Das Palais am neuen Garten in Potsdam, ist einer der Aufführungsorte des Literaturfestivals "LIT:potsdam Starke Worte, schöne Orte".
ZB
Audio: Inforadio | 12.06.2018 | Ute Büsing | Bild: ZB

6. Festival LIT:Potsdam - Ein Lesefest über Kapital, Integration und Pferde in Bars

Unter dem Motto "Schöne Worte, schöne Orte" hat am Dienstagabend das sechstägige Lesefestival LIT:potsdam begonnen. Populäre Autoren, scharfzüngige Kritiker und bekannte Moderatoren sorgen für ein breites und zu Debatten anregendes Programm.

Frank Schätzing, Marc-Uwe Kling, Ijoma Mangold, Emilia Smechowski oder Denis Scheck sind nur einige der rund 30 Autoren, Kritiker und Publizisten, die auf der LIT:potsdam in den kommenden Tagen bis Sonntag zu sehen und zu hören sein werden.

Das Festival sei mittlerweile über die Grenzen Potsdams bekannt, sagt die künstlerische Leiterin des Festivals, am Dienstag dem rbb: "Es hat sich mittlerweile bei den Schriftstellern herumgesprochen, dass Potsdam eine sehr schöne Stadt ist mit schönen Orten für die Literatur."

Auftakt mit Debatte über Integration und Ausgrenzung

Auch deswegen trägt die sechste Auflage des Literaturfestivals das Motto "Schöne Worte, schöne Orte". Los ging's am Dienstagabend in der Stadt- und Landesbibliothek: Dabei diskutierten die Autorin Emilia Smechowski und der "Zeit"-Kritiker Ijoma Mangold über die sozialen Mechanismen von Integration und Ausgrenzung.

In der Bibliothek werden zudem während des Festivals Illustrationen von Kindergedichten und Selbstgereimten gezeigt, die der Autor Martin Klein an Schulen in Potsdam und Umgebung mit Kindern und Jugendlichen erstellt hat.

David Grossmann diskutiert mit Schlesinger und Berben

Ein Höhepunkt des diesjährigen Festivals ist der Auftritt des diesjährigen "Writer in Residence" David Grossmann. Der 64-jährige israelische Schriftsteller und Friedensaktivist ist beim Festival gleich zweimal zu erleben: Mit der rbb-Intendantin Patricia Schlesinger spricht er über seinen Roman "Kommt ein Pferd in die Bar". Tags darauf diskutiert er mit Schauspielerin Iris Berben in der Villa Jacobs über "Politik, Literatur und andere existentielle Fragen".

Einen ganz anderen Fokus setzt eine Runde, die eher die jüngere deutsche Geschichte thematisiert: Auf einem Floß in Potsdams Grenzgewässern lesen Julia Schoch, Thorsten Schulz und André Kubiczek aus ihren Büchern, die in Berlin, Potsdam und Brandenburg zur Zeit der DDR und der politischen Wende spielen.

Potsdam, so Karin Graf, habe das große Glück, dass es sich weder nach Bestseller-Listen noch nach Neuerscheinungen richten müsse. "Wir können uns aussuchen: Welche Autoren passen zueinander, wer hat sich etwas zu sagen, und welche Themen liegen den Lesern am Herzen?"

Lesungen und Diskussionen zu Integration und Assimilation

In diesem Jahr geht es unter anderem um das Thema Nachbarschaft. Die beiden Autorinnen Mariana Leky und Dörte Hansen sind hier erstmals gemeinsam zu erleben. Lesungen und Diskussionen über Integration und Assimilation, zum Leben in der Provinz oder  zu Karl Marx (1818-1883) und seinem vor 150 Jahren erschienenen ersten Band des "Kapital" ergänzen das breite Spektrum der sechsten LIT:Potsdam.

Außerdem findet erneut das Theaterautoren-Treffen Next Stage Europe statt: Gemeinsam mit dem Goethe-Institut Kiew organisiert die LIT:potsdam ein Treffen junger Theaterautorinnen und -autoren aus Deutschland und verschiedenen Ländern Ost-Europas.

Am Sonntag präsentieren sich dann regionale Buchhandlungen und Verlage auf einem Büchermarkt unter freien Himmel, bevor am Abend Bestsellerautor Frank Schätzing mit seinem neuen Roman "Die Tyrannei des Schmetterlings" zur Abschluss-Matinee ins Hans-Otto-Theater einlädt.   

Aus Anlass des Europäischen Kulturerbejahres 2018 veranstaltet das Festival übrigens in der zweiten Junihälfte ein Zusatzprogramm an verschiedenen Orten in Brandenburg: "Europa – ein Geschichten-Schatz", initiiert und kuratiert von Literaturkritiker Thomas Böhm.

Sendung: Inforadio, 12.06.2018, 7.55 Uhr

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