Ortwin Rau spricht am 07.05.2014 mit zibb über den neuen Yaam-Standort (Bild: rbb-Fernsehen/zibb)
Archivvideo: zibb - 96 Stunden | 15.05.14 | Bild: rbb-Fernsehen/zibb

Prägende Figur der Berliner Reggae-Szene - Yaam-Chef Ortwin Rau ist tot

Der Mitgründer und langjährige Betreiber des Berliner Yaam-Clubs, Ortwin Rau, ist verstorben. Er arbeitete mit Seeed und Culcha Candela, prägte über mehr als zwei Jahrzehnte das Reggae-Treiben in der Hauptstadt - und auch den Karneval der Kulturen.

Ortwin Rau, unter anderem Chef des multikulturellen Berliner Szene-Clubs Yaam - des Young African Art Market - ist tot. Er ist am Donnerstag nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren verstorben. Das teilte das Yaam am Freitag auf Facebook mit: "Yaam ist eine Familie. Wir haben unseren Papa verloren." Zudem hat das Yaam sein Profil- und Titelbild komplett in schwarz gehalten.

Der Club hatte wegen des Gesundheitszustands von Rau bereits seine Teilnahme am großen Umzug beim Karneval der Kulturen vor drei Wochen kurzfristig abgesagt.

"Ein großer Verlust für die Berliner Club-Landschaft"

Rau hatte das Yaam vor 24 Jahren mitbegründet. Direkt am Spreeufer entstand ein zentraler Anlaufpunkt der Berliner Reggae-Szene. Das Gelände entwickelte sich trotz mehrfachen Umzugs entlang der Spree in Friedrichshain-Kreuzberg zu einem großen und beliebten Jugendtreffpunkt. Auch später äußerst erfolgreiche Künstler wie die Berliner Bands Culcha Candela und Seeed trafen sich hier und hatten ihre ersten Auftritte auf dem ersten Gelände nahe der heutigen Arena Berlin.

Ein Wegbegleiter - Perry von "Reggae in Berlin" - sagte rbb|24: "Der Tod von Ortwin ist ein großer Verlust für die Berliner Reggae-Szene und allgemein für die Berliner Club-Landschaft, die er sehr geprägt hat. Er war bis zuletzt der gute Geist des Yaam und die Person, die immer an das Projekt geglaubt und es vorangetrieben hat, auch in schweren Zeiten." 

In den letzten Jahren zog sich Rau bereits aus dem tagesaktuellen Geschehen mehr und mehr zurück, wirkte im Hintergrund aber weiterhin an der Weiterentwicklung des Projekts, auch mit guten Kontakten zur Politik. Als anerkannter Träger der Jugendhilfe bietet das Yaam zahlreiche Angebote, die über die eines Clubs weit hinaus gehen.

So äußerte sich auch der medienpolitische Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, Christian Goiny, selbst großer Reggae-Freund und Unterstützer der Szene, zum Tod von Rau. Er habe mit dem Yaam über die Clubcommission zu tun gehabt und vor allem beim letzten Umzug vor vier Jahren. Damals habe er auch Rau persönlich kennen und als einen engagierten Menschen schätzen gelernt, der andere schnell begeistern könne: "Einer der Großen der Berliner Clubszene ist von uns gegangen. Mit seinem herausragenden sozialen und kulturellen Engagement hat er sich um Berlin und die Kultur in unserer Stadt verdient gemacht. Ich bin stolz, dass ich ihm ein wenig zur Seite stehen konnte. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie, seinen Freunden und der Yaam Crew. RIP, lieber Ortwin!"

Sendung: Abendschau, 08.06.2018, 19.30 Uhr

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