28.06.2018, Brandenburg, Potsdam: Das Bild "Konstruktion" (1976) von Gerhard Richter wird im Museum Barberini gezeigt (Quelle: dpa/Settnik)
Video: Brandenburg aktuell | 28.06.2018 | Julia Baumgärtel | Bild: dpa/Settnik

Richter-Retrospektive im Museum Barberini - "Es sind schöne Überraschungen dabei"

Es ist nicht die erste Retrospektive über das Werk von Gerhard Richter - aber die Ausstellungsstücke, die das Museum Barberini ab Samstag zeigt, sind der Öffentlichkeit zum Teil noch nicht bekannt. Selbst der Künstler konnte sich nicht an alle erinnern.

Das Potsdamer Museum Barberini zeigt bis Ende Oktober eine Werkschau mit mehr als 90 Werken von Gerhard Richter. "Es sind schöne Überraschungen dabei - da sind Bilder, die ich gar nicht mehr kannte", sagte Richter bei der Vorstellung der Schau.

Für die Werkschau mit Arbeiten von den 1960er Jahren bis heute habe man Bilder aus Privatsammlungen bekommen, die bislang noch nie ausgestellt worden seien, erläuterte Kurator Dietmar Elger.

Die Ausstellung zeigt die ganze Werkvielfalt des 86-jährigem Künstlers, von der frühen grauen Phase bis hin zu farbintensiven Abstraktionen. Sie widmet sich dabei erstmals einem für Richters Malerei zentralen Thema: den abstrakten Strategien und Verfahrensweisen im Gesamtwerk des Künstlers.

"Einbeziehen des Zufalls"

"Abstraktion ist ein roter Faden durch Richters Malerei", sagte Ortrud Westheider, Direktorin des Museum Barberini. Richters Werk durchziehe eine "stetige Fortführung und Wandlung der Abstraktion", so Westheider. "Durch kalkuliertes Einbeziehen des Zufalls nimmt Richter die bewusste Steuerung des Malprozesses zurück. Er arbeitet mit Rasterstrukturen, hinter denen das Schöpferische zurücktritt oder zieht mit der Rakel über die gesamte Bildfläche. Er vermeidet schöpferisches Pathos und Bedeutungen, die außerhalb der Kunst liegen, die Bilder wirken so durch sich selbst."

Die Schau ist von Samstag an geöffnet und bis zum 21. Oktober zu sehen.

Gerhard Richter, Rot-Blau-Gelb (339-4), 1972, Öl auf Leinwand, 98 x 92 cm, Privatsammlung, Schweiz. © Gerhard Richter 2018
Die Ausstellung zeigt die ganze Werkvielfalt Richters.Bild: Museum Barberini/Gerhard Richter

Einer der erfolgreichsten Künstler weltweit

Gerhard Richter wurde am 9. Februar 1932 in Dresden geboren. Seine erste Bewerbung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden scheiterte zunächst, erst 1951 wurde er angenommen. Er studierte bis 1961 Malerei und Wandmalerei, floh dann im selben Jahr mit seiner Frau nach Westdeutschland. Von 1971 bis 1994 lehrte Richter an der Düsseldorfer Kunstakademie, 1972 war er im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig vertreten und nahm erstmals an der documenta teil. Seine Arbeit Konstruktion (1976) leitete die Serie der Abstrakten Bilder ein, Richters bis heute umfangreichste Werkgruppe.

Seit 1983 lebt und arbeitet Richter in Köln und hat zahlreiche internationale Ausstellungen. 1995 heiratete er die Künstlerin Sabine Moritz. Heute zählt Gerhard Richter zu den erfolgreichsten lebenden Künstlern weltweit.

Sendung: Abendschau, 28.06.2018, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ein ganz genialer Maler, auch wenn er sich so bescheiden gibt. Muß unbedingt in die Austellung.

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