Georgette Dee und Cora Frost auf der Bühne im Tipi in Berlin (Quelle: Pressefoto/Barbara Braun/ MuTphoto)
Bild: Barbara Braun/ MuTphoto

Uraufführung | "DEE Frost Welt" im Tipi Berlin - Hohepriesterinnen des Undergrounds laden zum Sommerkonzert

Georgette Dee und Cora Frost haben das neue deutsche Chanson entscheidend geprägt. Am Mittwochabend gab es im Berliner Tipi die Uraufführung ihres Gemeinschaftsprogramm "DEE Frost Welt - Lieder": märchenhaft und skurril. Von Ute Büsing  

Zwei Hohepriesterinnen des Undergrounds treffen sich zum Welt-Gipfel, einem Hexensabbat, inklusive Hölle und Paradies. Georgette Dee und Cora Frost nehmen einander nichts - sie geben sich; tauschen uneitel ihre Hymnen, covern sich gegenseitig, ergänzen sich in Wechselgesängen und treffen sich im noch porösen Duett. Herausgekommen ist am Mittwoch im Berliner Tipi ein anrührendes dreistündiges Sommerkonzert voller märchenhafter Momente und skurriler Abseitigkeiten. Ein langer Abend für Liebhaberinnen.

Nicht nur das queere Publikum liebt das Geschlechterspiel

Dee und Frost sind früh aus den Allerweltswelten gefallen, haben sich nie mit Mengen und Massengeschmack aufgehalten, sondern ihren Blick und ihre Songs geschärft für randständige Schönheit und die Poesie des Alltags. Sie spielen souverän mit Geschlechterrollen und finden in der Umdeutung deren wahren Kern. Und werden dafür geliebt von ihrem nicht nur queeren Publikum.

Die gemeinsame Bühne ist ein florierender Sommergarten - mit Schaukel zum Ausruhen für die Sängerin, die grad nicht singt. Oder Georgette geht mal eben einen üppigen Fruchtcocktail holen, auch für die vorzügliche Band, die Dreamboys. Mit denen wurden die Arrangements gesponnen: alte Lieder mit völlig neuem rockigen Klang, wilde Ritte auf dem Sturm des Gutmenschentums. Es sind Cover-Versionen für Priesterfrauen, Operettenhaftes steht neben Punkigem. Alles wird in sehr viel roten Nebel getunkt.

Königinnen schwelgen in Erinnerungen

Georgette Dee und Cora Frost sind zwei Königinnen des Chansons, sie machen Sentimentalitäten eine Kampfansage. Und zugleich schwingt hier jede Menge Erinnerung mit: an Georgettes von Alkohol und Zigaretten befeuerte Liedabende, an Coras ungestüme Kunstweltweihen, an den gemeinsamen Abend "Diva Gut" - zusammen mit der Popette Betancor und Mouron vor 20 Jahren. Die meisten im jubelnden Publikum teilen diese Erinnerungen - und die taufrisch gebliebenen "Illusions".   

"DEE Frost Welt - Lieder" erklingen noch bis zum 24. Juni im Berliner Tipi am Kanzleramt.

Sendung: Inforadio, 14.06.2018, 7.50 Uhr  

Beitrag von Ute Büsing

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren

Siegerin Netta beim ESC 2018 in Lissabon (Quelle: imago/Fiuza)
imago stock&people/Fiuza

Deutscher ESC-Vorentscheid - In Adlershof wird für Israel geübt

Seit Mittwoch wird geübt, am Freitag gesiebt - in einem Studio in Berlin-Adlershof steigt die Show für den Vorentscheid zum ESC. Sieben Einzelinterpreten oder Duos treten an und wollen sich für den Europäischen Wettbewerb im Mai qualifizieren.

U-Bahnhof Konstanzer Straße (Quelle: rbb)
rbb

Ausstellung in der Berlinischen Galerie - Ach, du schöner U-Bahnhof

Sie sind laut, dreckig und es riecht ungenehm: Berliner U-Bahnhöfen schenkt man im Alltag selten Beachtung. Dabei sind sie oft sehr speziell gestaltet - und spiegeln Berliner Geschichte wider. Die Berlinische Galerie nimmt sich jetzt die Prachtstücke im Untergrund vor.