Schauspielerin Zazie Beetz (Quelle: Imago/John Angelillo)
Audio: radioBerlin 88.8 | 18.05.2018 | Frauke Gust | Bild: imago stock&people

Interview | "Deadpool 2"-Heldin Zazie Beetz aus Lichtenberg - Aufgewachsen mit KiKa und Opas Spätzle

Am Donnerstag startet die Actionkomödie "Deadpool 2" mit Zazie Beetz als neuer Superheldin Domino. Geboren ist die 26-Jährige in Berlin-Lichtenberg - ihre Wurzeln helfen ihr auch, trotz Hollywood-Höhenflug die Bodenhaftung zu behalten.

rbb|24: Sie sind in Berlin geboren und in New York aufgewachsen. Können wir das Interview trotzdem auf Deutsch führen?

Zazie Beetz: Ja! Meine Großeltern kommen nachher auch noch vorbei, die wohnen zehn Minuten von hier entfernt in Lichtenberg. Mein Papa hat immer Deutsch mit mir gesprochen, meine Mama Englisch. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich noch ganz klein war. Ich habe viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht - und die können überhaupt kein Englisch. Im Sommer war ich hier alleine bei Oma und Opa in Berlin - statt Ferienlager. Deswegen hab ich auch kulturell so eine Beziehung hierher. Ich bin mit KiKa aufgewachsen, mein Opa macht immer Spätzle, wir sind ins Allgäu gefahren in ein Ferienhaus - ich hatte keine andere Wahl. Ich muss sagen: Ich bin sehr dankbar dafür.

Haben Sie auch deutsche Charaktereigenschaften?

Das weiß ich nicht. Mein Papa hat immer ein Stoff-Taschentuch benutzt, das mache ich auch. Ich esse auch gerne zu Hause, mach mir Spätzle mit Bratkartoffeln und sowas. Vom Stereotyp her bin ich vielleicht ein bisschen netter als Deutsche.

Wie alt waren Sie, als Sie nach Amerika sind?

Ich war ein Jahr alt. Aber vom vierten bis zum fünften Lebensjahr war ich hier im Kindergarten, und dann hab ich in New York mit der Schule angefangen.

Wie war das für Sie, als Marvel angeklopft hat mit einer großen Rolle?

Das war sehr aufregend, hat mir aber auch viel Druck gemacht. Ich wusste: Das wird jetzt das größte Publikum, vor dem ich jemals in meinem Leben stehen werde. Ich bin auch keine Komikerin, ich habe davor mehr so kleine ernste Sachen gemacht, deshalb war das eine Herausforderung für mich. Ryan (Reynolds) hat mich dabei toll unterstützt. Von der Comicvorlage her ist meine Figur Domino weiß. Ich bin es nicht und wusste, dass das für manche Fans ein bisschen problematisch sein könnte. Deshalb wollte ich es wenigstens vom Schauspielern her so gut machen wie möglich.

Wie geht es Ihnen damit, so berühmt zu sein?

In den letzten paar Wochen hat sich mein Leben sehr verändert. Ich wusste, was auf mich zukommen würde - es ist trotzdem sehr surreal. Auf der anderen Seite wird mir dieser ganze Trip hier finanziert, ich hab keinen Pfennig ausgegeben! Das ist auch ganz toll für mich. Mein Papa ist Tischler, er hat sein Abitur in der Abendschule gemacht. Ich bin ganz normal aufgewachsen. Ich muss mir immer wieder klar machen: Ich hab meine Mama, ich hab meinen Papa, Oma und Opa, meinen Freund, meine Freundinnen, und alles andere bewusst ein bisschen klein halten.

Wie sind Marvel überhaupt auf Sie gekommen, was haben Sie vorher gemacht?

2013 hab ich Diplom gemacht. Ich habe Französisch studiert, aber nebenbei noch Theater gespielt. Ich hab im Restaurant gearbeitet und fing nebenbei an, mich als Schauspielerin auf professionellere Weise zu bewerben, habe bei einem Casting-Agenten gearbeitet, hatte zwei, drei Kurzfilme, bin zu Vorsprechen gegangen. Dann kam "Atlanta", und ich glaube deswegen ist mir dann "Deadpool" angeboten worden.

Apropos "Atlanta": Sie spielen dort die Freundin von Donald Glover alias Childish Gambino. Was halten Sie von seinem Sensations-Video "This is America"?

Ich find's ganz toll. Ich respektiere Donald sehr! Er ist immer ein bisschen weird, er macht das, was ihm am Herzen liegt - ich bin einfach so stolz! Ich find's richtig geil.

Sie sind Jahrgang 1991, werden bald 27. Was bedeutet es für Sie, dass Sie jetzt Ihre Karriere richtig starten können, zu einem Zeitpunkt, wo wir die Gender-Diskussion haben, wo es mehr und mehr coole Rollen für Frauen gibt?

Ich glaube vor zehn Jahren wäre das alles anders abgelaufen. Ich habe wirklich Glück gehabt, zur richtigen Zeit mit meinem Look. Interessant finde ich allerdings, wie darüber geredet wird. Mehrmals wurde mir gesagt: "So krause Haare sind richtig angesagt im Moment" oder "Frauen im Film, Frauenthemen sind richtig cool, und wir wollen jetzt was draus machen." Niemand sagt aber: "Männerfilme sind im Moment so richtig cool." Das geht gerade alles in eine andere Richtung, und ich finde das wunderbar. Wir bewegen uns - und ich weiß nicht, ob wir schon am Ziel angekommen sind. Wir sind in einer sehr interessanten Zeit, was Musik, Film, Fernsehen und auch Serien angeht. Es ist schon richtig revolutionär, ein Teil davon zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Frauke Gust, radioBerlin.

Sendung: radioBerlin, 18.05.2018, 14 Uhr

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