Carlo Chatrian Direktor des Locarno Fimfestival bei einem Auftritt 2017 (Quelle: Keystone/Delley)
Keystone/Delley
Audio: Kulturradio | 20.06.2018 | Reiner Veit | Bild: Keystone/Delley

Bisheriger Leiter von Locarno - Medienberichte: Carlo Chatrian soll Berlinale-Chef werden

Die Nachfolge von Dieter Kosslick ist offenbar geklärt: Neuer Berlinale-Chef soll laut Medienberichten der bisherige Leiter des Filmfests von Locarno, Carlo Chatrian, werden. Offiziell wird die Nachfolge am Freitag bekannt gegeben.

Der künstlerische Leiter des Filmfests von Locarno, Carlo Chatrian (46), soll Nachfolger von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick werden. Das berichteten am Dienstag die Zeitungen "B.Z." und "Bild" unter Hinweis auf Kreise des zuständigen Aufsichtsrats.

Der Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Die Berufung werde am Freitag vom Aufsichtsrat bekanntgegeben, sagte er am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur.

Der italienische Journalist und Autor Carlo Chatrian, 1971 in Turin in Italien geboren, ist seit 2012 künstlerischer Direktor des Filmfestivals Locarno im Süden der Schweiz. Er soll den langjährigen Berlinale-Direktor Kosslick (70) ablösen, dessen Vertrag im Mai 2019 endet.  

Grütters hatte als Leiterin der Findungskommission für die Nachfolge eine Zweierlösung befürwortet. Wen sie am Freitag für den geschäftsführenden Teil vorschlagen will, blieb zunächst unklar. "B.Z" und "Bild" schreiben, es werde die Doppelspitze wohl nur in einer abgeschwächten Form geben. 

Der Journalist und Autor ist ein echter Cineast

Chatrian galt bislang eher als Außenseiter bei den Kandidaten um die Berlinale-Nachfolge. Im Gespräch waren vor allem Rajendra Roy, Film-Kurator des New Yorker Museum of Modern Art, Cameron Bailey vom Filmfest Toronto und Bero Beyer vom Filmfest Rotterdam.

Chatrian sei beim Filmfest von Locarno der Spagat zwischen Kunst und Kommerz gut gelungen, bescheinigen ihm Kritiker. Der Journalist und Autor gilt als echter Cineast und international bestens vernetzt. Der dreifache Familienvater studierte Literatur und Philosophie. Seit den 90er Jahren arbeitete Chatrian als Filmkritiker. Er hat Bücher und Essays über Kinogrößen wie Errol Morris und Wong Kar-Wai geschrieben und war Lehrbeauftragter.

In einem Porträt der "Zeit" hatte er noch im vergangenen Jahr gesagt: "Die Berlinale ist ein großartiges Festival mit viel Potenzial, aber ich glaube nicht, dass ich dafür geeignet bin, zumal ich ja kein Deutsch spreche." In dem Artikel wird Chatrian auch als Typ gezeichnet, den es nicht in die Öffentlichkeit ziehe. O-Ton: "Mein Job ist es, die Filmemacher vor mich zu stellen."

Inhaltliche Neuausrichtung der Berlinale gefordert

Um die Nachfolge für Kosslick hatte es eine heftige Debatte gegeben. Prominente Regisseure hatten in einem offenen Brief einen inhaltlichen Neustart für die Berlinale gefordert. Sie müsse weiter mit den großen Konkurrenten Cannes und Venedig mithalten können.

Verantwortlich für die Neubesetzung ist die KBB, die Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH. Sie kommt am Freitag zu ihrer Aufsichtsratssitzung zusammen. Dort wird die
Findungskommission unter Leitung von Grütters ihren Vorschlag für die künftige Führung offiziell unterbreiten.

Sendung: Inforadio, 19.06.2018, 20 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

1 Kommentar

  1. 1.

    Man kann folgenden Beitrag sehr empfehlen: https://www.br.de/themen/kultur/neuer-berlinale-chef-carlo-chatrian-beerbt-dieter-kosslick-100.html

Das könnte Sie auch interessieren