Earth, Wind and Fire bei einem Konzert im Mai 2018
Audio: Inforadio, 10.07.2018, Susanne Bruha | Bild: imago/ZUMA Press/Daniel DeSlover

Earth, Wind & Fire beim Classic-Open-Air in Berlin - Da schält es das ganze Publikum aus Plastikstühlen

Die Funk-Soul-Urgesteine von Earth, Wind & Fire beenden das Classic-Open-Air auf dem Gendarmenmarkt. Ein Abend mit einigen Zipperlein, die die Chicagoer Band mit Soul und Funk aus dem letzten Jahrhundert einfach weggespielt hat. Von Susanne Bruha

Los geht es mit den funkigen Hits von Sister Sledge. Die Schwestern-Band aus Philadelphia, Pennsylvania, blickt inzwischen auf eine fast 50-jährige Bandgeschichte zurück. Auf dem Gendarmenmarkt reißt sie das Publikum mit Hits wie "We are family"  und "He's the Greatest Dancer" von den Plastikstühlen. Zu letztgenanntem Song holen sich die Schwestern Mittes Bezirksstadtrat Carsten Spallek auf die Bühne, der tatsächlich eine ganz lockere Hüfte zeigt. Es folgt die junge Potsdamer Funkband Footprint Project, die alle vier Deutschlandkonzerte der Funk-Soul-Veteranen von Earth, WInd & Fire supporten und auch die reißen das Publikum von den Stühlen.

Betuliche Moderatoren bremsen den Abend

Danach folgt eine Pause von zwanzig Minuten. Die und die betulich aus der Zeit gefallen wirkenden Moderationen des Classic-Open-Air-Chefs Gerhard Kämpfe hatten das Zeug dem Abend komplett die Energie zu nehmen. Aber der Haupt-Act reißt es wieder raus.

Mit einem Dutzend Musiker ist die Band Earth, Wind & Fire traditionell stark. Mit dabei ist die nächste Generation, unter anderem der Sohn von Schlagzeuger Ralph Johnson, Kim Johnson. Und während der und die anderen Youngster die Hände über den Köpfen klatschend auf die Bühne hüpfen, betreten die Veteranen, die teilweise schon seit den 70er Jahren dabei sind, die Bühne vorm Konzerthaus mit lässiger Rockstarattitüde - um dann nicht minder energetisch loszuspielen. "Sing a song" von 1976 ist das erste Stück.

Miese Stimmung

Das Publikum hält es nicht in den engen Plastikstuhlreihen. Viele stehen auf, drängen in Richtung Bühne und haben ab dem Moment eine super Party weit vorn. Weiter hinten, im großen Sponsorenblock, wo Gewinner von Radioverlosungskarten neben Berliner Schickeria, neben Presse sitzen, herrscht hingegen gedämpfte Stimmung. Der Sound ist anfänglich dünn und lässt zu wünschen übrig. Die Musiker auf der Bühne sind zu weit weg und die Stehenden versperren die Sicht. Jeder weitere, der aufsteht, wird nur noch angezickt.

Der Sound wird besser

Aber der Sound bessert sich. Und spätestens als Hits nur noch Hits ablösen und auf die Schnulze "Fantasy", in einem Rutsch "Boogie Wonderland", "Let's Groove" und "September" folgen, schälen sich auch die renitentesten Sitzenbleiber aus ihren Sitzen. Sie feiern strahlend knapp 60 Jahre alten funkigen Soul mit den alten Männern und deren tanzwütigen Söhnen.

Sendung: Inforadio, 10.7.2018, 5:55 Uhr  

Beitrag von Susanne Bruha

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Lautstärkebegrenzung ist okay - natürlich schade, aber verständlich. Trotzdem kann und sollte man eine gute Klangqualität schaffen und bei so einer Band darauf achten, dass alle Instrumente gut und klar (!) zu hören sind. EW&F haben super abgeliefert, aber es kam absolut nichts rüber - was meiner Meinung nach allein der Tontechnik geschuldet ist. Das Drumset klang unvollständig und dumpf, die Bläser waren (auch bei Soli) viel zu leise, die Regler vom Mischpult wurden oft sehr hörbar unsensibel während der Songs verschoben - wir konnten es ehrlich gesagt nicht fassen! Es wirkte einfach nur unprofessionell. Haben auch den Standort hinter den Lautsprechern für die Tribüne getestet. Der Sound war ein wenig lauter, aber noch sehr unausgewogen. Vielleicht kann man eine (wenigstens teilweise) Rückerstattung des Ticketpreises beim Veranstalter erreichen ;-) https://www.classicopenair.de/de/kontakt

  2. 11.

    Ich kann den Unmut der Besucher gut verstehen, die sich über die mangelnde Tonqualität beschweren. Allerdings ist hier nicht die Schuld beim Personal zu suchen, die die Beschallung und Tonmischung betreuen. Es gibt sehr klare und strikte Auflagen durch Ämter, welche durch die Kollegen bei Strafandrohung einzuhalten sind. Diese zu beleidigen, geht zu weit. Dass ein solches Konzert im sitzen bei Zimmerlautstärke nicht funktioniert, steht auf einem anderen Blatt und ist klar. Es ist ganz sicher so, dass die Tonleute eine entsprechende Lautstärke gefahren hätten, wenn es erlaubt gewesen wäre. Die Entscheidung das Konzert mit den bekannten Rahmenbedingungen an diesem wunderschönen Ort durchzuführen lag beim Veranstalter und dem Bandmanagement. Und nur diese sind verantwortlich. Man hätte die Besucher vor dem Konzert darauf hinweisen müssen, dass es leise wird, denke ich.

  3. 10.

    Jeder mag bei einem Konzert soviel tanzen,wie er will. Wenn es dafür Stehplätze vor der Bühne gibt+derjenige sich ein Ticket dieser Preisklasse gekauft hat!
    Wenn es bei einem Konzert nur Sitzplätze gibt, dann SITZT man da halt, egal, wer vorne auf der Bühne steht. Wem das nicht passt, der muss zu dem Konzert ja nicht hingehen.
    Aber sich ein möglichst billiges Ticket ganz hinten zu kaufen + dann rücksichtlos nach vorne zu stürzen + denjenigen, die sich extra ein teures Ticket gekauft haben, die Sicht zu versperren, das ist eine Unverschämtheit !
    Meine Freundin ist gesundheitlich angeschlagen. Wir hatten daher sehr teure Karten ziemlich weit vorne gekauft + sie hat sich seit Wochen wahnsinnig darauf gefreut, Sister Sledge + EWF aus nächster Nähe ungehindert live hören + SEHEN zu können. Aber alles was sie gesehen hat, waren die Hinterteile irgendwelcher Egoisten, denen es offensichtlich völlig wurscht war, daß sie hunderten anderen Konzertbesuchern den Abend komplett verdorben haben!

  4. 9.

    Hallo John,
    Danke für die Replik. Als ich las, die Commodors im ICC( was gar nicht geht ), trat bei mir eine sehr schöne Erinnerung zurück. Als ich noch DJ in einer Diskothek war, spielte ich zu vorgerückter Stunde „Brick House“ die Langfassung und das Tanzfreudige Publikum geriet aus dem Häuschen. Das ganze entwickelte sich zu einer Polonaise und führte sogar bis vor die Tür des Lokals. So etwas erlebt man nur einmal. „ Get The Funk out of ma Face“( Brohters Johnson ):-):-)

  5. 8.

    Also was einem inhaltlich an diesem Abend geboten wurde war für Funkfreunde ein Leckerbissen! Die Location an sich auch ein optisches Highlight!
    Was die Beschallung angeht leider eine glatte 6!!! Da muß man leider sagen das hört sich auf jeder Provinzbühne wesentlich besser an! Da tun einem letztlich auch die Künstler leid. Sehr Schade, solche Gruppen bekommt man letztlich nicht jedes Jahr in Deutschland geboten!
    Gleiches gilt für die Besetzung der Spots! Anscheind gab es keine Proben, oder es saßen die falschen Leute an den Geräten!
    Das es zu Unmut kam bei dem Publikum die das Konzert sitzend verfolgen wollten, ist nachvollziehbar! Aber letztlich gab es fast nur in der Mitte die Möglichkeit etwas zu verstehen! Aber am Ende haben eh alle gestanden und getanzt!

  6. 6.

    Das habe ich sowieso nie verstanden: warum bucht man Bands, die für "Tanzmusik" bekannt sind in "Locations", die eine Bestuhlung haben? Kool & The Gang und Commodores haben mal im ICC gespielt - absoluter Quatsch...die Bands haben dann sowieso die Besucher aufgefordert, nach vorn zum Tanzen zu kommen. Andere Beispiele: CHIC - demnächst in Berlin - bestuhlter Saal...usw. Man weiß das doch vorher!!! Verstehe ich nicht!!!

  7. 5.

    Hallo René,
    das tut mir wirklich leid für Sie. Auch ich bin ein Verehrer dieser Band und kann mir gut vorstellen wie es Ihnen ergangen ist. So wie sich das hier alles liest, hat da leider die Tontechnik auf der ganzen Linie versagt. Schade.

  8. 4.

    Musikalisch alles absolut in Ordnung, alle Bands incl. EWF absolut Spitze und es war auch irgendwie toll, aber bei dem Sound blieb das große Konzertgefühl einfach auf der Strecke und das wurde auch später nicht besser. Für das Monitoring hatte EWF einen eigenen Mann auf der Bühne, schade das an den Hauptreglern wohl der Hausmeister saß? Man hat nicht nur das eigene Wort verstanden sondern auch das des Nachbarn drei Sitze weiter, das darf bei so einem Konzert nicht passieren und auch die Instrumente waren schrecklich gemischt, schade, es hätte ein ganz toller Abend werden können, so war es naja...

  9. 3.

    schade, dass wir im Block E mit 85Euro Tickets, leider selbst die Stellen verpasst haben, in denen der Sound gut gewesen sein soll. Das war technisch peinlich und unzumutbar, eigentlich eine Frechheit, die erwarteten knackigen Bläser kamen rüber wie eine laue Blockflöte, EWF lebt von der Fülle der Musik und nicht vom Handy Klang der hinten ankam. Schade auch für EWF, die selbst waren super ebenso wie Sister Sledge, die Technik (oder der Lärmschutz?) hats verbockt.

  10. 2.

    Liebe Frau Bruha. Wenn eine Band wie die Earth, Wind and Fire ihre Musik darbieten, muß,kann man nicht auf den Stühlen sitzen bleiben. Das ist FUNK in Reinkultur. Wer das nicht versteht, sollte sich andere Konzerte aussuchen. Vieles spricht für das Publikum, denn es strömte zur Bühne und wollte Tanzen. Aber was mich an Ihren Beitrag stört,ist die Bezeichnung „Schnulze“ besonders auf den grandiosen Song „Fantasie“. Dieser Hit ist ein Meilenstein und hat soviel Kraft und Gefühl. Mir fällt jetzt der Name des verstorbenen Leadsängers nicht ein. Aber wenn dieser das Lied anstimmte, waren die Leute immer ganz hin und weg. Ob schwarz oder weiß und das zeichnet diese Band bis heute besonders aus. Bei guter Funkmusik auf den Stühlen zu sitzen kriegen nur wieder wir deutschen hin.

  11. 1.

    Schade, Chance verpasst: Der Sound war durchgehend schlecht, die Musik zu leise (man hörte die Tanznachbarn lauter singen als die Band). Und überhaupt: E, W & F im Sitzen??? Welcher Spießer hat sich das ausgedacht und welche Spießer machen so etwas??? Die Jungs und älteren Herren haben abgeliefert, genauso wie die Party Posse FOS. Alle anderen können sich wieder hinlegen.

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