Archivbild: Der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh, posiert in Potsdam. (Quelle: dpa/Kastl)
Video: Abendschau | 15.05.2018 | Boris Hermel | Bild: dpa/Kastl

Hartmut Dorgerloh wird Generalintendant - Der Herr über Preußens Schlösser zieht ins Humboldt Forum

Mit populären Ausstellungen etwa zur Preußenkönigin Luise oder zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen wurde er bekannt. Nun übernimmt der Kunsthistoriker und "Schlossverwalter" Hartmut Dorgerloh die Intendanz des Humboldt Forums in Berlins Mitte.  

Kreativ, durchsetzungsstark und kommunikationsfreudig soll er sein, Hartmut Dorgerloh, seines Zeichens künftiger Generalintendant des Humboldt Forums im neuen Berliner Stadtschloss und damit Chef des ambitionierten Museumszentrums in Berlins Mitte. Das hat der Stiftungsrat des geplanten Humboldt Forums am Dienstag beschlossen. Auf Vorschlag von Kulturstaatsministerin Monika Grütters übernimmt der 55-jährige Kunsthistoriker die verantwortungsvolle Aufgabe.

Der Ost-Berliner Herr der Schlösser und Gärten

15 Jahre lang stand der gebürtige Ost-Berliner Hartmut Dorgerloh an der Spitze der Potsdamer Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Dort war er für mehr als 550 Mitarbeiter, 750 Hektar Parkanlagen und rund 300 Gebäude verantwortlich, darunter 30 Museumsschlösser. Auch das Schloss Charlottenburg und das Schloss Sanssouci gehörten zu seinem Revier.

Im Humboldt Forum muss er ab ersten Juni nun die Interessen der künftigen Nutzer miteinander vereinbaren - das sind die Preußenstiftung, die Humboldt-Universität und das Land Berlin. Außerdem hat er die kuratorische Verantwortung für das Gesamtkonzept. "Das ist eine richtig spannende große Aufgabe, ich habe da Lust drauf und auch Respekt vor der Aufgabe", sagt er dem rbb.

"Man kann auch aus einer Kaffeetasse eine tolle Geschichte machen"

Denn jeder der Beteiligten hätte seine Vorstellung davon, wie das Konzept im Humboldtforum aussieht. Dorgerloh begreift das auch als Chance und hält es im humboldtschen Sinne für ein Abenteuer: "Als Humboldt nach Südamerika aufbrach, da wusste er so ungefähr, was ihn erwartet. Und vor Ort war es dann oft wie erwartet und manchmal auch eine große Überraschung."

Was ganz wichtiges für seine Arbeit habe Dorgerloh bereits als Schüler gelernt: "Man kann auch aus einer Kaffeetasse eine tolle Geschichte machen. Also man kann erzählen und Geschichten erzählen machen wir in den Schlössern und Parks, das wird auch die große Aufgabe im Humboldtforum sein." Aber nicht nur die eigenen Geschichten sollen erzählt werden. Dorgerloh wünscht sich Gäste aus aller Welt: "Wir werden Menschen aus der ganzen Welt einladen, ihre Geschichten hier uns zu erzählen und gemeinsam zum Klingen zu bringen, ich freue mich drauf."

Pfarrerssohn, der die Potsdamer Schlössernacht erfand und mit Ausstellungen brillierte

Mit populären Ausstellungen etwa zur Preußenkönigin Luise oder zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen wurde Dorgerloh bekannt. Die Potsdamer Schlössernacht ist  praktisch seine Erfindung. In seiner Amtszeit wurde ein "Masterplan" abgeschlossen, der bis 2030 mehr als eine halbe Milliarde Euro für die Sanierung der Schlösserlandschaft vorsieht.

Auch die Planungen für das Humboldtforum seien schon konkreter gereift. Ende Mai sollen die ersten Ausstellungsstücke kommen. Es soll Dauerausstellungen geben, genauso wie Platz für freie Flächen und wechselnde Ausstellungen. Die Humboldts stünden auch für diese Idee des Festen und Flexiblen Pate: "Das alles miteinander zusammenhängt, die Kultur mit der Natur auf der einen Seite, die Gesellschaft mit den Menschen", erklärt er in der rbb Abendschau.

Museumsarbeit ins Internet- und Tabletzeitalter übersetzen

Und dann sei da noch die sprachliche und kommunikative Herausforderung. Wilhelm von Humboldt war einer der wichtigsten Sprachwissenschaftler. Seine hervorragende Übersetzungsarbeit sieht er als Vorbild für das Humboldtforum: Man müsse die Museumsarbeit so übersetzen, dass wir sie in unserem Internet- und Tabletzeitalter noch verstehen könnten und trotzdem noch Lust hätten, ins Humboldtforum zu kommen. 

1962 als Pfarrerssohn im Osten Berlins geboren und in Potsdam aufgewachsen, arbeitete Dorgerloh schon während der Schulzeit als Schlossführer in Sanssouci. Nach dem Studium war er zunächst Denkmalpfleger in der DDR, später in der Brandenburger Landesregierung. 2002 übernahm er die Leitung der Schlösserstiftung.

Mit Dorgerloh lässt es sich studieren

Seit 2004 lehrt er zudem als Honorarprofessor an der Berliner Humboldt-Universität und hat regelmäßig auch an anderen Hochschulen Lehraufträge. Sein Bruder ist der evangelische Theologe und frühere SPD-Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Stephan Dorgerloh.

Das Humboldt Forum soll Ende kommenden Jahres eröffnet werden.

Doku: Ein Schloss für alle - Hinter den Fassaden des Humboldt Forums

Archivbild: Die Fassade des Berliner Stadtschlosses, des Humboldtforums, ist am 15.01.2018 neben dem Berliner Dom zu sehen (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
dpa/Wolfgang Kumm

       

Sendung: Abendschau, 15.05.2018

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich kann ihm eigentlich nur Glück wünschen und glaube, dass er für diese Aufgabe recht prädestiniert ist. Das Humboldt-Forum in der äußerlichen Gestalt des früheren Berliner Stadtschlosses braucht jemand, der die zweifellose Strahlkraft auch in die heutige Zeit "übersetzt".

    Kaum eine Stadt hat so große Schwierigkeiten, seine eigene Mitte zu begreifen, wie Berlin. Und ohne das Humboldt-Forum, was diese Mitte quasi "natürlich" verkörpert, würde die Suche nach dieser Mitte schier endlos sein - Der Breitscheidplatz des früheren West-Berlin, der Alexanderplatz des früheren Ost-Berlin und der Potsdamer Platz von "Neu-Berlin" verkörpern eben nur bestimmte Teilaspekte der Stadt, ohne eine Klammer insgesamt zu sein.

    In Potsdam war er etwas "eingezwängt" zwischen der Oberhoheit über das Welterbe und der Tatsache, dass dieses tagtäglich nicht nur von Interessierten, sondern auch von Uninteressierten genutzt wird. Zweites ist beim Humboldt-Forum kaum zu befürchten.

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