Game of Thrones live in concert
Audio: Inforadio | 15.05.2018 | Susanne Bruha | Bild: rbb/Bruha

Rezension | Serie in Berlin als Live-Konzert - "Game of Thrones" als aufgepumpter Werbetrailer

Während Millionen Fans weltweit auf die letzte Staffel von "Game of Thrones" warten, geht der Soundtrack der Kult-Serie auf Tour. Susanne Bruha schaute am Montag in der Mercedes-Benz-Arena zu. Ihr Fazit: Kitsch und Bombast für echte Fans.

Ich bekenne: Ich habe noch keine einzige Folge gesehen. Deswegen habe ich meinen Kollegen und "Game of Thrones"-Fan Christoph aus der Onlineredaktion mit in die Mercedes-Benz-Arena genommen – als Berater sozusagen. Christoph hat bis auf das "Game of Thrones"-Kochbuch eigentlich alles gesehen, gelesen und sogar bereist, was es zu dieser Serie gibt. Er war sogar schon mal extra mit der ganzen Familie in Dubrovnik in Kroatien im Urlaub, weil dort die Szenen gedreht werden, die in der Hauptstadt King's Landing spielen.

"Wer hat noch nie 'Games of Thrones' gesehen?"

Zurück nach Berlin: Nachdem uns die Stimme der bösen Königin Cersei Lannister begrüßt hat, spielt das Orchester die Titelmusik - dazu sind auf der großen Leinwand Filmausschnitte zu sehen. Die Armee der Toten marschiert und alle wichtigen Charaktere tauchen kurz auf. Kleinere Video-Leinwände zeigen Chor, Orchester und einen freudestrahlenden Dirigenten. Der ursprünglich aus Duisburg stammende Komponist der Serie, der 43-jährige Ramin Djawadi, stellt jetzt die Gretchenfrage: "Wer hat noch nie 'Games of Thrones' gesehen?" Der Saal lacht. Ich ducke mich. Für die Frage, wer 'Game of Thrones' schaut erntet Djawadi Jubel und Applaus.

Die Violistin wird in die Arena gefahren

Was dann folgt, wirkt, zumindest auf mich, wie ein zweieinhalbstündiger Werbetrailer, aufgepumpt durch die Bühnen-Liveshow. Auf einer Vorbühne wird jetzt die erste Violinistin während ihres süßlich-schmalzigen Solos in den rotausgeleuchteten Himmel der Arena gefahren. Ihr Kleid fällt dabei metertief wie ein Zelt herab, oben angekommen rieseln rote Blätter auf sie runter: Kitsch und Bombast für echte Fans.

Eine Live-Show von Game of Thrones mit dem Orchester-Dirigent Ramin Djawadi
Die Solistin im roten Kleid | Bild: imago/Agencia EFE

Das große Schlachten bleibt aus

Pro Musikstück werden die wichtigsten Charaktere vorgestellt und einzelne Stränge ihres Schicksals erzählt. Andere Titel illustrieren Schlüsselszenen: wie der Kopf-ab-Mord an Nat Stark am Ende der ersten Staffel oder - Christoph hält sich bang die Hand vor Augen - "The Red Wedding!" In dieser Folge wird fast die ganze Familie Stark durch großen Verrat umgebracht. Allerdings: Für das "Game of Thrones"-Konzert wurden die Szenen so zusammengeschnitten, dass allzu große Brutalität oder explizite Sexualität nicht zu sehen sind. Die Musik bleibt der Star des Abends. So gibt es neben Chor, Solosängerin, Percussion, Streichern und Bläsern auch immer wieder besondere Instrumente zu hören. Einmal ein meterlanges sogenanntes Wildlingshorn - benannt nach einem Barbarenstamm aus der Serie - oder ein Hackbrett.

Serienmusik als Konzerte – komisches Konzept

Nach zweieinhalb Stunden Show spielt das Orchester nochmal das Titellied und Ramin Djawadi fordert das Publikum auf, mitzusingen. Die Fans allerdings filmen lieber, und wir resümieren. Kollege und Fan Christoph lobt den Abend dafür, dass man wunderbar schwelgen konnte in fast allen Facetten dieser Serie. Vermisst habe er nur die lustigen oder ruhigen Momente. Aber denen fehle wahrscheinlich die entsprechend bombastische Filmmusik.

Und auch bei mir "Game of Thrones"-Neuling hat die Dauerwerbesendung funktioniert: Ich werde demnächst mal reingucken in die Serie. Das Konzept Serienmusik als Konzert zu spielen allerdings, hat mich nicht so überzeugt.



Sendung: Inforadio, 15.05.2018, 06:55 Uhr

Beitrag von Susanne Bruha

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Die musikalische Darbietung in dieser Veranstaltung zusammenfassend als Kitsch zu bezeichnen, ist keine Ansicht sondern schlichte Ignoranz. Der Sinfonieorchester und die Solisten haben auf so einem hohem Niveau gespielt, das Ganze hätte auch in der Berliner Philharmonie stattfinden können. Ich fühlte mich geehrt, dabei zu sein und die schöne Musik live zu erleben, so wie diese der Komponist selbst fühlt. Und das war die Idee des Abends und nicht die Werbung für die Serie oder irgendwelche lustigen Momente(?). Die Serien Fans durften nochmal die schlimmen oder die schönen Momente aus der bewegenden Geschichte durchleben und die dafür komponierte Hintergrundmusik auch einmal bewusst wahrnehmen.

  2. 4.

    Da wir Ihren Kommentar nicht ignorieren möchten: Danke für Ihr Feedback. Und bitte haben Sie die Offenheit, andere Ansichten zu tolieren - vor allem in der Kunst.

  3. 3.

    Wir haben die Veranstaltung in Berlin auch gesehen und waren begeistert. Wie kann der RBB eine Reporterin in die M.-B.- Arena schicken, die von der Materie keine Ahnung hat ? Die Rezension zeugt von Inkompetenz. Wir sollten den RBB einfach ignorieren.

  4. 2.

    Danke für Ihre Zeilen...habe sehr gelacht, wir waren auch bei dieser großartigen Show....Der Artikel paßt genau zum RBB. Das nächste mal bitte lieber einen Bericht vom Tierpark....damit kennt sich RBB aus....wird ja ständig wiederholt.

  5. 1.

    Wir hatten uns vor ein paar Wochen "Star Wars in Concert" angeschaut/angehört - das ist ja quasi das Gleiche Prinzip.
    Den Film - "Eps. IV - Eine neue Hoffnung" - kannten wir zwar fast in- und auswendig, das tat dem Abend aber nicht weh. Im Gegenteil, so konnte man sich in aller Ruhe auf die Musik konzentrieren und sie genießen.
    Ich möchte behaupten, dass beide - Film und Serie - großartige Filmmusik besitzen und diese dann von einem Orchester live zu hören, setzt dem Ganzen nochmals eine Krone mehr auf.
    Das Prinzip dieser Konzertreihen finde ich daher vollkommen gelungen und für alle Fans der Filmmusik eine gute Sache. Man muss es ja nicht als "Werbung für den Film" verstehen. Vor allem, wenn wie hier bei GoT nur Szenenausschnitte gezeigt werden - da fehlt einem doch der Zusammenhang, wenn man die Serie nicht kennt.
    Ich hätte mir GoT-Live auch gerne angesehen/angehört, aber zwei derartige Veranstaltungen waren dann leider nicht im Haushaltsbudget bzw der Zeitplanung (Kinder) drin.

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