Archivbild: Konzert der Golden Dawn Arkestra am 12.03.2018. (Bild: imago/Alexander)
Audio: Inforadio | 25.06.2018 | Nadine Kreuzahler | Bild: imago stock&people/Alexander

Konzertkritik | "Golden Dawn Arkestra" in der Kantine am Berghain - Psychedelischer Tanz-Trip ohne Atempause

Masken, Kostüme, wild gemischte Kläge und Stile: Sie seien Zeitreisende, sagen die Mitglieder des texanischen "Golden Dawn Arkestra" über sich selbst. Nach ihrem Auftritt in der Kantine am Berghain könnte man es glatt glauben. Von Nadine Kreuzahler

Während am Sonntagabend um neun Uhr vor dem Berliner Club Berghain noch eine lange Schlange auf Einlass wartet, um bei Techno in den Montagmorgen zu raven, setzt sich in der kleinen Kantine am Berghain nebenan eine bunte Prozession in Gang: Vorneweg schwenkt Organist und Sänger Zapot Mgawi, der bürgerlich Topaz McGarringle heißt, ein Weihrauchgefäß, während er gleichzeitig in ein Megaphon spricht: "Seid ihr bereit für 'Golden Dawn'?" Er sieht aus wie eine Mischung aus Priester, Häuptling und Zirkusdirektor.

Ein reizüberflutendes Gesamtkunstwerk

Auf dem Kopf trägt er eine Art Krone aus Gold und Federn, Glitzer im Gesicht, Zirkusjacke auf nacktem Bierbauch. Ihm folgen seine Bandkollegen wie in einer Polonaise durchs Publikum auf die Bühne, alle sind kostümiert. Sie tragen glitzerndes Paillettendress, lange Berberkutte mit grünem Lamettavorhang im Gesicht, indische und afrikanische Trachten, 80er-Jahre-Perücke zu Goldkimono, eine bunte Auswahl an Masken. Das ist Reizüberflutung pur - und ein Gesamtkunstwerk.

Das Musikerkollektiv aus Austin, Texas, besteht normalerweise aus bis zu 20 Leuten, auf Tour sind sie zu zehnt. Die Bühne in der kleinen Kantine am Berghain ist gerammelt voll. Allein schon mit den Instrumenten: Vibraphon, Schlagzeug, Percussions, Posaune, Saxophon, Synthesizer, Orgel.

Spaß-Funk und Space-Punk

Das "Golden Dawn Arkestra" spielt Percussion-getriebene Spaß-Funk-Nummern, psychedelische Rockopern und Space-Punk. Lateinamerikanische Rhythmen sind dabei, Jazzeinflüsse, Indierock, elektronischer Synthesizer. Völlig egal, welche Beschreibung man findet, das Kollektiv dürfte sich darum nicht scheren. Sie mixen alles mit allem, so wie sie Lust haben und erschaffen aus  einem bunten Mix aus Kulturen, Klängen, Farben und Fantasie einen ganz eigenen Kosmos.

Weltraumlegenden, Kostüme, Kollektiv: Das erinnert nicht zufällig an den experimentellen Jazzmusiker Sun Ra, der in den 50er und 60er Jahren mit seinem Arkestra bekannt wurde und von sich behauptete, er stamme vom Planeten Saturn. Er trug Fantasiekostüme und Kopfschmuck und entwickelte eine eigene spirituelle Philosophie.

Eine einzige Party

Das "Golden Dawn Arkestra" nennt Sun Ra als größten Einfluss. Besonders die Art, sich zu kostümieren und zu tanzen. Gegründet hat sich das Musikerkollektiv vor fünf Jahren in Austin. Hierarchien scheint es nicht zu geben. Viele der Musiker spielen mehrere Instrumente und wechseln auf der Bühne hin und her.

Die Texaner beeindrucken vor allem durch ihre ansteckende Energie und durch ihre Spielfreude. Ein Song geht in den anderen über, es ist ein psychedelischer Tanz-Trip ohne Atempause. Die Band macht Spaß. Der Abend ist eine einzige Party. Nach anderthalb Stunden geht es nach Hause, ausgepowert und glücklich getanzt. Vorbei an denen, die in der Schlange vorm Club Berghain immer noch darauf warten, tanzen zu dürfen.

Das "Golden Dawn Arkestra" spielt auch beim Fusion Festival in Lärz (27. Juni bis 1. Juli).

Sendung: rbb Inforadio, 25.06.2018, 07:55 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 1.

    Esoterik kostümiert sich zur Aufpeppung von Mittelmäßigkeit. Hätte prima aufs Holzmarktgelände gepaßt und niedlich zum Kater Blau. Ohne Innovation, aber nett.

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