehr gut und absolut richtig. Aber Entschuldigung, soll so etwas (Selbstverständliches) jetzt schon für das Bundesverdienstkreuz ausreichen? Hat dieser Herr Klein eigentlich eine ungefähre Vorstellung davon, wie sehr dies diese bislang hoch angesehene und ehrenvolle Auszeichnung (es ist schließlich die höchste Anerkennung, die unser Staat vergibt) bagatellisieren würde? Um diese Auszeichnung zu erhalten, sollte man meiner Ansicht nach auch weiterhin höchste Leistungen für unser Gemeinwesen vorzuweisen haben. Eine Rede gegen Antisemitismus gehört da noch nicht hinzu, zumindest nicht allein. Ich empfinde Herrn Klein als absolute Fehlbesetzung für seinen Posten. Ist halt nur ein braver Parteisoldat.

Das könnte Sie auch interessieren