Robert Seethaler liest im Großen Sendesaal des rbb. (Quelle: rbb/C. Knoblauch)
Bild: rbb/C. Knoblauch

Lesung | "Das Feld"-Autor Robert Seethaler - Ganz mühsam aufgeschrieben und ganz leicht zu lesen

Robert Seethaler erzählt in seinem neuen Roman "Das Feld" die Geschichte von 29 Dorfbewohnern, die auf ihr Leben zurückblicken. Am Donnerstagabend stellte er seinen Roman im Großen Sendesaal des rbb vor - und verriet dabei, dass er eigentlich gar nicht gerne schreibt. Von Cora Knoblauch

Er passt kaum rein in die eleganten schwarz-orangefarbenen rbb-Sessel, dieser lange schlaksige Robert Seethaler in seinem ausgewaschenen Jeanshemd. Die große Bühne und vor allem die Vorstellung, dass ihm am Radio tausende Menschen zuhören, sei "die Hölle" sagt Seethaler. Er lächelt spitzbübisch. Dann redet und liest er natürlich doch.

An diesem hochsommerlichen Donnerstagabend stellt der österreichische Autor und Schauspieler im Großen Sendesaal des rbb in Berlin seinen neuen Roman "Das Feld" vor. Seine Romane "Der Trafikant" und "Ein ganzes Leben" hielten sich wochenlang in den Bestsellerlisten, "Das Feld" ist aus dem Stand auf Platz 6 der SPIEGEL-Bestsellerliste eingestiegen. Das müsse er erst einmal verkraften, sagte Seethaler zum Auftakt. 

"Schreiben ist einfach nur mühsam"

In seinem neuen Roman "Das Feld" lässt Robert Seethaler 29 Menschen aus einer Kleinstadt auf ihr Leben zurückblicken. Sie alle lebten in Paulstadt und sie alle sind bereits gestorben. Seethaler erzählt vom Leben aus der Sicht der Toten. Da ist eine Frau, die viele Männer hatte, aber nur einen liebte, zwei ältere Damen, die erst kurz vor ihrem Tod eine tiefe Freundschaft finden, und ein Mann der an einem heiteren Tag befreift, dass dies der glücklichste Tag in seinem Leben werden sollte. Dabei verquicken sich die Biographien der 29 Menschen und der Leser erfährt dabei manche Lebenswendung aus verschiedenen Perspektiven. Am Ende gibt es ein Ereignis, dass alle Protagonisten auf gewisse Weise eint. Die Einzelheiten dieser Wendung möchte Seetahler an diesem Abend aber natürlich noch nicht verraten.

Die 29 Leben und deren zarte Verbindungen hat Seethaler nicht minutiös geplant, verrät er dann im Gespräch. "Das hat sich so ergeben. Die Geschichten waren wie ein Netz, das sich selbst spinnt."

Moderatorin Marion Brasch will dann mehr erfahren darüber, wie Seethaler zu diesen 29 Menschen gefunden hat, wie er sie sich vorgestellt, sich ihnen angenähert hat. Seethaler scheint es unangenehm zu sein, noch einmal darüber nachdenken zu müssen. "Ich schreibe sowieso nicht gerne. Es ist einfach nur mühsam!" Seethaler lächelt, die Zuschauer lachen.

Die wenigstens Alten sind weise. Die meisten sind einfach nur alt.

Leben bedeutet auch Nicht-verstehen

Die 29 Leben werden in unterschiedlicher Länge erzählt, jeder Mensch in Seethalers Roman nähert sich seinem Leben auf eigene Weise an. Das sei ja schließlich so, sagt Seethaler im Großen Sendesaal des rbb. "Schauen Sie, hier sitzen 700 Menschen. Das sind 700 unterschiedliche Leben und jeder würde sein Leben ganz anders erzählen."

Ob man am Ende seines Lebens irgendeinen Erkenntnisgewinn hat, irgendetwas vom Leben begriffen hat, das wüssten wir Lebenden ja alle nicht. Seethaler schreibt in seinem Buch: "Die wenigstens Alten sind weise, die meisten sind einfach nur alt." Diese 29 Menschen im Roman "Das Feld“ würden aber alle auf ihre Art sehr schlau und weise sein, stellt Marion Brasch fest und Seethaler lacht. Von sich könne er das aber nicht behaupten, sagt er. "Ich erfahre ständig etwas, aber ich verstehe nichts. Doch mit diesem Nicht-Verstehen komme ich immer besser klar."

Robert Seethaler sagt an diesem Abend dann doch viele kleine Weisheiten. Er sagt: "Man kann nichts in einem anderen finden, was man in sich selbst noch nicht gefunden hat." Vielleicht ist es Koketterie. Vielleicht ist ihm die ganze Öffentlichkeit am Ende tatsächlich ziemlich unangenehm. Ein Genuss ist es, wenn der Autor und Schauspieler Seethaler aus seinem Roman liest. Die einzelnen Paulstädter werden im Sendesaal quicklebendig. Unter großem Applaus endet der Abend, Seethaler huscht von der Bühne und signiert noch lange seinen neuen Roman "Das Feld".

Sendung: Radioeins, 07.06.2018, 19 Uhr

Beitrag von Cora Knoblauch

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren