Sänger Arnim Teutoburg-Weiß beim Konzert seiner Band Beatsteaks am 09.06.2018 in der Berliner Waldbühne (Quelle: imago / Martin Müller)
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Audio: Inforadio | 10.06.2018 | Hendrik Schröder | Bild: imago / Martin Müller

Konzertkritik | Beatsteaks in der Berliner Waldbühne - "Was machen eure Sprunggelenke?"

Die Beatsteaks sind eine Berliner Institution: Nette Typen, schnelle Gitarrenriffs und eine energiegeladene Liveshow. Am Samstagabend haben sie ein schweißtreibendes Konzert in der Waldbühne gegeben – mit sensationellen Überraschungsgästen. Von Hendrik Schröder

Gleich am Anfang springt Sänger Arnim Teutoburg-Weiß auf die Monitorboxen und pumpt zwei bis drei Mal mit den Händen in die Luft. Sofort, wirklich in Sekunden, steht und tobt das ganze Rund. Die Waldbühne ist ausverkauft und so voll, dass es an manchen Stellen schon fast grenzwertig ist. Die Leute drängen nach unten, jeder will direkt vor der Bühne stehen, aber die Ordner machen die Zugänge dicht. Die Folge: Es staut sich links und rechts. Aber alle benehmen sich ruhig und gesittet.

Der Sound ist vom ersten Akkord an laut, druckvoll, präzise. "Siehst Du, Guns N' Roses, so wird das gemacht" (das Guns-N'-Roses Konzert kürzlich im Olympiastadion hatte nach Aussagen vieler Besucher den miesesten Sound aller Zeiten), würden wir jetzt singen, wenn wir in einem Fußballstadion wären. Sind wir aber nicht, obwohl es sich so anfühlt, als würden wir unserem Herzensclub bei einem spektakulären Heimsieg zuschauen.

"Was machen eure Sprunggelenke?", schreit Arnim. Sofort hüpfen die Fans los, als wäre das eine Art Codewort gewesen. Es ist ein euphorisierendes Erlebnis, abertausende springende, schreiende Fans in der tief stehenden Abendsonne zu erleben, umgeben von Wald und Grün.

Hitze, Bier, Staub

Es ist irre heiß in der Waldbühne, schon vor Konzertbeginn mussten die Sanitäter einige Fans abtransportieren, denen die Kombination aus Hitze und Bier nicht so gut getan hatte. Jetzt, nach zwei, drei Songs kleben den Leuten die Shirts an den Leibern. Die Beatsteaks sind ja schon lange eine Art Konsens-Band: Jeder mag sie - selbst die, die ihre Musik langweilig finden, mögen zumindest die Typen. Und die Show. Deswegen sind heute auch alle da: übrig gebliebene Punks mit fisseligen grünen Haaren, dicke besoffene Mäner in Gruppenstärke, ältere Frauen mit Fächern, Gesichtstätowierte, Kuttenträger, Prolls, Professoren.

Vor der Bühne steigen immer wieder Staubwolken in die Luft, wenn die entfesselte Menge den Circle Pit tanzt, bei der alle sich wie die Wilden mehr oder weniger im Takt im Kreis umrennen und lachend auf die Nase fliegen.

Sänger Arnim Teutoburg-Weiß bespritzt beim Konzert seiner Band Beatsteaks am 09.06.2018 in der Berliner Waldbühne die ersten Zuschauerreihen mit einem Wasserschlauch. (Quelle: imago / Martin Müller)
Beatsteaks-Sänger Arnim sorgt für etwas Abkühlung. | Bild: imago / Martin Müller

Die Beatsteaks hauen gleich am Anfang ein paar Hits raus, Sänger Arnim steht im roten Hawaiihemd mit Schirmmütze und Basecap ganz vorne auf dem Bühnensteg und spritzt die Leute mit einem Gartenschlauch nass. Dabei singt der quirlige, dauergrinsende Mann wie ein Löwe.

Fünf Freunde

Die Jüngsten sind die Beatsteaks ja nun auch nicht mehr. Wenn ihre Köpfe in Nahaufnahme auf den riesigen Videowänden erscheinen, dann sieht man ergrauende Haare und Geheimratsecken. Aber sie benehmen sich immer noch wie die fünf Freunde aus der Schule, die total Bock auf eine wilde Band haben. Genau dafür werden sie ja auch so geliebt.

Tiefgang ist dabei selten ihr Ding, besinnlicher wird es nur einmal, als sie "I Don't Care As Long As You Sing" dem kürzlich verstorbenen Seeed-Sänger Demba widmen, der ein enger Freund der Band war. Dazu leuchtet minutenlang ein Schwarz-Weiß-Bild von Demba auf den LED-Wänden und es gibt innigen Applaus.

Ansonsten heißt es: Abriss. Sänger Arnim lässt sich ins Publikum tragen, trinkt den Fans das Bier weg und singt ganze Songs von dort. Bassist Totze drischt in Weste und Hemd mit vollem Köpereinsatz in die Saiten, die beiden ganz in schwarz gekleideten Gitarristen Peter Baumann und Bernd Kurtzke hauen naturcool ihre Riffs raus, Drummer Thomas Götz hält mit Ruhe, Konzentration und Gefühl den ganzen Laden zusammen.

Und dann: Die Ärzte!

Dann stehen vor den Zugaben allen Ernstes Die Ärzte auf der Bühne und spielen in Anzüge gekleidet zwei Songs. Farin Urlaubs Kommentar: "Zu Hause is' es geiler als bei Rock am Ring". Die Ärzte! Als unangekündigte Special Guests! Das Publikum kennt jetzt überhaupt kein Halten mehr. Was für ein Abend!

Beitrag von Hendrik Schröder

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Ein großartiges Konzert...!

    Allerdings, aber das hat mit der Band nichts zu tun, bekommt der Veranstalter von mir einen dicken "Daumen runter". Es kann doch wohl nicht angehen, dass bei gefühlten 35°C, die mobilen Getränkeverkäufer nur Bier verkaufen...Wasser oder Cola gab es nur ganz oben an den Ständen. Warum? Ich habe mehrere Leute gesehen, die kurz vor dem Umkippen waren, dann aber noch die Treppe hoch mußten, um Wasser zu kaufen! Das geht in meinen Augen gar nicht! Auch, dass die Verkäufer die Pfandbecher (Pfand 3,00 €) nicht zurückgenommen haben und man sich irgendwann mit einem halben Meter Becher rumplagen mußte, war schlecht organisiert und in meinen Augen absolute Geldschneiderei!

  2. 7.

    Doch, das beschreibt das Konzert aus meiner Sicht schon ganz gut. Tocotronic fehlen natürlich, die sind nicht meins, aber es gab durchaus Fans um mich herum, die die mögen. Und Deichkind, ja, die fehlen im Kommentar. Und 22000 Leute (oder wieviele Leute in die Waldbühne passen) Und "MONTAG!" mit hochfliegenden Händen "singen".
    Ich habe lange schon nicht mehr so getobt, wie gestern Abend in der Waldbühne.
    Die Leute auf den Treppen stauten sich glaube ich eher nicht so, weil sie unbedingt in die Mitte wollten (da kam man eh nur mit einem Stempel "Mitte" rein), sondern weil kaum noch Sitzplätze (die schnell Stehplätze waren) zusammenhängend übrig waren. Wir sind ein bisschen zusammengerutscht, dann passten da noch mal 2-3 Leute;wenn das alle in der Waldbühne gemacht hätten, dann hätten dort auch nicht so viele Leute stehen müssen. Aber wir standen ja sowieso alle. Ne, wir TANZTEN sowieso alle.

  3. 6.

    Ich muss zugeben es ist ein - für dieses Konzert - erstaunlich fader und nichtssagender Kommentar! Auch wenn sie nicht mein Geschmack sind so gehören Tocotronic auf jeden Fall erwähnt. Ebenso Deichkind!
    Und ich persönlich hätte gerne ein Wort über die m.E. überteuerten Getränkepreise gelesen - das hat mich verstimmt.

    Insgesamt aber war dieses Konzert ein Hammer und ich bin begeistert über so viel Stimmung und Krawall. Mich hat die Stimmung überzeugt und glücklich gemacht! Danke Beatsteaks, danke Deichkind, danke Ärzte ... (ja...auch Danke Tocotronic...mähh...)

  4. 5.

    Diese Frage gegen wir gern an euch zurück.
    Könnte sein,dass ihr eure Sprunggelenke bald selber braucht.

  5. 4.

    Im Großen und Ganzen stimme ich den Aussagen zu, aber "[...] alle benehmen sich ruhig und gesittet" habe ich nicht wirklich erlebt. Die Fans in den Blocks waren ruhig, die, die nicht mehr nach unten durchgelassen wurden, waren sehr aufgebracht und den Ordnern nicht besonders freundlich gegenüber. Trotzdem ein tolles Konzert, hat sich auf jeden Fall gelohnt da zu sein.

  6. 3.

    Leider kein Wort zur Vorband und leider kein Wort zu den Gastsängern der Gruppe Deichkind. Also an sich noch viel mehr Gäste als gedacht. :)

  7. 2.

    Den Sound von Guns N Rosés- Olympiastadion mit dem Soud der Beatsteaks- Waldbühne zu vergleichen, ist doch als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Oder weiß der Autor wie der Sound von GNR in der Waldbühne gewesen wäre?! Aus journalistischer Sicht wohl eher ein schwacher Versuch seine Fahne in den allgemeinen populistischen Wind zu hängen.
    Aber es ist doch schön, dass die Beatssteaks ein super Konzert abgeliefert haben und ich freue mich auf ein weiteres im August.

  8. 1.

    Zwei Punkte zum Artikel:
    Eine Aussage bezüglich Guns n Roses wird nicht wahrer, ja öfter man sie wiederholt. Es scheint zur Meinungsmanipulation zu verführen, wenn man den RBB als Schutzschild hat. Differenzierter Journalismus geht anders.
    Und zweitens: Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die Waldbühne ist im Gegensatz zum Olympiastadion für Konzerte gebaut worden. Die Akustik selbstverständlich besser.
    Davon abgesehen: die Beatsteaks sind der Hammer!!!

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