Lehrer und Schüler in der Leonardo da Vinci Schule (Quelle: Leonardo da Vinci Schule)
Video: Brandenburg AKTUELL | 13.05.2018 | Jacqueline Piwon | Bild: Leonardo da Vinci Schule

Leonardo da Vinci-Campus für Schulpreis nominiert - Das sind die Erfolgsrezepte einer Vorzeige-Schule

Der Leonardo-da-Vinci-Campus in Nauen war als einzige Schule aus der Region für den Deutschen Schulpreis 2018 nominiert. Denn die rund 1.000 Schüler werden hier ganz besonders gefördert - aber auch gefordert. Von Stefanie Brockhausen

"Armselig ist der Schüler, der seinen Lehrer nicht übertrifft", steht über einer Tür auf dem Leonardo-da-Vinci-Campus in Nauen (Havelland). Das Zitat stammt so oder so ähnlich von dem italienischen Maler und Bildhauer, nach dem der Campus benannt ist. Täglicher Ansporn für die Schüler, könnte man sagen. Oder auch: ziemlich leistungsorientiert. So oder so: Der Campus ist keine Schule wie jede andere. Und "Schule" ist in diesem Fall eigentlich nicht das richtige Wort. Denn auf dem Gelände befinden sich drei Schulen, eine Kita, ein Hort und ein Internat. Von der Kita bis zum Abitur können die Schüler hier lernen.

Luftbild der Schule (Quelle: Leonardo da Vinci Schule)
Blick auf den Campus aus der Luft | Bild: Leonardo da Vinci Schule

Pausenaufsicht statt Pausenklingel

Das Erste, was auffällt, wenn man den Campus betritt, ist die Größe: Zwölf Gebäude verteilen sich auf dem weitläufigen Gelände, und jedes Haus sieht anders aus. Mal mit grauer Holzfassade, mal gelb gestrichen, mal weiß mit großer Glasfront. Wer neu ist, kann sich hier schnell verlaufen.

Aber den Grundschülern, die am späten Vormittag Hofpause haben, passiert das nicht mehr. Sie kennen den Campus meist schon seit Jahren – mit allen Regeln und Besonderheiten. Dass Besucher das typische Pausenklingeln vermissen, quittiert Ole deshalb nur mit Schulterzucken. "Wir haben eine Pausenaufsicht, die sagt immer Bescheid, dass wir pünktlich hochkommen. Es wird immer fünf Minuten vorher Bescheid gesagt, damit wir uns noch auf den Unterricht vorbereiten können", sagt der Viertklässler.

Ab der fünften Klasse stehen individuelle Kurse auf dem Plan

Der Unterricht findet in 90-Minuten-Blöcken statt, von der ersten bis zur zwölften Klasse. Schon ab der fünften Klasse gehen die Lehrer auf die individuellen Interessen der Schüler ein: Drei Stunden pro Woche sind dann für Handwerk und Technik, Gesellschaft und Soziales oder Künste und Medien reserviert.

Wichtig sei, dass die Schüler das wiederfinden, was sie begeistert, sagt Campusleiterin Irene Petrovic-Wettstädt. "Es kommt immer darauf an, dass man vertiefen kann, was die Kinder interessiert. Aber machen wir uns nichts vor: Die Luft- und Raumfahrttruppe, das sind die Nerds. Die Medien, das ist ein hoch nachgefragter Bereich. Aber wir haben auch viele Schülerinnen und Schüler, die sich für soziale Berufe interessieren, und das fördern wir ganz nachhaltig", so Petrovic-Wettstädt.

Irene Petrovic (Quelle:Leonardo da Vinci Schule)
Campusleiterin Irene Petrovic-Wettstädt | Bild: Leonardo da Vinci Schule

Motivation als Schlüssel zum Erfolg

Wichtig sei, dass die Jungen und Mädchen früh eigene Interessen entwickeln – und sie dann kontinuierlich weiterverfolgen, sagt Petrovic-Wettstädt: "Ich finde, ein Problem in unserem Bildungssystem besteht darin, dass wir Kinder anfüttern, für eine Sache interessieren und dann wechseln sie zum Beispiel von der Grundschule in eine weiterführende Schule." Wenn dort das Interesse nicht weiter gefördert werde, liefen die Anstrengungen ins Leere. "Wenn ich das mehrfach mit Menschen tue, sie also erst motiviere und dann demotiviere, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn die keine Lust mehr haben", sagt die Campusleiterin. Der Leonardo da Vinci-Campus will es anders machen - die Schüler können hier ihre komplette Schul-Laufbahn absolvieren.

Internationales Abitur mit doppelt so vielen Prüfungen

Einen besonderen Schwerpunkt nimmt dabei die Sprachförderung ein. Das Gymnasium bietet die Möglichkeit, das deutsche Abitur mit einem internationalen Schulabschluss zu koppeln. Der Unterricht von Gesine und Dena etwa findet auf Englisch statt, egal ob Mathe, Biologie oder Geschichte. "Ich kann Englisch inzwischen fast besser als Deutsch, also habe ich überhaupt kein Problem damit", sagt Gesine. Und Dena ergänzt: "Meine Eltern haben damals die Grundschule ausgesucht, weil es hier so viele Extra-Fächer gab wie Schach, Arabisch und Tanzen. Dass hier Englisch so gefördert wird, ist schon ein Grund, hier an der Schule zu bleiben."

Allerdings kommen auf die Schüler dann auch doppelt so viele Prüfungen zu. Der 16-jährigen Dena wird etwas mulmig, wenn sie daran denkt: "Natürlich ist das viel anstrengender als das, was wir aus den anderen Kursen so hören, die nur das deutsche Abitur machen. Aber letztendlich ist es auch entspannt, dass wir einen relativ kleinen Kurs haben und dadurch auch besser lernen können."

Wissenschaftliches Lernen in kleinen Gruppen

Die Elftklässler um Dena sind zu zehnt in ihrem Kurs. Es geht um politische Theorie – auf Englisch. Sie schauen ein Video und machen sich Notizen. Man lerne, anders zu lernen, sagen Leonie und Mitja aus Falkensee über ihre Schule. "Es ist mehr so ein wissenschaftliches Lernen, wo man miteinander lernt und nicht einfach nur Aufgaben runterrattert", findet Leonie. Die Lehrer kümmerten sich um jeden Schüler, sagt Mitja. Er habe den Eindruck, "dass die Lehrer ihren Job wirklich gerne machen."

Eltern zahlen einkommensabhängiges Schulgeld

Irene Petrovic-Wettstädt, die Campusleiterin, dürfte das gern hören. Die frühere Deutschlehrerin hat die Einrichtung mit aufgebaut. Zurzeit besuchen sie rund 1.000 Jungen und Mädchen, viele kommen aus Nauen und der unmittelbaren Umgebung, andere aus Berlin, Potsdam oder Oranienburg.

Allerdings ist die Bildung an der Freien Schule nicht umsonst: Die Eltern der Kinder zahlen Schulgeld, abhängig vom Einkommen. Wie viel, das bleibt das Geheimnis der Campusleiterin. Aber sie betont, dass kein Kind aussortiert werde, egal ob aus einem Akademiker-Haushalt oder einer Hartz-IV-Familie. Ihr sei aber sehr wichtig, dass die Schule "leistungselitär" ist. "Dass man sich seiner Stärken bewusst ist. Ich möchte, dass alle Kinder stark sind, die unseren Campus verlassen", so die Campusleiterin.

Deutscher Schulpreis 2018

Den Deutschen Schulpreis 2018 bekommt das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Entscheidend für die Auszeichnung war das "außergewöhnliche Inklusionsmodell" der von einer Schule für geistig Behinderte zu einer inklusiven Grundschule und integrierten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe fortentwickelten Einrichtung, wie die Preisstifter Robert-Bosch-Stiftung und Heidehof-Stiftung am Montag in Berlin mitteilten.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) übergab den mit 100.000 Euro dotierten Preis an Verantwortliche der Martinschule sowie fünf weitere Preise in Höhe von 25.000 Euro an die Gesamtschule Bremen Ost, die Franz-Leuninger-Schule in Mengerskirchen, die Integrierte Gesamtschule Hannover-List, das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Münster und die Matthias-Claudius-Schule in Bochum. Karliczek erklärte, die Preisträger gäben "in ganz Deutschland ein Beispiel dafür, wie gute Schule mit überzeugenden Konzepten gelingen kann".

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Privatschulen, steht durch die Einnahmen aus Schulgeldern, etc und den staatlichen FINANZHILFEN meist mehr Geld für Ihre Schüler zur Verfügung als den staatlichen Schulen.

    Es ist also kein Wunder, wenn dort auch eher gute Leistungen erbracht werden können, als an staatlichen Schulen.

  2. 8.

    Die Gewinnerschule aus Greifswald ist auch eine Privatschule mit Schulgeld. Keine staatliche Schule. Zudem konfessionell gebunden.

  3. 6.

    ich finde es noch mehr schade, dass nur eine Privatschule mit Schulgeld einen solchen Preis gewinnen konnte. Offenbar gibt es in der ganzen Region nicht eine staatliche Regelschule, die lobens- oder erwähnenswert ist...

  4. 5.

    Ich finde es schade, dass nur ein Preis von sechs Preisen in die neuen Bundesländer ging.

  5. 4.

    Der angesprochene Text erscheint fehlerfrei und ohne Mängel in Orthographie und Grammatik. Die eine oder andere Stelle würde lediglich ein wenig mehr Aufwand erfordern, um die Richtigkeit durch entsprechende Belegstellen nachzuweisen.

  6. 3.

    Wahrscheinlich beherrschen diese Mädchen ihre arabische Fremdsprache besser als Sie Ihre deutsche Muttersprache. Ich rate Ihnen, nicht mit Steinen zu werfen, wenn Sie im (grammatikalischen und orthographischen) Glashaus sitzen.

  7. 2.

    Das ist ja einfach super , mehr davon !!!

  8. 1.

    Wenn das offenbar deutsche Mädchen erfolgreich arabisch schreiben und lesen lernt (?), sollte das als Qualifikation für einen Preis dicke ausreichen. So viel gelebte Integration ist allemal ein Preis wert.

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