Britney Spears am 04.08.2018 in Brighton, Englang. (Quelle: dpa/Capital Pictures)
Audio: Inforadio | 07.08.2018 | Magdalena Bienert | Bild: dpa/Capital Pictures

Konzertkritik | Britney Spears in Berlin - Irgendwie unperfekt, trotzdem gute Unterhaltung

Britney Spears' Fans sind von weit angereist, um die Sängerin mit ihrer Las-Vegas-Show "Piece of me" in der Berliner Mercedes-Benz-Arena live zu erleben - auch wenn ihre Stimme vom Band kam. Magdalena Bienert war in der ausverkauften Halle dabei.

Meine Erwartungshaltung ist nicht besonders groß. Es mischt sich eher ein bisschen Angst darunter: Wird Britney abliefern können? Erst Samstag hatte sie beim englischen Brighton-Pride-Festival vergessen, in welcher Stadt sie gerade auf der Bühne stand. Dann weist auch noch die Presse-Akkreditierungs-Email darauf hin: "Ob Britney Spears tatsächlich um 21 Uhr auf die Bühne geht, steht heute noch nicht fest." 

Wirklich, es bleibt spannend. Lange. Der Support-Act Rapper Pitbull ist schon lange wieder weg und die Fans werden ungeduldig. Die Dame am Eingang sagt, um 23 Uhr müsse eh Schluss sein. Um halb zehn ist Britney Spears aber immer noch nicht in Sicht. Wenn sie 90 Minuten performen will, sollte sie langsam mal auftauchen. Doch der 36-Jährigen ist das herzlich egal. Die Fans werden hörbar ungeduldig - und um 21:46 Uhr ist es endlich soweit.

Britney Spears zupfelt an ihrem Zopf

Mit "Work Bitch" aus ihrem vorletzten und achten Studioalbum startet die "Piece of Me"-Show ziemlich furios. 14 Tänzer und Tänzerinnen in Strapsen und Hosenträgern entern die Bühne, Britney folgt in schwarzen Overknee-Stiefeln, schwarzer Glitzer-Unterwäsche und mit wehendem, blondem Haar. Soweit, so bombastisch. Nach dem Song macht sich die Sängerin einen Pferdeschwanz, ganz unkonventionell auf der Bühne.

Dieser Zopf scheint ihr den ganzen Abend mehr Sicherheit zu geben als ihre rund 13.200 Fans – darunter auch Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Immer wieder, egal in welcher Tanzbewegung, muss sich Britney den Zopf richten. Wahrscheinlich merkt sie diesen Tick schon gar nicht mehr. Es ist auch nicht weiter schlimm, nur irritierend bei Shows dieser Größenordnung, in der ihre Kolleginnen auf den perfekten Eindruck getrimmt sind.

Ihre Stimme kommt vom Band

Britney Spears steht keine Sekunde still, sie scheint fit - und das war ja nicht immer so. Dass es ihr leicht fällt, strahlt sie allerdings nicht aus. Ihre Stimme kommt vom Band, aber nur wenige Fans ärgert das, sie sind aus Halle/Saale angereist und finden, Ed Sheeran und Helene Fischer hätten das besser gemacht, als Britney. Die anderen Fans aus halb Deutschland, aus Polen und Serbien flippen aus, wenn "Oops!...I did it again", "Toxic"  oder "Crazy" ertönen.

Eine vierköpfige Band wurde oberhalb der Bühne platziert, darunter wuselt die zahlreich ausgezeichnete Sängerin meist hektisch umher. Der einstige Teeniestar geht etwas unter zwischen ihren Tänzern, die wesentlich tougher und präsenter rüberkommen als ihre Chefin. Britney macht professionell mit, aber wirkt immer etwas neben der Spur – und dann immer wieder neue Glitzerunterwäsche, jetzt mal mit Bondage-Elementen, zig Riemchen, dazu Netzstrümpfe, zack, der Griff an den Zopf und der nächste Hit. Die Bühne wird zur Zirkusmanege oder zum grünen Dschungel.

"Auch wenn sie nicht live singt - sie ist live auf der Bühne"

Wenn rote Flammen über die Leinwand züngeln und lila Nebel aufsteigt, wissen die Fans, dass es Zeit für "I'm A Slave 4 U" ist. Wieso nur muss sich Spears dabei lustlos an einer Pole-Dance-Stange reiben? Den Fans ist das alles egal, sie feiern Britney für ihren Kampfgeist. Ein junger Mann, der sich wie Britney gestylt hat, sagt: "Auch wenn alle sagen, dass sie nicht live singt – sie war live auf der Bühne, hat sie mit Leben gefüllt und alle mitgerissen, jeder ist von seinem Stuhl aufgestanden, es war magisch!"

Britney ist eben Britney und genau dafür lieben sie die Fans. Doch objektiv betrachtet schrammt sie mit ihrer Show, die sie so ähnlich über vier Jahre lang in Las Vegas gezeigt hat, oft am Kitsch vorbei - und richtig modern oder cool sind weder die Choreographien noch die Outfits. Und wenn einem Fan noch auf der Bühne ein Geschirr umgelegt wird und er an der Leine über den T-förmigen Steg kriechen muss, passt das vielleicht zum Song "Freakshow" – aber irgendwie auch zum gesamten Abend. Brit ackert und gibt Alles. Die Halle kocht. Britney zupft wieder an ihrem Zopf und vergisst die Lippen synchron zu bewegen. Derart unperfekt zu rühren und gleichzeitig gut zu unterhalten – wer kann das schon? Nur Britney.

Sendung: Inforadio, 07.08.2018, 07:55 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    JaJa..Roboterbritney. Waren sie in Las Vegas bei ihrer Show die X-mal ausgezeichnet wurde? Und waren sie überhaupt mal auf ein Konzert. Ich glaube eher nicht....sie interessieren sich bestimmt null für sie. Was in Ordnung ist, aber dann ne Beurteilung über ihre Leistung abgeben wollen....ja ne, das ist lächerlich. Zahlreiche Stars haben ihre Shows besucht...darunter übrigens auch Jennifer Lopez, Celine Dion, Beyonce, Swift und co. 1 Million verkaufte Tickets der Show. Noch Fragen?

  2. 3.

    Britney ist es herzlich egal das die Fans warten müssen? Keine Ahnung. Sich erstmal informieren,Backstage bei den Meet&Greets lief nämlich was schief.Und Britney war alles andere als begeistert.Britney vergisst in welcher Stadt sie ist...ja oh mein Gott. Für die deutschen Pefektionisten ist das natürlich schlimm. Ed Sheeran hat übrigens Britney auf seinem Konzert gecovert.Helene Fischer hat schon Auftritte einschließlich Kostüm von Britney abgekupfert....eigens festgestellt von Fischer Fans. So und Playback hat sie weder abgestritten noch verheimlicht,trotzdem wirds immer breitgetreten.Nur USA und Europa hat sie trotzdem auverkauft.Hinzu kommt das man in der kleinen Arena nicht im Ansatz den Eindruck von Las Vegas bekam.Und wie sie auf 13.200 Fans kommen weiß ich auch nicht.14.000 Tickets wurden verakuft,mind. 13.900 waren da. Sie hat ihren Platz in der Musikwelt zementiert....merkt man daran das sie nach 20 Jahren immer noch ausverkauft und mit rellativ wenig Mitteln begeistern kann.

  3. 2.

    Also bitte sie ist immer noch in ihren 30ern und keine Rentnerin. Madonna wird diesen Monat 60, Janet Jackson ist 51 und J.Lopez 49, die Gemeinsamkeit? Alle sind auf der Bühne lebhafter, tanztechnisch besser und liefern überhaupt viel bessere Shows ab als Roboter-Britney.

  4. 1.

    Spears ist ja auch schon in die Jahre gekommen, was soll da jetzt noch perfekt sein?

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