Zentral- und Landesbibliothek Berlin (©ZLB; Collage: diamond gestaltung)
Audio: Kulturradio | 20.06.2018 | Thomas Fitzel | Bild: ©ZLB; Collage: diamond gestaltung

Kommentar | Standort der ZLB - Man muss die Dinge nicht komplizierter machen, als sie sind

Nach verwegenen Standortphantasien soll die Berliner Zentral- und Landesbibliothek jetzt dort gebaut werden, wo man sie schon vor 30 Jahren wollte. Damit das aber auch möglichst bald geschieht, müsste man endlich mal Dampf machen, kommentiert Thomas Fitzel.

Endlich! Man hat es kaum für möglich gehalten, dass sich der Berliner Senat noch irgendwann zu einer Entscheidung durchringen würde. Endlich hat man sich für den Standort entschieden, für den man sich bereits vor 30 Jahren entschieden hatte: den Blücherplatz in Berlin-Kreuzberg am Halleschen Tor.

Gut, damals war es eine einfache Sache: Die Mauer war noch nicht gefallen und es ging allein um die Erweiterung der Amerika-Gedenk-Bibliothek und nicht um die Zusammenführung beider Stadtbibliotheken. Heute hat man sich endlich für die Lösung entschieden, die schlicht die pragmatische und damit vernünftige ist.

Einfach und funktional sollte sie sein

Jede Menge komplett abwegiger Ideen kursierten zuvor: So wollte man die Zentral- und Landesbibliothek etwa ins ICC verfrachten oder auf das Gelände der BSR jottwedeh. Aber vor allem geisterte in manchen Köpfen immer noch der Wunsch nach einem repräsentativen, man könnte auch sagen, angeberischen Bibliotheksneubau, wie man ihn ursprünglich für das Tempelhofer Feld vorgesehen hatte.

Diese Architektur ist längst passé. Heute geht es darum, Ressourcen schonend zu bauen, Vorhandenes zu nutzen und dabei sparsam im Raumverbrauch zu bleiben. Das Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität ist zum Beispiel eine einfache, funktionale Kiste. Auch die Stuttgarter Stadtbibliothek verströmt von außen den Charme eines Luftschutzbunkers, ist innen aber großartig. Die von den Stararchitekten Herzog und de Meuron erbaute Bibliothek der Technischen Universität in Cottbus dagegen begeistert zwar Touristen, Bibliothekare und Nutzer aber weniger.

Endlich mal Dampf machen

Der Standort Blücherplatz habe eine hohe Akzeptanz bei den Nutzern, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zur Begründung. Für diese fulminante Erkenntnis genügte ein einfacher Besuch: Die Bibliothek wird Tag um Tag überrannt. So wächst nun bald zusammen, was zusammengehört: die schöngeistigen Bestände mit den nüchternen fachwissenschaftlichen. Wie viele Autoren waren zum Beispiel auseinandergerissen, weil sie in mehreren Bereichen unterwegs waren! Aber wird jetzt endlich auf die Tube gedrückt?

Doch nun kommt der Wermutstropfen: Mitte der Zwanzigerjahre will man erst mit dem Bau beginnen. Dabei ist das nötige Geld dafür, 360 Millionen, seit Langem schon im Haushalt eingestellt - und es wird mit jedem Jahr, das weiter untätig verstreicht, weniger wert. Man muss die Dinge nicht immer komplizierter machen, als sie sind. Was der Zentral- und Landesbibliothek leider auch fehlt: eine fachbibliothekarische Leitung, das heißt eine starke und politisch unabhängige Bibliothekarspersönlichkeit, die hier endlich mal Dampf macht.

Sendung: Kulturradio, 20.06.2018, 17 Uhr

Beitrag von Thomas Fitzel

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