Bushido vor Gericht (Quelle: von Jutrczenka)
Video: rbb|24 | 16.05.2018 | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Kunstfreiheit schlägt Jugendschutz - Bushido-Album "Sonny Black" ist laut Gericht jugendfrei

"Sonny Black" war das zehnte und eines der kommerziell erfolgreichsten Alben von Bushido. Doch wegen diskriminierender Texte und weil es einen kriminellen Lebensstil verherrliche, wurde es als jugendgefährdend eingestuft. Zu Unrecht, wie nun ein Gericht entschied.

Bushidos umstrittenes Album "Sonny Black" aus dem Jahr 2014 ist nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zu Unrecht als jugendgefährdend eingestuft worden. Wird das Urteil vom Mittwoch rechtskräftig, dürfte das Album - Bushidos zehntes und eines seiner kommerziell erfolgreichsten - wieder an Minderjährige verkauft werden.

Abwägung zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die "Sonny Black" im April 2015 auf den entsprechenden Index gesetzt hatte, habe nicht sorgfältig genug zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit abgewogen, entschieden die Richter am Mittwoch. Vor allem bemängelten sie, dass die Behörde sich vor ihrer Entscheidung nicht die Mühe gemacht habe, die weiteren Beteiligten anzuhören.

Die Bundesprüfstelle hatte die Indizierung damit begründet, dass in den Texten Gewalt und ein krimineller Lebensstil verherrlicht würden. Zudem würden viele Textpassagen Frauen und Homosexuelle diskriminieren. [Link zur Entscheidung der BPjM] Bushidos Anwälte setzen dem entgegen Jugendlichen seien heutzutage wirklichkeitsnäheren Darstellungen von Gewalt und Sex ausgesetzt. Es fehlten zudem bis heute Nachweise für die verrohende Wirkung von Gangster-Rap. Vielmehr deutete sich an, dass das Genre auch eine identitätsstiftende Wirkung habe und so den jungen Hörern Halt geben könne.

Auch Kollegah und Farid Bang waren beteiligt

An dem 2014 erschienenen Album, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz den Gold-Status erreichte, hatten acht weitere Texter und Komponisten mitgewirkt, unter anderem auch die zuletzt wegen Antisemitismus-Vorwürfen in die Schlagzeilen geratenen Rapper Kollegah und Farid Bang.

Mit ihrer Entscheidung von Mittwoch kippten die Richter des nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgerichts die Entscheidung aus der Vorinstanz. Die Revision am Bundesverwaltungsgericht ließen die Richter zu.

Sendung: RadioEins, 16.05.2018, 8.00 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    @ 15: Alles recht interessant. Nur finde ich darin keine echte Antwort auf die Frage, ob denn Ihrer Meinung nach Liedtexte Einflüsse auf den Hörer haben können oder nicht. Ich jedenfalls denke, dass sie es gerade bei bei Kindern und Jugendlichen durchaus haben können. Deswegen finde ich es gut, wenn die Kinder nicht einfach in den Laden gehen können und für Bushidos simple Hass- und Gewaltfantasien auch noch Geld bezahlen.
    Die Diskussion um die Indizierung allerdings hat Bushidos Marketing wohl unterstützt. Und hat seine Attituede vom Ghettokid, das sich tapfer gegen die ach so böse Gesellschaft auflehnt, indem es spiessiger ist als alle zusammen, noch gefördert. Das ist schade. Da kann man nur hoffen, dass die Kinder auf anderem Weg genug Anregungen kriegen, um Bushidos schlichte Masche zu durchschauen.

  2. 16.

    Meinen Sie die Interpretation von Milva, die das Hirst-Wessel-Lied in den 90' auf Platte bannte? Das ist wahrlich schlimm.

  3. 15.

    Nun, Milva hat das Horst-Wessel-Lied gesungen und auf Ariola (74321 29929 2) auf der Platte "Libera" 1995 gesungen und veröffentlicht. Selbst auf einer Wiederveröffendlichung im Jahre 2000( Ricordi - 74321664032) ist der Titel noch drauf.
    Ob der im Musikunterricht in der Grundschule zum Lehrplan gehört soll, …
    Aber, es ist genau so absurd, wie die Musik von Bushido in diesem Rahmen zu spielen. Auch glaube ich nicht, dass Schulen so tolerant sind. Kinder beziehen ihre Musik aus anderen Kanälen und sie sind offener, als unser einer zu neuen Musikrichtungen. Ob wie nun die Musik von Bushido schön finden oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
    Meine Kinder können (und konnten)alles hören, was sie wollen und ich glaube nicht, dass sie dadurch zu Verbrechern werden/wurden.
    Und eins habe ich gelernt: Verbote bringen nichts, denn sie machen die Dinge nur noch interessanter.

  4. 13.

    @ 10: Karl-Eduard, wenn ich Ihren Text richtig deute, halten Sie die Argumentation von Bushidos Anwälten, dass Musik Identität schaffe, also für falsch? Sind Sie tatsächlich der Meinung, dass Texte keinerlei Einflüsse auf ihre Hörer haben? Sollten wir als z.B. das Horst-Wessel-Lied wegen seiner flotten Melodie wieder in den Musikunterricht der Grundschulen aufnehmen?

  5. 12.

    Sie haben recht: damals bediente ein Diskjokey mit seinem Plattenauflegen den Wünschen seiner Gäste. Heute gehen die Leute in Clubs um den Sound und den Werken ihrer DJs zu huldigen und Ihnen beizuwohnen. Durch meine Tätigkeit als DJ habe ich mir eine reichliche Plattensammlung angeschafft aus unterschiedlichen Musik Stilrichtungen. Rap gehört nicht dazu.
    Stimme Ihnen zu, was meine Äußerungen zu „ undifferenziertes fabulieren“ betrifft. Da habe ich mich wohl verleiten lassen.

  6. 11.

    @ 9: Was Bushido hoffentlich vor dem BVerwaltungsGericht zu tun hat, scheint mir recht klar: Die BPJM ist eine Behörde, und damit Teil der Verwaltung. Dieser Behörde wurde seitens Bushidos Firma vorgeworfen, ihren jugendschuetzerischen Auftrag zu weit ausgelegt zu haben. Das OVG gab dieser Einschaetzung Recht und fuehrte laut Bericht an, die BPJM habe "nicht alle Beteiligten" angehoert. Angesichts der Realitaet in Deutschlands Schulen und Strassen halte ich diese Begruendung in keinem Fall fuer ausreichend, den Verwaltungsakt der Indizierung aufzuheben: Nach wie vor finde ich ihn voll gerechtfertigt, und die BPJM hat ihren Auftrag angemessen erfuellt. (Ob Indizierung insgesamt sinnvoll ist, war nie Gegenstand der Verhandlung.)
    Unabhaengig davon halte ich eine Klage gegen Bushidos Firma wegen Volksverhetzung fuer richtig: Dass Kunst, Kommerz und Agitation Grenzen haben, wenn Menschen hierdurch Opfer von Hass werden, hat die Justiz immerhin in Teilbereichen ja schon begriffen.

  7. 10.

    Wenn Ihren Text richtig deute, dann liegt das Verhalten der Jugendlichen an der Musik, die sie hören?
    Dann frage ich Sie, warum, da die Verkaufszahlen von CDs, Vinyl-Platten, DVD und Eintrittskarten zu Konzerten dieser krasnojarsker Sirene, Helene Fischer, in die Tausende, ja, Millionen geht, die Welt nicht friedlicher ist. Bei all den herzzerreißenden Texten von Herz, Schmerz und Liebe und Heimat.
    Und: sind Sie stehen geblieben, um die BVG-Sicherheitsleute einzuweisen?

  8. 9.

    Bedient ein Disjocky nicht den Geschmack des Puplikums? Davon seinen eigenen Geschmack davon abzuleiten ...
    Das Sie aber Bushido, und Gangsta-Rap im Allgemeinen, nicht leiden können, das ist Ihre Meinung.
    Und das "undifferenziert fabulieren" bezieht sich wohl eher auf "Ich hoffe auf ein weiteres Verfahren über solch ein eklatantes Thema beim Bundesverwaltungsgericht."
    Das BVG kümmert sich, und das steht auch im Namen, um das Problem "Verwaltung". Was Bushido mit seinen provokanten Texten da zu suchen hat, erschließt sich mir nicht. Eher gehören die doch vor ein Strafgericht, wenn es Gründe dafür gäbe.

  9. 8.

    Ja, erstaunlich was inzwischen als normal betrachtet wird. Gestern ca. 11 Uhr vormittags auf dem Bahnsteig der U8 am Kottbusser Tor spreche ich eine Gruppe junger Männer an, die direkt neben einer dort sitzenden offenbar hochschwangeren Frau kiffen: "Entschuldigung, ich habe Astma. Könnt ihr bitte die Zigarette ausmachen. Übrigens sitzt hier auch eine schwangere Frau." Es folgten aggressive Gebärden und verbal: "Geh weg! Hau ab! Hier kiffen alle!" Ich folgte der Aufforderung, ging zur Infosäule der BVG, informierte die Kollegen und bat darum den Sicherheitsdienst vorbeizuschicken, um das Rauchverbot durchzusetzen.
    Also "eine identitätsstiftende Wirkung" würde ich bei diesen Textzitaten als negativ betrachten. "Halt" durch sexistische Gewaltvorstellungen und Fantasien von Straffreiheit?!
    "Dass das Genre auch eine identitätsstiftende Wirkung habe und so den jungen Hörern Halt geben könne" - hängt stark von dem Inhalt der Texte ab ;)

  10. 7.

    Ich habe da mal in ein paar Texte reingehört. okay, vielleicht nicht jugendgefährdent, allerding das Niveau eines Kindes aus einer Kita-Gruppe.

  11. 6.

    Glückwunsch zu Ihren Beitrag. Sehr gut geschrieben und zutreffend. Schließe mich dem gerne an. Danke.

  12. 5.

    Hier Schreiben kann man viel. Ob es sich um Wahrheit handelt sei dahingestellt. Mit meinen 67 Jahren und eine recht lebhafte Vergangenheit als DJ in Diskotheken ist mein Musikgeschmack sehr vielfältig. Wurde auch schon hier im Forum deshalb als Lügner bezeichnet, wegen Alte Freundschaften zu Musikern. Ich gestehe, Rap und insbesonders Gangsta Rap zählt nicht zu meinem Repertoire. Deshalb fabuliere ich aber nicht undifferenziert. Schon deshalb, da ich mich als Schwuler Mensch durch diesen“ Mist“ beleidigt fühle. Außerdem ist mir die Person Bushido äußerst unsympathisch. Meine Meinung hierzu.

  13. 4.

    Die Argumentation der Anwälte strotzt vor Zynismus - und Widersprüchlichkeit: Bezweifelt wird die verrohende Wirkung dieser Musik, herausgestellt hingegen "identitätsstiftende Wirkung". - Ja, worauf basiert denn Identität, die mittels drastischer Abwertung, Gewaltverherrlichung und abstoßender Machtfantasien erzeugt werden soll, wenn nicht auf einer verrohten Lebensauffassung? Welche Auswirkungen auf das Handeln hat Verrohung? Die Jura-Akteure sollten sich z.B. nochmal das Zitat aus Titel 6 in der BPJM-Begründung anschauen: "Kuck, wie wir den deutschen Staat trocken in den Po (…) / F* den Staatsanwalt, ich bin hier die Staatsgewalt". - Glauben Anwälte und Richter ernsthaft, sie und ihre Angehörigen seien keine potenziellen Opfer eines solchen Hasses? Und welche "Beteiligten" wurden denn durch die BPJM nicht angehört? Vllt die zahlreichen Opfer von Angriffen spiessiger selbsternannter 'Ghettokids' gegen ALLE, die von ihren Vorstellungen von richtigem Auftreten abweichen?

  14. 3.

    Kommerz siegt über Jugenschutz. Genialer Richter!

  15. 2.

    Ich finde den Terminus "fliegt" schon etwas komisch - aber egal. Vielleicht meinte man, dass es jetzt (wie damals)durch die Decke der offiziellen deutschen Charts "fliegt". Ein gutes Ergebnis in der ansonsten überhitzten Diskussion über Sinn und Unsinn von "Gangsta-Rap". Jeder kann sogar eine Meinung dazu haben. "Sonny Black" war das zehnte und eines der kommerziell erfolgreichsten Alben von Bushido. Da fragt man sich, warum nur? Sicherlich hat die damalige Diskussion, ob Index oder nicht, dazu geführt, dass Leute darauf aufmerksam wurden. Ich kann nicht verhehlen, dass ich mir (62) damals das Vinyl holte. Warum das Album damals so hochgekocht wurde, ist mit heute - ich hörte mir die Platte gerade noch einmal an - noch immer nicht klar. Ich weiß also, wovon ich rede und Urteile nicht undifferenziert und fabuliere darüber, ob es ein Fall für das BVG ist.

  16. 1.

    Ein Fehlurteil meines Erachtens( wegen Formfehler ). Ich hoffe auf ein weiteres Verfahren über solch ein eklatantes Thema beim Bundesverwaltungsgericht. Dann wird man ja sehen. Dieser Musikstil „ Gangsta Rap“ ist unter aller Niveau.

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