Silberrücken Al Keitar (Kida Khodr Ramadan) mit seinen "Asphaltgorillas" (Quelle: 2018 Constantin Film Verleih GmbH)
Audio: radioBerlin 88,8 | 30.08.2018 | Interview mit Kida Khodr Ramadan | Bild: 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Interview | Kida Khodr Ramadan in "Asphaltgorillas" - "Wenn du Kreuzberg bist, dann kannst du alles"

Ab Donnerstag läuft die Gaunerkomödie "Asphaltgorillas" von Regisseur Detlef Buck in den Kinos an. Kida Khodr Ramadan, bekannt aus "4 Blocks", spielt eine der Hauptrollen. Im Interview erzählt der gebürtige Kreuzberger, warum er keine Schauspielschule brauchte.

rbb: Herr Ramadan, führen im echten Kreuzberg auch Gangster ihre Hunde im Lamborghini Gassi, wie in "Asphaltgorillas"?

Kida Khodr Ramadan: Es kommt bestimmt ab und an vor, dass jemand seinen Hund mit dem Lambo oder Ferrari durch die Gegend spazieren fährt.

Der Film wurde zu großen Teilen im Neuen Kreuzberger Zentrum am Kottbuser Tor gedreht. Hätten Sie als kleiner Junge jemals gedacht, dass Sie mal Schauspieler sein werden, als Sie dort herumgestromert sind?

Ich wollte erst spät Schauspieler werden, nachdem ich Mitte der Neunzigerjahre den Film "La Haine" – "Hass" von Mathieu Kassovitz gesehen habe. Danach habe ich mir gedacht: Alter, ich schaffe alles. Ich glaube, Selbstbewusstsein ist etwas Wichtiges für einen Schauspieler. Man muss an seine Träume glauben, um sie zu realisieren. Deswegen ist das Leben so schön.

Was Sie als Kind in Kreuzberg auf der Straße gelernt haben – nutzt Ihnen das etwas, wenn Sie einen Gangster im Kino spielen?

Die einen gehen auf die Ernst-Busch-Schauspielschule, die anderen auf die Otto Falckenberg. Ich habe meine Schauspielschule in Kreuzberg gehabt. Ich brauche kein Fechttraining, keine komischen Mundbewegungen oder Liegestützen vor dem Take – ich habe es anders, authentischer gelernt.

El Keitar (Kida Khodr Ramadan) ist extrem sauer in "Asphaltgorillas" (Quelle: 2018 Constantin Film Verleih GmbH)
Kida Khodr Ramadan alias El Keitar ist extrem sauer in "Asphaltgorillas" | Bild: 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Spielen Sie gerne Gangster?

Das hängt vom Drehbuch ab. Ich spiele den Gangster inzwischen in 1.000 Varianten. Ich habe 86 Filme gedreht und noch nie eine schlechte Kritik gekriegt. Und deswegen bedanke ich mich bei Gott, dass es doch nicht Glück ist, sondern ein Talent, das ich habe.

Nach dem Motto: Wenn du Kreuzberg kannst, dann kannst du alles?

Genau. Oder besser noch: Wenn du Kreuzberg bist, dann kannst du alles.

Aber Sie sind weggezogen?

Ja, ich bin ein Spießer geworden. Trage auch weiße Socken, wenn ich auf meinem Rasenmäher sitze. Aber im Leben wird man älter, gescheiter, man will leben. Ich muss nicht mehr in Kreuzberg sein, um dort auf Englisch einen Latte Macchiato zu bestellen.

Sie haben früher im Lokal Ihres Vaters gekellnert. Warum ist Kellern eine gute Schauspielschule?

Weil du entertainst. Als Kellner bist du indirekt der Regisseur, du kannst den Tisch führen, für Dein Trinkgeld kämpfen. Mein Vater hatte ein argentinisches Steakhaus. Als Kind hieß ich Julio, mein Bruder Pablo, damit alles authentisch bleibt. Mein Vater hatte Angst, dass es nicht gut rüberkommt, wenn es heißt: Der Libanese grillt argentinische Steaks.

Wann haben Sie für sich realisiert, ein Star zu sein?

Ach was, Star. Wenn du deinem Kind Respekt gibst und den Kühlschrank füllst, dann bist du ein Star. Ich brauche diesen verdammten roten Teppich nicht, diese Interviews, diese verdammten Radioshows – das steht alles nur im Vertrag. Ich fühle mich nicht als Star, sondern als Mensch, der diesen Beruf ausüben darf und sich davon ernähren kann. Darauf bin ich sehr stolz.

Die Kreuzberger Szene ist härter geworden in den letzten zehn bis 20 Jahren, finden Sie nicht auch?

Das Problem gibt es weltweit. Es gibt überall solche Strukturen. Der Staat hat vor Jahren einen Fehler gemacht, alle in ein Ghetto zu stecken, in den Rollbergkiez, die Karl-Marx-Straße, die Görlitzer Straße. Hätten sie uns lieber mal ein bisschen mehr in Zehlendorf oder Charlottenburg gestreut. Als Kind war ich in einer Klasse mit 18 Türken, ich habe mich nach deutschen Freunden gesehnt. Ich wollte die deutsche Kultur kennenlernen. Man hat sie mir verboten, weil sie mich nicht nahe rangelassen haben an diese Kultur. Dann habe ich sie selber irgendwann entdeckt, mir deutsche Freunde gesucht. Ich wusste gar nicht, was Weihnachten ist, bevor ich 15 war. Das ist ein schönes Fest.

Was gefällt Ihnen an "Asphaltgorillas"?

"Asphaltgorillas" ist ein Berliner Heimatfilm mit verschiedenen Nationen. Und das funktioniert und zeichnet Berlin aus. Der Film hat internationalen Flow, das ist ein "Buck"-Film wie "Knallhart", der Eier hat, Mut hat und interessant gemacht ist, einen schönen Look hat. Es ist eine Gangsterkomödie, die auch sehr traurig ist.

Sie sind ein großer Fußballfan, allerdings nicht von Hertha BSC, sondern vom FC Bayern. Wie oft müssen Sie sich dafür rechtfertigen?

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich nicht rechtfertige. Was ich spucke, lecke ich nicht auf, sagt man bei uns. Oder: Ich rede nicht aus dem Arsch, sondern aus dem Mund.

Herr Ramadan, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Mit Kida Khodr Ramadan sprach Alexander Schurig, radioBerlin 88,8. Das gekürzte Interview können Sie mit Klick auf den Header dieses Artikels nachhören.  

Sendung: radioBerlin 88,8, 30.08.2018, 8 Uhr

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