Der Anhalter Bahnhof in Berlin (Quelle: Imago/Schoening)
Bild: Imago/Schoening

Standort für Museumsneubau offenbar gefunden - Neues Exil-Museum soll am Anhalter Bahnhof entstehen

Für das geplante Exilmuseum in Berlin könnte sich ein Standort gefunden haben. Die Initiatoren, eine Stiftung um den ehemaligen Kulturstaatssekretär André Schmitz und Kunsthändler Bernd Schultz, befürworten nun einen Neubau am Anhalter Bahnhof. Das berichten "Berliner Morgenpost" und "Tagesspiegel".

Ursprünglich sollte das Museum in eine Stadtvilla in Berlin-Charlottenburg einziehen, dem heutigen Sitz des Käthe-Kollwitz-Museums. Das Kollwitz-Museum hätte dann ausziehen müssen. An diesen Plänen gab es Kritik, zumal schnell klar wurde, dass die Villa für die Ausstellung zu klein gewesen wäre.

"Exil" soll greifbar gemacht werden

Von Anhalter Bahnhof aus seien in der Zeit des Nationalsozialismus Zehntausende ins Exil gegangen und ins Ungewisse aufgebrochen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Kunsthändler Bernd Schulz den Zeitungen.   

Zudem wäre die Nähe zu anderen Museen mit ähnlichen Themen ein Vorteil, so Schulz. Dazu gehörten das Dokumentationszentrum der Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung", die Topographie des Terrors, die davon erzähle, wovor die Emigranten flüchten mussten, und der Martin-Gropius-Bau.

Bezirk unterstützt Museumsneubau

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg steht den Plänen anscheinend offen gegenüber. Die Bauabteilung plane derzeit eine Änderung des Bebauungsplans, sagte deren Leiter Florian Schmidt der "Morgenpost".

Die Idee eines Exilmuseums geht auf die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller zurück. Eine Eröffnung wird für das Jahr 2023 angestrebt.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Von blinder Zerstörungswut kann ja heute keine Rede sein. Die Kopfbahnhöfe waren alle vom Krieg zerstört. Die Deutsche Reichsbahn ist diese Bahnhöfe nicht mehr angefahren, ab den 50ziger Jahren. Sie waren Ruinen und Braachen. Für Reisende auch äußerst unpraktisch! Stellen Sie sich vor , der Zug aus dem Süden wäre am Anhalter Bhf. angekommen und Sie hätten vom Nordbahnhof weiterfahren müssen.

  2. 1.

    Berlin war mal eine in Europa einzigartige Eisenbahn-Metropole mit grandiosen, architektonischen Bahngebäuden. In "blinder Zerstörungswut" ist fast jedes Relikt dieser prägenden Zeit nach dem Krieg und bis heute aus dem Bewußtsein getilgt worden.
    Hierfür ist der Portikus des Anhalter ein stummer Zeige, der sowohl ein wenig der filigranen, beeindruckenden Bausubstanz dokumentiert, gleichzeitig aber auch ein Mahnmal für dessen Zerstörung ist. Diesen letzten Rest von Anhalter (u.stellvertretend Lehrter, Görlitzer, Stettiner Bhf) nun in einen angrenzenden Neubau zu "verwursteln", halte ich für eine weitere, unverantwortbare Entscheidung, Berliner Geschichte einerseits auszuradieren, andererseits disneyartig und milliadenschwer zu rekonstruieren. Sehr schlüssiges Konzept.
    Nix gegen das geplante Museum, aber an dieser Stelle braucht die Berliner Eisenbahngeschichte ihr Exil!

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