Die undatierte Computergrafik zeigt den Entwurf der Gestalter Milla & Partner für das in Berlin geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal © Milla & Partner/dpa
Audio: Inforadio | 22.08.2018 | Interview mit Architekt Sebastian Letz | Bild: Milla & Partner/dpa

Berlin verkaufte Grundstück an den Bund - Dem Einheitsdenkmal steht kaum noch etwas im Wege

Das Grundstück für das Einheitsdenkmal in Berlin-Mitte gehört jetzt dem Bund: Der Kaufvertrag mit dem Land Berlin wurde am Mittwoch unterzeichnet. Damit ist die letzte formale Hürde genommen, um die Gelder für den Bau freizugeben.

Das Grundstücksgeschäft für das umstrittene Freiheits- und Einheitsdenkmal vor dem Berliner Stadtschloss ist am Mittwoch abgeschlossen worden. Dazu gab es einen Notartermin mit der Bundesliegenschaftsverwaltung. Das Grundstück gehörte bisher dem Land Berlin.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte bei seiner letzten Sitzung Ende Juni das Geld für das Denkmal vor dem Humboldt-Forum nicht freigegeben und dies damit begründet, dass der Kaufvertrag für das Grundstück noch fehle. Dieses Hindernis sei nach dem Termin am Mittwoch ausgeräumt, betonte Kultur-Staatsministerin Monika Grütters. Damit gehöre die Budgetzustimmung wieder auf die Tagesordnung des Parlamentsgremiums.

Architekt rechnet mit baldigem Baubeginn

Der Architekt des Denkmals, Sebastian Letz, erwartet, dass mit dem heutigen Kaufvertrag die bislang blockierten Gelder vom Haushaltsausschuss des Bundestages freigegeben werden und ist zuversichtlich, dass bald mit dem Bau begonnen wird. Er gehe fest davon aus, dass das umstrittenen Freiheits- und Einheitsdenkmal nun komme, sagte Letz am Mittwoch im Inforadio.

"Es ist allerhöchste Zeit, dass jetzt endlich Taten folgen und wir den Menschen, die damals den Mut gehabt haben, auf die Straße zu gehen, dieses Denkmal errichten können", so Letz.

Architekt lehnt "Wippe" als Bezeichnung ab

Letz wandte sich gegen Forderungen, das Denkmal vor dem Bundestag zu errichten. Die friedliche Revolution sei eine ostdeutsche Leistung, weshalb ein Denkmal dafür auch im Osten errichtet werden müsse. Er verteidigte auch das Konzept des Denkmals gegen die anhaltende Kritik.

Der Entwurf, laut Konzept eine  großen "Freiheitswaage", die von den Besuchern betreten und in Bewegung gesetzt werden soll, wurde von Kritikern als zu verspielt bezeichnet. Vielfach wird auch von der "Einheitswippe" gesprochen. Dies sei allerdings ein Begriff, den er als Schöpfer des Denkmals ablehne, erklärte Letz. "Das Denkmal beruht auf einem partizipativen Gedanken. Nur durch die Menschen selbst, durch ihre Interaktion, wird es lebendig und es kann eine Veränderung eintreten", sagte Letz. Das Wort "Wippe" aber banalisiere diese Idee.

Über die Freigabe der veranschlagten 17,1 Millionen Euro an Kosten könnte dann der Bundestag noch im Herbst entscheiden. Ein Fertigstellungstermin für das Denkmal zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im kommenden Jahr gilt allerdings als unrealistisch.

Sendung: Inforadio, 22.08.2018, 13:40 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Was für ein ...hmm..., interessantes Teil, ach du meine Güte... Hoffentlich sammeln sich wenigstens genug Münzen in der Schale. Sieht echt aus wie ein Bettelteller auf dem Kaufhausklo. Vielleicht können wenigstens die Skater etwas mit diesem Ding anfangen.

  2. 7.

    Cool,

    noch mehr Bauaufträge!

  3. 6.

    Lasst doch bitte das Volk darüber entscheiden ob Berlin das Denkmal benötigt oder ob wir das Geld sehr viel dringender woanders brauchen. Berlin verkauft sich immer mehr...

  4. 5.

    Das ist kriminell, was sich die Politiker da erlauben.

  5. 4.

    Noch ein Denkmal was nach der Einweihung langsam verrotten kann. Mir wäre es lieber wenn man sich erstmal um den Bestand in unserer Stadt kümmert, aber dafür ist kein Geld da!

  6. 3.

    Wofür braucht Berlin dieses Denkmal? Für alle Menschen dieser Welt steht das Brandenburger Tor als Einheitsdenkmal! Etwas Neues wird nicht als solches anerkannt werden und verschlingt nur Millionen, die woanders dringend gebraucht werden. Aber dies wieder mal ein Fall, wo unfähige Politiker, die in zehn Jahren keiner mehr kennt, sich ein Denkmal setzen und glauben, sie werden damit unvergesslich.

  7. 2.

    Man hat manchmal den Eindruck, der Zustand der Straßen und Schulen ist das, was bei uns am wenigsten desolat ist.

  8. 1.

    17,1 Millionen - Berlin hat's ja! Deutschland hat fast 2 Billionen Euro Schulden, desolate Straßen und Schulen, in vielen Bereichen geht's den Bach runter - aber im Denkmäler bauen ist Deutschland gaaannnzzzz weit vorn.

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