Blick ins Innere der Centrum Judaicum der Neuen Synagoge in Berlin-Mitte (Quelle:rbb)
Audio: Inforadio | 01.07.2018 | Otto Langels | Bild: rbb

Wiedereröffnung nach Renovierung - Neues Konzept in der Neuen Synagoge

Videos und digitale Medien: Die neue Dauerausstellung im Centrum Judaicum der Neuen Synagoge in Berlin-Mitte setzt ab Anfang Juli auf zeitgemäße Präsentationsformen und Biografien. Hauptobjekt ist allerdings nach wie vor das Gebäude an sich. Von Otto Langels

Ein kleines, aber wichtiges Detail der neuen Dauerausstellung im Centrum Judaicum an der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte ist ein Bild: Es zeigt dem Besucher auf einen Blick, dass er sich nicht in einer vollständig erhaltenen Synagoge, sondern in einer wieder aufgebauten befindet.

In der alten Ausstellung aus dem Jahr 1995 fand sich ein Hinweis in Form eines kurzen Textes auf die teilweise Zerstörung der Synagoge durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. Der wurde von vielen Besuchern übersehen. Von außen, von der Straße aus, sieht die 1866 in Anwesenheit Otto von Bismarcks eingeweihte, sogenannte "Neue Synagoge" unversehrt aus.

"Wenn der Besucher hereinkommt, hat er sofort die Message, das ist nicht mehr die 'Neue Synagoge', sondern die ist zerstört worden", erklärt Anja Siegemund, Direktorin der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum.

Buchstaben von 1866 wiedergefunden

Die neue Ausstellung erzählt die Geschichte der Synagoge als Mittelpunkt des Berliner jüdischen Lebens vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zur gewaltsamen Zerstörung in der NS-Zeit und dem teilweisen Wiederaufbau seit Ende der 1980er Jahre. Dabei wurde manches kaum verändert aus der früheren Ausstellung übernommen.

Das Motto der Ausstellung lautet "Tuet auf die Pforten", erzählt Direktorin Anja Siegemund. "Wir haben auch die originalen Buchstaben, die damals 1866 angebracht wurden, also zur Einweihung der Synagoge, wiedergefunden."

Digitale Medien mit interaktiven Elementen

Allerdings setzt das neue Konzept auf zeitgemäße Formen der Präsentation, eine moderne Lichtgestaltung sowie auf den Einsatz digitaler Medien mit interaktiven Elementen, etwa an Medientischen.

"Generell war uns wichtig: Wir bringen mehr Menschen und Biografien in die Ausstellung", so Anja Siegemund. "Es wird auch die Umgebung der Neuen Synagoge thematisiert, auch die jüdischen Institutionen, die sich hier angesiedelt haben, aber ganz wichtig auch die Menschen dahinter." Es sollen auch Videointerviews gezeigt werden, darunter auch eigens für die Ausstellung produzierte.

Lebensgeschichten auf Video

"Aus dem Gedächtnis – Erinnerung an Berlin" ist das Kapitel der Ausstellung überschrieben, in dem Besucher sich die auf Video aufgezeichneten Lebensgeschichten von Jüdinnen und Juden ansehen können; darunter die von Michael Blumenthal, dem früheren Direktor des Jüdischen Museums Berlin.

"Mein Vater und mein Urgroßvater, die waren typisch: Sie waren ganz normale Bürger, trotzdem waren sie jüdische", sagt Blumenthal. "Das durften sie nie vergessen und haben es auch nie vergessen."

Hauptobjekt: nach wie vor das Gebäude

Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung steht weiterhin das Gebäude selbst, jedoch in erweiterter Form. Die Wände mit ihren Verzierungen, die hohen Fenster mit den verspielten Oberlichtern im früheren Repräsentantensaal kommen besser zur Geltung und verschwinden nicht mehr hinter Vitrinen und Stellwänden. Zudem wird das historische Treppenhaus in den Rundgang einbezogen.

Das Hauptobjekt sei nach wie vor das Gebäude an sich, erklärt Direktorin Anja Siegemund. "Und das wird jetzt sehr schön in Szene gesetzt, sodass wirklich der Raum an sich wirkt. Dann gibt es noch Anspielungen durch diese Architektur."

Eine Anspielung ist zum Beispiel ein breiter Querstrich, der sich durch den Schriftzug "Tuet auf die Pforten" zieht und die gewaltsamen Eingriffe und Zerstörungen symbolisiert, denen die Neue Synagoge ausgesetzt war.

Eröffnung mit Festakt

Die neue Dauerausstellung hat mehr als eine Million Euro gekostet und über zwei Jahre die Kräfte des Centrum Judaicum in Anspruch genommen. Gleichwohl fanden sich noch Zeit und Raum, die nächste Sonderausstellung vorzubereiten.

Die erste Wechselausstellung werde am 8. Juli eröffnet – ein paar Tage nach der Dauerausstellung, kündigt Siegemund an. Sie heißt: "Ausgewiesen! Berlin, 28. 10.1938 - Die Geschichte der 'Polenaktion'". "Es geht um die Zwangsausweisungen von Juden polnischer Staatsangehörigkeit aus Deutschland."

Davor aber wird erst einmal am 4. Juli die neue Dauerausstellung mit einem Festakt in Anwesenheit des Präsidenten des Zentralrats der Juden, der Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik und des Berliner Kultursenators eröffnet.

Beitrag von Otto Langels

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren