Der amerikanische Rapper Anderson Paak während eines Festivals in Quebec, Kanada (Bild: AP Invision/Amy Harris)
Bild: Audio: Inforadio, 11.07.2018, Susanne Bruha

Konzertkritik | Anderson.Paak in C-Halle - Schwere Kindheit muss nicht immer im Gangstarap enden

Anderson.Paak zählt zu den heißesten Stimmen, die der amerikanischen Westküsten-Hiphop derzeit zu bieten hat. Jetzt ist der Mann auf Europatournee. Am Dienstag war er in der Berliner Columbiahalle und hat auf der ganzen Linie überzeugt. Von Susanne Bruha  

Es beginnt wie beim Superbowl, mit einer fetten Ansage und angemessen sportlich kommt Anderson.Paak dann auch auf die Bühne gesprungen. Er trägt ein weiß-rotes Trainingsoutfit, kurze Hose und ein fettes Grinsen im Gesicht. Die jungen freshen Fans in der ausverkauften C-Halle bouncen mit hochgestreckten Armen sofort los. Auf der Videoleinwand dreht sich eine Weltkugel bis sie von kalifornischen Wellen abgelöst wird.

Erstmal runterkommen

Der erste Song heißt "Come down". Erstmal runterkommen also, aber das geschieht  auf hohem Niveau: energetisch und musikalisch. Mit einer Mischung aus R'n'B und HipHop heizt der 32-jährige Kalifornier mit seiner Band "The Free Nationals" dem Saal ein. Die Fans singen textsicher mit, reißen die Hände hoch, tanzen in einer gemeinsamen Choreografie vom linken auf das rechte Bein.

Als Anderson.Paak merkt, dass das Publikum auf sein Kommando hört und ganz smooth auf seiner Welle reitet, kann er sein kleines Podest ganz vorn am Bühnenrand auch mal verlassen. Das tut er mit seinem Lieblings-Move: Einem Sprung mit einer viertel oder halben Umdrehung nach hinten. Neben dem Podest legt er kurz noch drei bis vier synchrone Tanzschritte mit dem Bassisten aufs Parkett. Dann sprintet er zum Schlagzeug. Das steht nochmal erhöhter auch ganz vorn am Bühnenrand und es ist Anderson.Paaks Instrument.

Schlagzeuger und Frontmann in Personalunion

Es ist ein verdammt gutes Konzept: Der Frontmann ist Rapper, Sänger und Schlagzeuger in Personalunion, also die Person, die den Rhythmus bestimmt und die Songs selber in einem Guß vorantreibt.

Im Mittelteil wird es dann ruhiger, hier lassen Band und Anderson.Paak hören, aus wie vielen unterschiedlichen Einflüssen sich ihre Musik speist. Da sind 80er Jahre-Tunes, rockige Gitarrensoli, lange Keybord-improvisationen und -Cover, Spielereien mit Vocoder, mit dem der Keyborder seine Stimme modifiziert. Auf dieser Bühne haben fünf Musiker hörbar Spaß daran den klassischen R'n'B und HipHop aufzumischen, ihm eine Westküsten-Leichtigkeit entgegenzusetzen.

Es muss nicht im Gangsterrap enden

Dabei kommt Anderson.Paak aus schwierigen Verhältnissen, beide Eltern saßen im Gefängnis, er selbst war obdachlos. Aha. Gut zu wissen, dass so ein Schicksal nicht zwangsläufig in abgefucktem Gangster-Rap münden muss. Danke, Anderson.Paak für den Beweis, danke für eine herzliche Show voller Lebensfreude und überschäumender Kreativität! Sehr überzeugend.

Sendung: Inforadio, 11.07.2018, 7.55 Uhr

Beitrag von Susanne Bruha

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