Baxter Dury bei einem Auftritt am 4.5.2018 (Quelle: Photoshot)
Audio: Radioeins | 16.05.2018 | Gespräch mit Raffaela Jungbauer | Bild: picture alliance/Photoshot

Konzertkritik | Baxter Dury im Berliner Bi Nuu - Feuer und Flamme für den Chanson-Punk

Mit seinem Album "Prince Of Tears" hat es Baxter Dury voriges Jahr in die britischen Top 50 geschafft. Am Dienstagabend gab er im Berliner Bi Nuu sein einziges Deutschlandkonzert dazu - und bohrte sich auch hier in die Herzen der Indiefans. Von Raffaela Jungbauer

Draußen regnet es, als hätten wir Sommer 2017. Drinnen füllt es sich. Das Bi Nuu ist ausverkauft. Was ist es, was die Leute so an Baxter Dury reizt? Es ist seine Coolness - oder die, die man ihm unterstellt? Der Mann mit den grauen Haaren, der immer Anzug trägt, wird von der Presse als lässige Socke par excellence beschrieben. Vielleicht, weil sein Vater eine Punklegende war. Mit seiner Band The Blockheads besang Ian Dury 1977 "Sex Drugs and Rock'n'Roll". Sohn Baxter war damals sechs Jahre alt. Das prägt natürlich.

Dreier wohl eher nicht

Für sein Vorprogramm hat Baxter Dury sich Matt Maltese mitgebracht, der pünktlich auf die Sekunde um 20 Uhr beherzt in die Orgel greift und damit den Abend beginnt. Mit seiner Ballade "Like a Fish" will er Werbung für Dreiecksbeziehungen machen, sagt er. Auch er spricht wie Dury mit schönstem britischen Akzent.

Das Berliner Publikum, im Schnitt über 30, will von dem Dreiecksbeziehungsding nicht so viel wissen. "Hatte ich mal, war nix", denken sie wohl und unterhalten sich weiter. Aber sie klatschen trotzdem nett. Und mit der Zeit stellt sich heraus, dass sie das zu Recht tun. Denn Matt Maltese ist zwar ein ziemlich guter Songschreiber - mit viel Gefühl, schönen Harmonien und Texten, die man sich noch mal in Ruhe durchhören müsste. Aber um genau zu sagen, was er da singt - dafür ist der Sound im Bi Nuu zu schwammig an dem Abend. Ein Problem das sich später bei Baxter Dury wiederholt, der Laune allerdings auch keinen Abbruch tut.

Vom Do-It-Yourself zum ganzen Orchester

Während des zackigen Umbaus besprechen die Gäste untereinander, welche Baxter-Dury-Alben sie besitzen. Das ist einfach: Alle besitzen das Neueste. "Prince of Tears" ist sein bisher mit Abstand erfolgreichstes. Top 50 in seiner Heimat England und die erste Platte, die er mit voller Band und sogar Orchester aufgenommen hat.

Wird er ins kleine Bi Nuu, da direkt unter der U-Bahn am Schlesischen Tor, etwa ein Orchester mitbringen? Nein. Stattdessen hat er seine Band dabei: Schlagzeug, Bass, Gitarre und die Besonderheit: zwei Damen, Leslie und Madeline, an den Synthies, die ihn gesanglich aufs Süßeste und Zarteste unterstützen. Man wird im Laufe des Abends noch so einige Uuhhs und Aaahs von ihnen hören, und das ist ein sehr gelungener Kontrast zu seiner Stimme, die mal schreit, mal erzählt, aber niemals seufzt.

Viel Schlipsgewedel

Bevor Baxter Dury allerdings die Stimme erhebt, erhebt er den Schlips. Er mag es, ihn durch die Gegend zu wirbeln wie einen Propeller. Nach circa 30 Sekunden auf der Bühne setzt er direkt dazu an. Dazu tänzelt er immer wieder umher, mal wie ein Roboter, mal wie eine Marionette, dann wieder wie ein Mann im grauen Anzug, der er ja nun mal ist.

Nach exakt einer halben Stunde schmeißt er den Schlips wütend weg. Kurz darauf fällt das Jacket. Dann - Dury am Keyboard - kriegt man langsam eine Idee davon, warum er in London als Legende gilt. Durch das durchschwitzte weiße Hemd zeichnen sich die Brusthaare ab. Ein Glas Wein trinkend sitzt er da und könnte jetzt auch einer der Grand Seigneurs des Chanson sein, Udo Jürgens während einer seiner Zugaben im Bademantel zum Beispiel.

Ein romantischer Punk

Die Fans gehen mit, sie tanzen und jubeln. Eine von ihnen, Imogen aus Glastonbury, ist extra für Baxter Dury angereist. Er erinnere sie an The Clash, sagt sie. Und dass er in seinen Liedern der beste Geschichtenerzähler wäre. Mal chansonesk, dann wieder wütend und punkig, dann mit lakonischem Sprechgesang, der an Mike Skinner alias The Streets erinnert - dieser Abend wird einfach nicht langweilig. Das Publikum tanzt und jubelt. Als er seine aktuelle Single "Miami" ankündigt und sagt, er würde lieber über Berlin singen, Berlin sei doch viel spannender als Miami - spätestens da hat er uns alle.

Sendung: Radioeins, 16.05.2018, 06.00 Uhr

Beitrag von Raffaela Jungbauer

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