Archivbild: Jury-Mitglieder und Zuschauer während der Lesung des österreichischen Autors Björn Treber (l.) anlässlich des 1. Tags des Wettlesens um den Ingeborg Bachmann-Preis (Quelle: dpa/Eggenberger)
Audio: Kulturradio | 04.07.2018 | Christine Haberlander | Bild: dpa/Eggenberger

Ingeborg-Bachmann-Preis - Fünf Berliner lesen in Klagenfurt

Dass Berlin ein Anziehungspunkt für Literaten ist, zeigt auch das Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt in den kommenden Tagen: Fünf der 14 eingeladenen Autorinnen und Autoren leben in Berlin.

14 Autorinnen und Autoren konkurrieren ab Donnerstag im österreichischen Klagenfurt um den renommierten Ingeborg-Bachmannpreis. Fünf der 14 Schriftsteller, die bei den 42. Tagen der deutschsprachigen Literatur im Wettbewerb um die Auszeichnung ihre Texte vorlesen, leben in Berlin: Bov Bjerg, Stephan Groetzner, Ally Klein, Stephan Lohse und Jakob Nolte.

Bov Bjerg wurde 1965 in Württemberg geboren. Er gründete in Berlin mehrere Lesebühnen, darunter "Dr. Seltsams Frühschippen" und die "Reformbühne Heim & Welt". Neben literarischen und journalistischen Texte für Zeitungen und Magazine hat er auch einen band mit Erzählungen und zwei Romane veröffentlicht. Der bekannteste ist "Auerhaus" (2015), der eine Coming-of-Age-Geschichte erzählt und auch für das Theater adaptiert worden ist.

Stephan Groetzner kam 1965 in Hamburg zur Welt. Er war unter anderem Erntehelfer, Kirchenmusiker und Wachtmeister. Von 1993 bis 1996 war er Mitglied der Autorenwerkstatt der Universität Köln. Er ist Alfred-Döblin-Stipendiat 2018. Zu seinen Veröffentlichungen gehören "Die Kuh in meinem Kopf" (2012) und "Tote Russen" (2015).

Die Schriftstellerin Ally Klein. (Quelle: droschl.com/Pezhman Zahed)
Ally Klein lebt in Berlin. | Bild: droschl.com/Pezhman Zahed

Ally Klein ist Jahrgang 1984. Ihr Debütroman "Carter" erscheint am 10. August. Klein erzählt darin die Geschichte von Carter, die alle Menschen um sich herum in ihren Bann zieht. Auch das namenlose Ich der Erzählung buhlt um sie. Ein Roman, der sich dem Verlag zufolge durch bildmächtige Sprache auszeichnet, die körperlich erfahrbar werde und mit der Klein eine regelrechte Sogwirkung erzeuge.

Stephan Lohse kam 1964 in Hamburg zur Wet. Er studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und hat unter anderem am Hamburger Thalia-Theater sowie in Berlin am Maxim-Gorki-Theater und an der Schaubühne gespielt. Sein Debütroman "Ein fauler Gott" erschien 2017.

Jakob Nolte wurde 1988 in Gehrden geboren und hat zunächst vor allem als Theaterautor von sich reden machen. Zusammen mit Michel Decar schrieb er einige Theaterstücke, die unter dem Autorennamen Nolte Decar veröffentlicht wurden. Nolte ist zudem Autor zweier Romane: "ALFF" (2015) und "Schreckliche Gewalten" (2017).

Ebenfalls im Rennen um den Bachmann-Preis sind Martina Clavadetscher, Özlem Özgül Dündar, Raphaela Edelbauer, Joshua Groß, Lennardt Loß, Tanja Maljartschuk, Anselm Neft, Corinna T. Sievers und Anna Stern.

Preisvergabe am Sonntag

Die Tage der deutschsprachigen Literatur wurden am Mittwoch mit der traditionellen "Rede zur Literatur" eröffnet. In diesem Jahr hielt sie der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, der 2003 in Klagenfurt selbst den Preis der Jury gewann.

Von Donnerstag bis Samstag stellen dann die 14 eingeladenen Autoren eigens für den Wettbewerb geschriebene Texte vor. Im Anschluss diskutiert jeweils die siebenköpfige Jury unter Vorsitz des Literaturkritikers Hubert Winkels.

Die Preisvergabe findet am Sonntag statt. Neben dem mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis sind der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro), der Kelag-Preis (10.000 Euro), der 3sat-Preis (7.500 Euro) und der BKS-Bank-Publikumspreis (7.000 Euro) ausgelobt. 2017 hatte der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz den renommierten Preis gewonnen, der in Erinnerung an die Lyrikerin Ingeborg Bachmann vergeben wird.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels schrieben wir, dass nur fünf Berliner Autorinnen und Autoren in Klagenfurt vertreten seien. Das ist falsch - wir hatten Stephan Groetzner falsch zugeordnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: Kulturradio, 05.07.2018, 15:00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

2 Kommentare

  1. 2.

    Vielen Dank für den Hinweis! Sie haben vollkommen Recht. Wir haben Herrn Groetzner ergänzt und einen entsprechenden Hinweis unter den Artikel gesetzt.

  2. 1.

    Liebe Redaktion,
    ein weiterer Berliner Autor sollte nicht unterschlagen werden: Stephan Groetzner ist ebenfalls Berliner, zumindest seit über 20 Jahren! Und mein Favorit ohnehin. Literarische Perlen, die ihresgleichen suchen: Blitzgescheit, grotesk und zart zugleich. Und ohne die sonst vorherrschende Geschwätzigkeit und Nabelschau. Ihm wäre der Preis seeeehr zu wünschen!

Das könnte Sie auch interessieren

Am 22.09.2018 spielte die Hamburger Band Blumfeld, um Sänger Jochen Distelmeyer, im Berliner Festsaal Kreuzberg (Quelle: imago/Carsten Thesing)
imago/Carsten Thesing

Konzertkritik | Blumfeld im Festsaal Kreuzberg - Gelangweilte Nostalgie

Eigentlich hat sich die Hamburger Band Blumfeld schon 2007 getrennt. Ihr Sänger Jochen Distelmeyer will es aber nochmal wissen und geht auf "Love Riots Revue". Für musikalische Entwicklungsverweigerer eine gute Idee - für alle anderen belanglos. Von David Krause

Hans-Otto-Theater in Potsdam (Quelle: imageBROKER/Thomas Robbin)
imageBROKER/Thomas Robbin

Theaterkritik | Auftaktpremieren in Potsdam - Es fährt ein ICE nach Nirgendwo

Das Potsdamer Hans-Otto-Theater ist in die erste Spielzeit unter Bettina Jahnke gestartet. Sie selbst scheiterte am Samstag zwar an Eugen Ruges erfolgreicher DDR-Familiengeschichte "In Zeiten des abnehmenden Lichts" - dafür hatte es die zweite Premiere des Abends in sich. Von Fabian Wallmeier