Arthur Borghard: Bauerngehöft am Kornfeld
Bild: Arthur Borghard

Zehn Jahre Museum der Havelländischen Malerkolonie - Gute Rüben statt schlechte Madonnen

Das Museum der Havelländischen Malerkolonie in Schwielowsee feiert sein zehnjähriges Bestehen. Am Ende des 19. Jahrhunderts zog es viele Künstler in die Region, an sie wird regelmässig in Ausstellungen erinnert. Von Sigrid Hoff

Das Wasser schimmert in unterschiedlichen Blautönen, die Wolken spiegeln sich in der Oberfläche, ein Segelboot liegt am Ufer. Auf einer zum See abfallenden Düne sind Menschen als bunte Tupfer angedeutet, Erholungssuchende, die den Sommertag am See genießen.

1927 malte Hans-Ott Gehrcke diese stimmungsvolle Ansicht vom Schwielowsee in kräftigen Ölfarben. 30 Jahre zuvor hatte bereits Karl Hagemeister den Blick von Ferch über den See auf die Kirche von Geltow mit Pastellkreiden festgehalten. Diese Bilder gehören zu der Sammlung von insgesamt rund 100 Kunstwerken, die das Museum Havelländische Malerkolonie in Ferch in zehn Jahren aufbauen konnte. Es wurde am 25. Juli 2008 in einem reetgedeckten Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert eröffnet. Das Ziel: Die Erforschung und Präsentation von Künstlern, die aus dem Havelland stammen oder sich ab 1900 hier niederließen, um sich unter den Einfluss der französischen Impressionisten der Freiluftmalerei zu widmen. "Bis jetzt, dank gemeinsamer Bemühungen, haben wir mehr als 160 Malerinnen und Maler, Illustratoren und Bildhauer entdeckt, die wir in Ausstellungen und Publikationen hier präsentieren", betont Jelina Jamaikina, die wissenschaftliche Leiterin des Museums.

Museum in altem Kossätenhaus

Bereits das liebevoll restaurierte Domizil des Museums ist ein Blickfang in Ferch: Mit blaugestrichenen Balken, Fenstern und Türen liegt es malerisch an einer Straßenbiegung gegenüber vom Schwielowsee. Innen wurde das einstige Kossätenhaus zu einem Kunstmuseum umgebaut. Mit einem hohen, bis ins Dach reichenden Ausstellungssaal, einem intimeren Raum daneben sowie einer eingezogenen offenen Galerie im Obergeschoss bietet es unterschiedliche Räume für die Präsentation von Kunst.

Die Mark als Inspiration

Als Gründungsvater der Havelländischen Malerkolonie gilt Karl Hagemeister (1848-1933). Er wurde im nahegelegenen Werder geboren und schuf seit den 1880er Jahren zahlreiche Landschaftsbilder und Naturstudien in der märkischen Umgebung. Teichlandschaften, Seerosen, Birken und immer wieder der Schwielowsee gehörten zu seinen bevorzugten Motiven.

Ab 1900 zog es zunehmend jüngere Künstler ins Havelland und nach Ferch. Einige, wie der Maler Hand-Otto Gehrke (1896-1988), errichteten sich hier ihre Künstler- und Atelierhäuser, die heute noch stehen und mit Stelen am Ort gekennzeichnet sind. Andere kamen immer wieder von Berlin herüber, um mit der Staffelei in die seen- und waldreiche Natur zu ziehen. Zu ihnen gehört die Malerin Julie Wolfthorn, die vor 1933 zu den erfolgreichsten Künstlerinnen Deutschlands gehörte und 1944 in Theresienstadt ermordet wurde. Sie besuchte häufig ihre in Ferch lebende Cousine und deren Familie und fand zahlreiche ihrer Motive in der Umgebung. In den 10 Jahren seit der Gründung des Museums der Havelländischen Malerkolonie haben zahlreiche Ausstellungen dazu beigetragen, vergessene Künstler wiederzuentdecken, darunter auch Julie Wolfthorn.

Fördermittel, Schenkungen, Dauerleihgaben

Mit seinen drei Ausstellungen pro Jahr zieht das Haus mittlerweile Besucher aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland an. Die Bilder stammen überwiegend von privaten Leihgebern – in den zehn Jahren des Bestehens hat sich das Museum einen Namen unter Sammlern gemacht. Viele kommen selbst aktiv auf den Förderverein zu und freuen sich, wenn ihre Bilder hier ausgestellt werden. Der ausschließlich ehrenamtlich arbeitende Förderverein finanziert sich durch Spenden und Zuwendungen vom Kreis und vom Land. Mittlerweile konnte er auch einen beachtlichen eigenen Bestand aufbauen.

"Wir haben 2008, zur Eröffnung, ein einziges Bild in der Sammlung gehabt", erinnert sich die Vorsitzende Carola Pauly. "Das war von Alfred Borghard 'Das Bauerngehöft'." Nach und nach ist durch Spenden, öffentliche Fördermittel, Schenkungen und Dauerleihgaben die Sammlung auf mehr als hundert Werke gewachsen. Sie werden ab dem 21. Juli 2018 in der Jubiläumsausstellung "Kunst kommt ins Museum" gezeigt.

Besonders stolz ist Jelena Jamaikina, die wissenschaftliche Leiterin, auf das Werk eines erst jüngst entdeckten Mitglieds der Malerkolonie, Paul Lehmann-Brauns (1885-1970). Das großformatige Gemälde zeigt einen Busch im Rübenfeld und hängt neben dem mit viereinhalb Meter Höhe ebenfalls großen Bild Karl Hagemeisters "Mädchen in Rübenfeld". Die Kuratorin schmunzelt: "Das ist frei nach Max Lieberman, der gesagt hat: Eine gut gemalte Rübe ist besser als eine schlecht gemalte Madonna. Dadurch zeigen wir auch die Rüben in dieser Ausstellung."

Beitrag von Sigrid Hoff

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