Katy Perry, US-amerikanische Sängerin tritt am 06.06.2018 bei ihrer Witness-Tour in der Mercedes-Benz Arena auf. (Quelle: dpa/Britta Pedersen
Audio: rbb Inforadio, 7.6.2018, Magdalena Bienert | Bild: dpa/Britta Pedersen

Konzertkritik | Katy Perry in Berlin - Wie 24 Stunden Gummibärchen nach Farben sortieren

Viel Krawall und Schingderassabum. Aber auch schön: Katy Perry ist in Berlin und spielte am Mittwoch das zweite ihrer beiden Deutschlandkonzerte. Dabei startete sie ihr Programm mit ihren alten Smash Hits und landete laut und bunt bei neuen Krachern. Von Magdalena Bienert

Es ist eine Katy Perry Überdosis und das noch in XXL. Los geht es mit dem überdimensionalen Auge, das einen von der Bühne vor Showbeginn anstarrt. Die Pupille öffnet sich und Katy Perry schwebt auf einem Stern hinunter auf die Bühne. Sie trägt von Kopf bis Fuß ein rotes Glitzer-Irgendwas. Schon bald dann regnet es auch noch Konfetti und aus Perrys Laufsteg in der Hallenmitte schießt Feuer.

Was sich die meisten Künstler für ihr Showende aufheben, haut Katy Perry sofort raus. Einfach, weil sie es kann. Mehr als 80 Mal stand sie bei ihrer aktuellen Witness-Tour schon auf der Bühne. Die Tour ist benannt nach ihrem fünften Album, und auch diesmal ist es wieder ein gigantischer Pop-Art-Ritt durch die zehnjährige Karriere von Katy Perry.

Am Anfang denkt man noch, man sei bloß in ein Andy-Warhol-Bild gefallen. Doch nach einer Stunde fühlt sich der reizüberflutete Körper an, als hätte er vier Wochen am Stück den Kinderkanal in voller Lautstärke geguckt. Oder 24 Stunden lang Gummibärchen nach Farben sortiert. Irgendwie Gaga, obwohl das da vorn doch Katy ist.

Mit blinkenden Katzenohren im Haar

Zehnjährige Mädchen und junge Frauen tragen blinkende Katzenohren im Haar. Es wird überhaupt viel Glitzer getragen in dieser Nacht. Katy Perry zieht sich sechs Mal um, denn ihre 130-minütige Show ist in sechs Parts gegliedert. Und in der gibt es die Sektion: Klassiker, also Hits, mit denen sie vor zehn Jahren berühmt wurde, wie "I Kissed a Girl", "Hot 'n' Cold" oder "California Gurls".

Und dann gibt es noch die Kracher des aktuellen Albums, wie "Bon Appetit" - hier lässt sich die Sängerin mit großen Salz-und Pfefferstreuern würzen – oder das knallige "Swish Swish", im Video mit Kollegin Nicki Minaj, die beiden sind in einem slapstickartigen Basketballspiel zu sehen. Also steht auf der Bühne nun ein riesiger Basketballkorb und ein Fan, der sein Glück kaum fassen kann, darf mit der belustigten Sängerin Bälle darin versenken, die so groß sind, wie die beiden zusammen.

Katy Perry, US-amerikanische Sängerin tritt bei ihrer Witness-Tour am 06.06.2018 in der Mercedes-Benz Arena auf. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
| Bild: dpa/Britta Pedersen

Eine plüschige Haifigur und eine Liebeserklärung an Berlin

Katy Perry, eine Pastorentochter, die über ein Kirchenfest zur Musik kam, nimmt sich nicht allzu ernst und das ist schön bei Stars dieser Größenordnung. Auch präsentiert sie sich nie so übersexy, wie Rihanna oder selbst noch Madonna das tun.

Manches schrammt allerdings schon haarscharf an der Grenze zur Fremdscham vorbei, etwa wenn eine plüschige Haifigur ihr die Show stehlen will. Gleichzeitig wirkt das California Dream Girl selbst mit ihrer Liebeserklärung  an Berlin nicht oberflächlich. Immer wieder lässt sie sich Sachen auf Deutsch übersetzen und plaudert dann minutenlang drauf los, warum sie die Hauptstadt so mag (wegen der Mode, der Würstchen, der Leute und der Widerstandskraft der Stadt). Und sie fügt noch ein "I'm a Berliner" hinzu. Aber absolut charmant.

Katy mit Flügeln, Katy auf einem Planeten. Katy auf einer schwebenden Uhr, Katy mit Flamingos, Katy im Kopfstand, Katy macht Radschlag, Katy tanzt am Stiel einer riesigen Rose. Ein Tänzer macht an der Stiel-Polestange Akrobatik. Es ist der helle Wahnsinn. Beim letzten Song "Firework" steht der Popstar in einer gigantischen Hand, es regnet noch mehr Konfetti, es schießen natürlich Feuerwerksfontänen und am Ende verschwindet sie in der geöffneten Hand.

Wer bei Katy Perry war, braucht in diesem Jahr kein weiteres Popkonzert. Es ist alles aufgefahren worden, was bei einer Welttournee nur möglich ist. Das ist wirklich schwer zu toppen.

Sendung: Inforadio, 07.06.2018, 6.40 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

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