Lenny Kravitz (Quelle: Imago/Mehrdad Samak-Abedi)
Audio: Inforadio, 13.06.2018, Susanne Bruha | Bild: imago/Mehrdad Samak-Abedi

Konzertkritik | Zitadelle Spandau - Zwei Stunden Lenny-Kravitz-Hits am Stück

Das letzte Album von Lenny Kravitz erschien 2014, seine letzte Tour führte ihn 2015 nach Berlin. Es wurde mal wieder Zeit, vorbeizukommen. Obwohl ein neues Album im Herbst erscheint, zündeten in der Zitadelle Spandau aber vor allem alte Hits. Von Susanne Bruha  

Wenn die Zitadelle gut gefüllt ist - und das war sie bei Lenny Kravitz, wenn auch nicht ausverkauft - dann sehen die Besucher an den Rändern des Hofs richtig schlecht. Lenny Kravitz, als bekennender Berlinfan, hat das aber möglicherweise mit bedacht: Für seinen ersten Song steht er auf alle Fälle gut sichtbar weit oben auf der Bühne, auf einem Podest noch oberhalb des Schlagzeugs.

Wie in einem Werbeclip für eine Fluggesellschaft

Er spielt "Fly away" und während des Songs fliegen wie bestellt direkt zwei Flugzeuge über die Zitadelle hinweg. Man fühlt sich wie in einem Werbeclip für irgendeine Airline oder für Lenny Kravitz. Auf der Bühne rockt dieser Mitte-50-Jährige jetzt druckvoll los und sieht dabei aus wie Mitte 30 mit seiner grünen Lederjacke und der engen schwarzen Lederhose.

Auf "Fly away" folgt "Dig in", für den Song hat Kravitz vor vielen Jahren seinen vierten Grammy kassiert und bei "Bring it on" reißt er sich die Ballonmütze vom Kopf, schüttelt den Dreadlock-Afro über der Sonnenbrille, klatscht die Hände über dem Kopf zusammen und das Publikum tut es ihm gleich zu "American Woman".

Hits, Hits, Hits

Auf diesen fulminaten Start folgen Hits, Hits, Hits mit Kraft, Wumms und Energie. Bei den Gitarrensoli tanzt Kravitz von Bühnenrand zu Bühnenrand, wackelt mit dem Popo und begrüßt drei Bläser, die mit einem "Get up, stand up"- Bob Marley-Cover die Bühne betreten und ab sofort die vierköpfige Band verstärken.

Songs, die es irgendwie schon seit immer gibt

Immer wieder erzählt Lenny Kravitz, der immer mehr Ähnlichkeit mit seinem Idol Prince bekommt, von seiner Liebe zu Berlin. Er sei 1989 als "little boy", also eigentlich mit schon 25 Jahren das erste Mal hier gewesen und habe den Mauerfall erlebt. Das Publikum ist begeistert.

Im ruhigeren Mittelteil der Show spielt Kravitz dann zwei Songs vom kommenden Album. Poppig und ein bisschen softer kommen "It's Enough" und "Low" daher. Die Fans aber feiern lieber die Klassiker und das sind teilweise Songs, von denen man denkt, es gibt sie eigentlich schon seit immer - wie "It Ain't Over Till It's Over".

Nach hinten raus wird es nochmal richtig rockig - und bei den Zugaben auch etwas endlos. "Let Love rule" ist Lenny Kravitz zum langsam Abgewöhnen und nach zwei Stunden endet die Lenny Kravitz-Retrospektive. Wenig Neues, dennoch frisch.

Sendung: Inforadio, 13.06.2018, 7.40 Uhr  

Beitrag von Susanne Bruha

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