Entwurf für das Einheits- und Freiheitsdenkmal (Quelle: imago/Wolf P. Prange)
Video: Abendschau | 19.08.2018 | Sylvia Wassermann | Bild: imago/Wolf P. Prange

Debatte um Standort - Senator Lederer will Einheitsdenkmal nochmal überdenken

Das Einheitsdenkmal steht noch nicht, aber sorgt weiter für Diskussionen: Kultursenator Lederer findet den geplanten Standort vor dem Stadtschloss unpassend. Auch eine Bürgerinitiative hat andere Ideen - und plant bis Oktober täglichen Dauer-Protest.

Eine Berliner Bürgerinitiative will durch eine Dauer-Demonstration vor dem Reichstag erreichen, dass das Einheits- und Freiheitsdenkmal dort errichtet wird - und nicht wie geplant vor dem Berliner Stadtschloss. Dabei erhält die Initiative Unterstützung aus der Politik. Denn Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat auch seine Zweifel an dem Standort vor dem Stadtschloss und hat die neue Debatte begrüßt.

"Standort vor Stadtschloss unpassend"

Er finde den derzeit vorgesehenen Standort unpassend, sagte der Linken-Politiker am Donnerstag im rbb-Inforadio. Mit der friedlichen Revolution 1989 verbinde er eher den Ring in Leizpig, die Berliner Gethsemane-Kirche oder den Alexanderplatz. Das Stadtschloss sei kein Symbol für Einheit und Freiheit. Vielmehr habe sich dort 1848 der Kaiser vor den Opfern der Niederschlagung der 1848er-Revolution verneigt.  

Geplant ist eine 50 Meter lange Schale, auf der mehr als 1.000 Menschen herumlaufen können und die zum Wippen gebracht werden kann. Lederer regte an, noch einmal grundsätzlich über das Denkmal nachzudenken.

Der Verein "Historische Mitte Berlin" wünscht sich als Standort für das Denkmal das Areal vor dem Reichstagsgebäude und will dort nun in den kommenden 77 Tagen täglich demonstrieren. Den Reichstag lehnt Lederer allerdings ebenso als Standort für das Einheitsdenkmal ab.

Allerdings ist Lederer nicht wirklich zuständig: Das Denkmal geht auf einen Bundestagsbeschluss zurück, dessen Umsetzung im Bereich der Kulturstaatsministerin liegt.  

Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin, bei der Bekanntgabe des Vorschlags der Findungskommission für die Nachfolge von Berlinale-Chef Kosslick (Foto: imago/Emmanuele Contini)
Monika Grütters | Bild: imago stock&people

Grütters: Grundstückskauf für Einheitswippe am 22. August

Und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) lehnt eine erneute Debatte und den Reichstag als möglichen Standort ab. Im rbb sagte sie bereits am Mittwoch, die Idee sei eine "Totgeburt". Auch technische Gründe sprächen gegen das Areal vor dem Reichstagsgebäude. Nach Angaben von Grütters steht der Kauf des Grundstücks vor dem Stadtschloss, auf dem das Freiheits- und Einheitsdenkmal errichtet werden soll, kurz vor dem Abschluss.

Grütters sagte am Donnerstag dem rbb, am 22. August werde der Notartermin mit der Bundesliegenschaftsverwaltung stattfinden und das Grundstücksgeschäft besiegelt.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte bei seiner letzten Sitzung Ende Juni das Geld für das Denkmal nicht freigegeben, weil der Kaufvertrag für das Grundstück noch fehle. Laut Grütters gibt es dann keine formellen Hindernisse mehr, dieses Thema auf die Tagesordnung zu nehmen. Laut Grütters erhalte Berlin für das Grundstück 322.000 Euro.

Ein Denkmal auch für das Aufbegehren der DDR-Bürger?

Der Denkmalverein Deutsche Gesellschaft plädiert nach wie vor für den ursprünglichen Platz zwischen dem neu entstehenden Stadtschloss und dem Spreekanal. "Mit der Revolution in der DDR kam auch ein Teil der Revolutionen in Mittelosteuropa. Damit ist die weltweite Spaltung aufgehoben worden. Daher ist der europäische Aspekt gegeben", sagte Andreas Apelt vom Vorstand. "Das ist erstens ein authentischer Ort. Zweitens liegt er im Ostteil der Stadt, um den Bürgerinnen und Bürgern, die damals mutig der Diktatur die Stirn gezeigt haben, auch ein Denkmal zu setzen." Apelt kann sich nicht vorstellen, dass der Bundestag seine Entscheidung revidieren wird.

"Wir haben nichts gegen das Denkmal"

Die Errichtung des Einheitsdenkmals hatte sich in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert. Über die Freigabe der veranschlagten 17,1 Millionen Euro an Kosten wird der Bundestag voraussichtlich erst nach der Sommerpause entscheiden. Eine Fertigstellung des Denkmals zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im kommenden Jahr ist damit unrealistisch.

Diese Verzögerung nutzt nun der Verein "Berlins Historische Mitte" und fordert einen alternativen Standort für das Denkmal: den Vorplatz des Reichstages. "Wir haben ja gar nichts gegen das Denkmal, das ist ja wunderschön konzipiert", sagt Annette Ahme vom Verein Berliner Historische Mitte. "Nur dort steht es zu eng, vollkommen verkehrt und auch inhaltlich vollkommen falsch." Zudem habe das Schloss einen kosmopolitischen Anspruch. "Da kann man nicht vor das Hauptportal ein deutsches Denkmal stellen, welches sich eben nur mit dem deutschen Volk beschäftigt."

Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Günther Nooke glaubt, dass mit der Debatte das Projekt verhindert oder verzögert werden soll. Rechtlich sei es nicht möglich, "einen Siegerentwurf, der aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist und wo natürlich auch die Künstler und die Agentur ein Recht daran haben, gegen ihren Willen in ein völlig anderes Umfeld zu stellen", sagte Nooke am Donnerstag in der rbb-Abendschau.

Täglicher Dauer-Protest bis Oktober

Ahme und ihr Verein organisieren eine ganze Reihe von Demonstrationen. Seit Donnerstag soll bis in den Oktober hinein täglich protestiert werden, um der Wippe  einen würdigen Ort zu geben: Jeden Abend um sieben Uhr mit mindestens sieben Leuten auf der Reichstagswiese.

Am Denkmalentwurf selber störe sie sich nicht, sagt Ahme im Interview mit radioeins vom rbb. Nur der Standort sei eben falsch gewählt. "Es braucht Freiheit, es braucht grüne Wiese, es braucht Himmel. Man braucht eine gewisse Entfernung, um es anzuschauen."

Annette Ahme glaubt dennoch, Chancen zu haben, den Standort der Einheitswippe noch auf die Wiese vor dem Reichstagsgebäude verlegen zu können. Deshalb protestiert sie dort bis zum 3. Oktober täglich. Zwei Jahre später dann soll das Freiheits- und Einheitsdenkmal fertig sein.  

Sendung:  Inforadio, 19.07.2018, 07:00 Uhr

Das lange Ringen um das Einheitsdenkmal

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Kommentar

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24 Kommentare

  1. 24.

    ich kann herrn lederer nicht verstehen, wozu muss man es überdenken. inzwischen haben so viele organisationen und opfer bzw. geschädigte ein denkmal bekommen, nur das eigene volk schafft es nicht nach so langer zeit ein einheitsdenkmal u bauen. man kann ein thema auch kaputt reden herr lederer. ich denke alle die an der wiedervereinignung mitgewirkt haben, haben es verdient gewürdigt zu werden. hoffentlich hat das gerede bald ein ende und wir bekommen unser einheitsdenkmal.

  2. 23.

    Mit Verlaub, Tom: Dem Brandenburger Tor ist weder Teilung noch Vereinigung anzusehen. Wer als Fremder ahnungslos davorsteht, sieht davon nichts, rein garnichts.

  3. 22.

    Ich fand das Interview mit Klaus Lederer sehr inspirierend. Was im Artikel allerdings untergeht, ist seine, Lederers, Argumentation, dass das Einheitsdenkmal als Demokratiesymbol Schwachstellen hat. Und diese "Schwachstelle" liegt genau in dem Denkmuster, dass Demokratie sich ausschließlich auf den Mehrheitswillen konzentriere.

    In dem Maße aber, wie Demokratie ausschließlich als Mehrheitswillen verstanden wird, gehen die Belange von Minderheiten verloren.

    Will sagen und so habe ich auch Lederer verstanden: Der Mehrheitswille muss gepaart sein mit der Achtung von Minderheiten. Erst dann wird ein Schuh draus. So tendiert das Ganze zum reinen Faustrecht der Mehrheit und der Notbehelf, den die Mehrheit ja immer ist, weil wir mit Argumenten nicht mehr weiterkommen, dieser Notbehelf wird dann zum Selbstzweck.

  4. 21.

    Eigentlich haben wir ja schon ein Einheits-Denkmal: den Spreebogenpark. Die beiden Hügelhälften Ost und West, durch den 'Mauer-Graben' getrennt, senken sich, die Verbesserung der Beziehungen u. Besuchsmöglichkeiten andeutend, nach Süden hin zum Regierungsband (Reichstag, Kanzleramt) hin ab zur 'Einheitswiese'. Und da genau gehört sie hin, die Einheitswippe, quer vor den 'Mauer-Graben' in Ost-West-Ausrichtung und nah am Ort der Teilung in Sichtweite des damals verbindenden Stadtbahn-Abschnitts und passend zu der umgebenden modernen Architektur !
    Die Reichstagswiese mit freiem Blick von der Straße über die Wiese zum Reichstag möchte ich dadurch nicht verschandelt sehen. Um diesen zu erhalten wird schließlich auch ein Tunnel vom Neubau des Besucherzentrums des Bundestags zum Reichstagsgebäude gebaut ...

  5. 20.

    Bisher bekam ich diese Diskussion und auch den Wunsch nach einem solchen Denkmal gar nicht mit. Es besteht doch angesichts des offenen Brandenburger Tors gar kein Bedarf nach einem weiteren Einheitsdenkmal. Mal abgesehen davon halte ich eine Wippe, die von Links nach Rechts schaukelt für problematisch. Sind wir denn ein Volk von dummen Kindern, die die selben Fehler/Bewegungen immer wieder machen?

  6. 19.

    Man muss sich fragen, welchen Bezug das Einheitsdenkmal zum Berliner Schloss hat. nämlich keinen. Ganz anders verhält es sich mit dem Areal des Bundestages im Reichstag. Hier erhielt die neue deutsche Demokratie ihren sichtbarsten Ausdruck in der frei zugänglichen Reichstagskuppel. Diese würde wunderbar mit der Einheitswippe korrespondieren. Frau Gruetters sollte ihre Entscheidung überdenken. Eine gewisse zeitliche Verzögerung wäre doch kein wirkliches Problem!

  7. 18.

    "in Garten" weht bei mir gar nichts....
    Aber stellen Sie sich bei Sturm mal ' ne halbe Stunde in Ihren Garten, vielleicht hilft das gegen die schwer zu heilende Krankheit namens "Beurteilungsarroganz", nämlich die politische Haltung eines Menschen anhand eines einzigen Kommentars zu beurteilen,
    "woll".....
    Und danach können Sie ja zur Belohnung Ihre "Gesinnungsfahne" hissen, damit jeder schon von weitem sieht, was für ein politisch korrekter Mensch Sie sind... :-)

  8. 17.

    Ich habe es schon so oft geschrieben und wiederhole es gern immer wieder:
    Wir haben in Berlin das Brandenburger Tor, was weltbekannt ist. Dies sollte sowohl als Symbol der Wiedervereinigung als auch zur Deutschen Einheit dienen. Punkt!
    Alles andere ist heutzutage nur Geldverschwendung (s. vorherige Kommentare)

  9. 13.

    Ein Einheitsdenkmal, bei dem man/frau/* sich nicht einig ist, besser hätte sich das kein Kabarettist ausdenken können....
    Ich empfehle ein überdimensioniertes grendergerechtes Ampelneutrum in der Rechtsabbiegepfeilausführung, denn das ist so mit das einzige, was der im März 1990 durch freie Wahlen legitimierte demokratische deutsche Teilstaat in die als "Einheit" euphemistisch bezeichnete Angliederung (Artikel 23 lässt grüßen!) als Geschenk miteinbringen durfte!
    Abgesehen von einigen "Blockflöten" und 16 Millionen Konsumenten natürlich.... ;-)

  10. 12.

    Ich bin ganz ihrer Meinung: das Geld für das Denkmal gehört in Schulen und Kitas investiert!

  11. 11.

    Mir wäre eine schöne Freifläche mit GRÜN (nicht politisch!!) viel lieber, als noch mehr Versiegelung. Ein Einheitspark, ähnlich wie der Central Park, nur halt kleiner - warum nicht sowas - wäre doch besser für alle als dieser Beton- und Stahlkrempel

  12. 10.

    Ich frage mich was hier 17 Millionen kosten soll.
    Dieses Geld wäre sicher besser in Schulen und Kitas angelegt.

  13. 9.

    Es gibt doch sicherlich wichtigere Themen, als diese Einheitswippe, die zudem viel Geld kostet. Als ich heute an diesen Demonstranten vorbei lief, dachte ich, ich sehe nicht richtig. Da hat Berlin ein dringendes, soziales Problem, nämlich die steigenden Mieten und es stehen Menschen auf der Reichstagswiese und halten Banner in die Höhe, die einen Standort dieser Wippe auf der Reichstagswiese fordern. Da fragt man sich, wer sind diese Menschen. Gerne würde ich mit diesen Personen diskutieren, warum sie ihre kostbare Zeit für dieses Projekt verschwenden.

  14. 8.

    Hat eigentlich irgendjemand die Bevölkerung gefragt, ob sie dieses Denkmal will? Ich kenne niemanden, der soviel Steuergelder für diesen Blödsinn ausgeben will. Mir wären moderne Gebäude, mehr Lehrer, verbesserter ÖPNV usw. deutlich lieber, als schon wieder ein Denkmal, das keiner braucht.

  15. 7.

    Ich bin für zig Tausende Schaukeln,die sollten in kleinerer Form vor jeder Tafel oder Suppenküche in ganz Deutschland stehen.

  16. 6.

    Also mal ganz ehrlich, ich bin ein "Wessi", der seit fast 3 Jahren im "Osten" lebt, die ganzen Klischees im "Westen" über die "Ossis" kennengelernt und auch die Klischees über "Wessis" hier im Osten am eigenen Leib erlebt hat. Die Begriffe in den Anführungszeichen sollten eigentlich schon lange lange nicht mehr existieren, denn wir alle sind Deutsche.
    Vielleicht wäre es erst mal sinnvoller, bevor sich irgendwelche Politiker Denkmäler setzen, diese Klischee zu beseitigen.
    Und, gaaaanz wichtig: Den Menschen in den "neuen" Bundesländern endlich die blühenden Landschaften geben, die ihnen versprochen wurden!
    Ist das dann geschafft, bin ich auch gerne persönlich bereit, an einem Denkmal für diese Leistung mitzuwirken. Und bestimmt ganz viele andere auch, Ossis wie Wessis, zusammen.

  17. 5.

    Man bedenke den Preis für das Gelände. In bester Lage keine Million Euro für diesen Edelschrott.
    Ich frage mich, warum dann die Preise für Wohnungen und Grundstück auf dem sogenannten freien Markt dann so exorbitant sind.
    Frechheit.....

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