Gefangene Soldaten während des ersten Weltkriegs (Quelle: imago/United Archives)
Video: rbb/Erlebnis Geschichte | 15.05.2018 | Bild: imago/United Archives

Opferfotos im Berliner Anti-Kriegs-Museum - "Mr. Trump und Mr. Putin, schauen Sie sich diese Bilder an"

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrten sechs Millionen Soldaten zurück nach Deutschland, viele von ihnen seelisch und körperlich schwer gezeichnet. Der Pazifist Ernst Friedrich zeigte von 1923 an Bilder der Männer im Berliner Anti-Kriegs-Museum. Bilder, die bis heute verstören. Von Maren Schibilsky

Die vier großen Fotos in schwarz-weiß hängen gleich gegenüber der Eingangstür im Anti-Kriegs-Museum in der Brüsseler Straße im Berliner Wedding - und wer sie einmal gesehen hat, vergisst sie wahrscheinlich nie wieder. Es sind die Porträts von vier jungen Männern, die aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt sind. Ihre Gesichter sind durch Schussverletzungen bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Einem jungen Mann fehlen Mund und Nase. In seiner Gesichtsmitte klafft ein Riesenloch.

"Die verstümmelte Fratze des Ersten Weltkriegs zeigen"

Mit diesen Fotos schockte der Jungpazifist Ernst Friedrich 1923 die Berliner Öffentlichkeit. Er zeigte sie in seinem weltweit ersten Anti-Kriegs-Museum in der Parochialstraße 29 in Berlin-Mitte. "Er wollte den Menschen mit aller Brutalität die verstümmelte Fratze des Ersten Weltkrieges offenbaren", erzählt der heutige Museumsinhaber Tommy Spree. Er ist der Enkel von Ernst Friedrich.

"Die Fotos der Kriegsverstümmelten bekam mein Großvater vom damals bedeutenden Berliner Chirurgen Ferdinand Sauerbruch", berichtet Spree. Diese Schwerverletzten waren nach 1918 in Kliniken am Kleinen und Großen Wannsee untergebracht und wurden von Ferdinand Sauerbruch von der Charité operiert. Acht, neun, zehn und mehr Operationen mussten sie über sich ergehen lassen. Viele überstanden diese Tortur nicht. Andere, die überlebten, mieden Zeit ihres Lebens den Spiegel und wollten nicht mehr zu ihren Familien zurückkehren.

Friedrich hasste den Krieg

"Ernst Friedrich hat einen dieser Gesichtsverletzten persönlich gekannt", erzählt sein 79-jähriger Enkel. Dem Mann wurde das halbe Gesicht weggeschossen. "Mein Großvater besuchte ihn mehrmals und erlebte mit, wie der Mann künstlich ernährt wurde. Nämlich mit einem Schlauch und einer Traubenzuckerlösung, die in die Speiseröhre eingeführt wurde."

Ernst Friedrich hasste den Krieg. Anders als die meisten deutschen Männer, die 1914 voller Patriotismus und Siegeszuversicht in den Ersten Weltkrieg zogen, verweigerte er den Dienst an der Waffe, und er weigerte sich, eine Uniform anzuziehen. Daraufhin sperrte man Ernst Friedrich in eine Beobachtungsstation für Geisteskranke. 1917 kam er wegen Sabotage in einem kriegswichtigen Betrieb ins Gefängnis. 1918 befreiten ihn die Spartakisten.

Mehr als zwei Millionen dauerhaft Versehrte

Das Elend in Berlins Straßen erschütterte den Jungpazifisten nach Kriegsende tief. Mehr als zwei Millionen dauerhaft Versehrte kehrten aus dem ersten modernen Maschinenkrieg der Geschichte zurück. Ein Heer von Erblindeten, Amputierten, Zerschmetterten und Entstellten, aber auch psychisch Kranke brachten unvorstellbares Grauen und große soziale Probleme in viele Familien. Denn das wenige Geld, das die Militärversorgungsgesetze bereithielten, zwang viele Kriegs-Heimkehrer als Bettler auf die Straße.

"Ernst Friedrich hatte den Ersten Weltkrieg als Desaster für die Menschheit in ganz Europa gesehen", meint sein Enkel Tommy Spree. Friedrich wurde zum Anhänger der 1919 gegründeten "Nie-wieder-Krieg"-Bewegung und stellte in seinem Museum Antikriegskunst von Käthe Kollwitz und Otto Dix aus.

Die Fotos der Gesichtsverletzten haben ihn jedoch weltberühmt gemacht. Sie sind auch Bestandteil seines unvergessenen Buches "Krieg dem Kriege", das 1924 erschien, in mehrere Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft wurde. Kurt Tucholsky nannte die Fotos damals "die fürchterlichsten Dokumente, die ihm jemals unter die Augen gekommen sind."

Kleines Museum mit großer Wirkung

"Und noch heute erregen diese Bilder im Berliner Anti-Kriegs-Museum großes Aufsehen", bestätigt Spree. Schulklassen und geschichtsinteressierte Menschen aus dem In- und Ausland kommen in das kleine Museum mit großer Wirkung.

"Eine Amerikanerin beschwerte sich mal bei mir", erzählt Tommy Spree, "dass sie beim Anblick dieser Fotos gleich in Ohnmacht falle." Daraufhin sagte ich ihr: "Besser Sie fallen in meinem Museum in Ohnmacht, als dass Sie in Ohnmacht fallen, wenn ihr Sohn im Krieg bleibt."

Ernst Friedrichs Anti-Kriegs-Museum mahnt bis heute mit einer Dauerausstellung vor den traumatischen Folgen von Kriegen, zeigt pazifistische Aktionen und dokumentiert die aktuelle Kriegssituation in der Welt. "Heute würde Ernst Friedrich sagen", sein Enkel, "Mr. Trump und Mr. Putin, schauen Sie sich diese Bilder an, bevor Sie weiter in Syrien Krieg führen und Giftgas werfen."

Ein Museum für den Frieden

Sendung: Erlebnis Geschichte , 15.05.2018, 21:00 Uhr

Beitrag von Maren Schibilsky

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    Na ja, nicht von der Energie her, doch vom Diskussionsstil her denke ich oft, ich wäre der genannte Opa: Kein Streit einer Frontbildung und eines Sieges wegen, sondern, wenn denn schon Streit, dann vereinzelt, gezielt und eines Umstandes wegen. Ansonsten einfach Beobachtung ...

  2. 18.

    Bei ihren Kommentaren muss ich immer an meinen lieben Opa aus Norddeutschland denken, der sagte immer:

    Wat harr dat jümmer för ´n Spaaß maakt. Gau d‘röver hen. Midden dör de Natur. Vögels und Blömen um mi herum. Af un an ok en Koppel mit Koorn. Koorn för Brood, Koorn för Beer. Grönet Land. De Duft van harde Arbeid in de Luft. Mennigmaal ok tovööl daarvan. Nöös hollen und wieder ;-) ;-)

  3. 16.

    "Mr. Trump und Mr. Putin, schauen Sie sich diese Bilder an, bevor Sie weiter in Syrien Krieg führen und Giftgas werfen." - was für eine Lüge und Vorverurteilung.
    Trump hat, im Gegensatz zu seinem mit dem Friedesnsnopreis ausgezeichneten Vorgänger, bisher keine Kriege geführt oder einen direkten Mordauftrag gegeben und einen Giftgasangriff konnte bis heute Putin und seine Verbündeten nicht nachgewiesen werden.
    Natürlich sind Bilder vom Krieg immer ansehnlich und kaum verkraftbar, erinnern wir uns z.B. an die Bilder aus Vietnam.
    Aber solche Aufrufe sind tendenziös und unsinnig.
    Wenn, dann sollten WIR uns Alle diese Bilder ansehen und darüber nachdenken, ob wir nicht ein Teil davon sind.

  4. 14.

    Ja, ich gebe Ihnen Recht, dass mit Orthographie ist schon ziemlich schwer. Vor allen Dingen, wenn ich auf das Fehlen bei den Anderen achte, ohne aber auf mein eigenes Geschriebenes.

  5. 13.

    Als erstes rate ich den Kommentatoren, Rechtschreibung und Orthographie entweder zu lernen, oder zu prüfen, bevor der Kommentar gesendet wird. Dann sollte man dazu mit Argumenten kommen.
    Außerdem sollten diese Protagonisten der Kommentarfunktion das Museum besuchen und die Bilder auf sich wirken lassen um dann zu begreifen, was es mit diesem Bericht überhaupt auf sich hat.
    Viel Erfolg.

  6. 12.

    Was hat das jetzt mit Trump oder Putin zu tun?

    Also der Sozi-Typ vor Trump ist ohne Mandat in den Krieg gezogen, vorher hat er sich noch den Nobel geholt.
    Trump ist gut für den Weltfrieden, Korea, Israel... bringt sein Land nach vorn, ist ja auch sein Land, nicht D'land.
    Und Putin bewahrt die Nato "Alliierten" vor Bodeneinsätzen, in dem er Assads Armee bei Laune hält.
    Ansonsten würde diese Armee beim Sturz Assads zerfallen, und dann wäre es viel katastrophaler, mal hier und da ne Bombe abwerfen kann ja jeder. Sie haben kein Bock am Boden zu kämpfen, weil es in Fernost auch nicht geklappt hat, deswegen ist Assad wichtig.
    Ja und die Krim gehört zu Russland, die Ukraine erfüllt seit Auflösung der SU die Bedingungen nicht mehr und hat keinen Anspruch. Beweis sind auch die Bevölkerungszahlen von Russen auf der Krim oder sind alle in die Krim eingewandert?
    Da können die Deutschen hetzen wie sie wollen.

  7. 11.

    Wir sind mit einer wunderbaren Phantasie gesegnet, die uns hilft, beim Durchqueren einer Wüste nicht unabdingbar zu verhungern, sondern mittels einer Fata Mogana dennoch ans Ziel zu kommen. Und diese Phantasie wird andererseits all zu oft dazu benutzt, etwas definitiv zu unterstellen, von dem wir gar nichts wissen.

    Wenn der Nachbar vor meiner Tür versehentlich etwas fallen lässt und das Schlüsselloch meiner altmodischer Tür ist für 3 Sekunden dunkel: Hat er denn durch mein Schlüssellloch geguckt oder habe ich ihm dies nur unterstellt?

    Ich glaube, dass die Ursache der Kriege in der persönlichen Unsouveränität liegt, die Tatsache nicht aushalten zu können, dass nur das Allerwenigste gemäß des eigenen Bildes geschieht.

  8. 10.

    " Anders als die meisten deutschen Männer, die 1914 voller Patriotismus und Siegeszuversicht in den Ersten Weltkrieg zogen, verweigerte er den Dienst an der Waffe, und er weigerte sich, eine Uniform anzuziehen. Daraufhin sperrte man Ernst Friedrich in eine Beobachtungsstation für Geisteskranke."
    Wenn die BRD mobil machen würden, dann könnte man sich dem heutzutage auch nicht entziehen.
    Patriotismus und Siegeszuversicht werden zum Glück schon jetzt von den Medien konsequent zerstört.
    Die Bundeswehr ist nach Darstellung der Medien nur ein Schrotthaufen und die Waffen untauglich.
    Die deutsche Nation wird von Medien schlecht geredet oder infrage gestellt. Patrioten gibt es deshalb wohl kaum noch, aber vielleicht Abenteurer und Gewaltromantiker.

  9. 8.

    Was soll eine solche Überschrift?
    Vielleicht sollte man auch erinnern, dass die deutsche Waffenindustrie, die im Zeitraum von 2014-2017 fast um 21% an Umsatz hinzu legte, unter der Regiede von Merkel und den Wirtschaftsministern, auch an den kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt war/ist.
    Aber sicherlich geht es nur um das Blashing der beiden Staatsführer.

  10. 6.

    <Zitat>"Mr. Trump und Mr. Putin, schauen Sie sich diese Bilder an, bevor Sie weiter in Syrien Krieg führen und Giftgas werfen."</Zitat>
    So wichtig ich ein Engagement gegen Krieg finde, dieser Satz ist für mich völlig daneben! Es war nicht Trump, der die syrischen Rebellen zum Aufstand gegen Assad aufgewiegelt hat. Es war auch nicht Trump, der sie danach im Stich gelassen hat. Dieser Präsident hat von vornherein erkennen lassen, dass er diverse militärische Engagements seiner Vorgänger beenden will, was aus Rücksicht auf die Länder bisher kaum umzusetzen war.
    Putin hat auch kein Giftgas eingesetzt, ob Assad das getan hat, weiß man zumindest teilweise nicht genau. Zuzutrauen ist es ihm, aber die Experten sind gerade verdächtig still. Völkerrechtlich war es zudem statthaft, dass Assad um Putins Hilfe gebeten hat. Militärisch ist dieser Konflikt nicht zu gewinnen, da muss eine gemeinsame politische Lösung her. Und zwar schnell, um das Leiden von Zivilisten endlich zu beenden!

  11. 5.

    Ein Zitat, das Sie, die Redaktion von RBB24, gezielt ausgewählt haben, um Leser zu manipulieren.

    Weshalb ich der Meinung bin, dass Sie Leser manipulieren wollen?
    Weil dieses Zitat nur am Rande mit dem Context und dem Inhalt des Artikels zu tun hat. Sie hätten durchaus Zitate nutzen können, die wesentlich näher am Thema liegen.

  12. 3.

    Leider wird Homo Sapiens niemals daraus lernen, scheint ein Gendefekt zu sein.

  13. 2.

    Wieso Trump und Putin? Was für eine oberflächliche und dumme Headline!
    Das sollten sich die Deutschen Politiker mal angucken- besonders die, die Russland provozieren und die, die der deutschen Wirtschaft Kontakte für den Waffenexport vermitteln.

  14. 1.

    Manchmal habe ich das Gefühl wir Europäer sind wieder sehr nah dran am KRIEG (zuletzt bei dem Raketenangriff auf Damaskus). Einfach hineingerissen zu werden.
    Dann sehe ich wie es den meisten gar nicht so wichtig ist und ihren Alltag anderweitige Themen bestimmen. Vielleicht ist dies ja menschlich! Deshalb halte ich dieses Thema für äusserst wichtig!

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