Museum der Illusionen (Quelle: Henrike Moeller/rbb)
Video: rbb aktuell | 17.08.2018 | Bild: Henrike Moeller/rbb

Neues Berliner Museum der Illusionen - Schöne Täuschung für die Generation Instagram

Optische Täuschungen und verdrehte Welten: In Berlin-Mitte eröffnet am Freitag das Museum der Illusionen. 80 Ausstellungsstücke stellen das Gehirn auf die Probe. Nicht jeder Besucher kann alles sehen, und manchmal liefert die Handykamera überraschende Einblicke. Von Henrike Möller

Kein "pssst", kein Handyverbot, sondern laut sein, Spaß haben und unbedingt Handy raus. Das neue Museum der Illusionen in Berlin-Mitte ist ein wissenschaftliches Mitmachmuseum für die Generation Instagram: Manche der 80 optischen Illusionen entfalten sich erst durch die Handykamera. Aus vielen kleinen Fotoschnipseln wird zum Beispiel erst durch die Fotolinse das Gesicht Albert Einsteins. Noch überraschender: Eine scheinbar willkürlich auf den Boden gestellte Ansammlung von vier Stehlen und einer Bodenplatte schräg dahinter entpuppt sich durch den Blick aufs Fotodisplay als Stuhl, auf dem eine geschrumpfte Person sitzt.

"Der menschliche Blick liebt Details. Die Kamera hingegen achtet auf das große Ganze. Sie ist wertneutral", erklärt Museumsdirektor Michael Posch. Hinzu käme, dass das Gehirn aus allem, was es aufnimmt, immer automatisch 3D machen wolle. "Deshalb hilft es, bei manchen Illusionen ein Auge zuzukneifen", rät Posch. Trotzdem könne nicht jeder jede Illusion sehen, warnt Posch vor: "Da darf man nicht enttäuscht sein. Das ist menschlich, weil jedes Gehirn anders funktioniert und jeder Mensch, was das betrifft, einzigartig ist."

Museum der Illusionen (Quelle: Henrike Moeller/rbb)
Bodenplatte oder Stuhl? Groß oder klein? Im Museum der Illusionen ist nicht immer alles eindeutig zu beantworten. | Bild: Henrike Moeller/rbb

Fotografieren und Vertaggen ausdrücklich erwünscht

Das Handy rauszuholen ist im Museum der Illusionen aber auch deshalb angeraten, weil die 400 Quadratmeter großen verwinkelten Räume ein Paradies sind für jeden, der auf der Fotoplattform Instagram aktiv ist. Ein Vertaggen der Fotos mit dem entsprechenden Hashtag #museumderillusionen ist ausdrücklich erwünscht. Damit die auch gut werden, wurden extra Fotopunkte am Boden markiert, die zeigen, von wo aus die Bilder am besten gelingen.

Besonders geeignet für Instagram: Ein Steg, der durch einen lila-blau wabernden Space-Tunnel führt und den Gleichgewichtsinn völlig durcheinander bringt. Oder: Ein Raum, der den Besucher unendlich spiegelt und zwar aus den verschiedensten Blickwinkeln. "Die perfekte Umkleidekabine", lacht eine Besucherin.

Museumsdirektor Posch erklärt: "Erst heute hat mir ein Physiker erzählt: Hier drinnen sieht man die Zeit, weil sich der Raum krümmt." Er deutet hinter sich: "Wenn man nach hinten schaut, krümmt sich das ganz leicht nach hinten. Und das ist genau das, was Einstein meinte." Anerkennendes Nicken der Besucher, beeindruckte Blicke.

Manche Illusion lässt sich auch durch Physik nicht erklären

Wer hinter die optischen Täuschungen steigen will, findet neben jedem der Exponate eine Erklärtafel. Die meisten basieren auf einfachster Physik: Perspektive, Höhenunterschiede, Längenunterschiede, Räumlichkeit und – ganz wichtig – Spiegel. Im Beispiel eben: Spiegel, die in einem perfekten Pentagramm angeordnet sind.

Es gibt aber auch Illusionen, die Wissenschaftler bis heute nicht erklären können. Michael Posch zeigt auf zwei Linien, die beide ein halbes Dreieck an ihren Enden haben. Einmal ist das halbe Dreieck nach innen geöffnet, einmal nach außen. Die Linien sind gleich lang, trotzdem wirkt es so, als sei die Linie mit dem nach innen geöffneten Dreieck kürzer. Warum diese optische Täuschung entsteht, ist bis heute unklar.

Neu dürfte diese optische Illusion den wenigsten Besuchern sein; vieles ist bereits bekannt aus dem Physikunterricht oder außerschulischen Lernorten wie dem Extavium in Potsdam. Das Museum der Illusionen hievt diesen Ansatz aber auf ein zeitgemäßes Level: Es ist ein wissenschaftliches Mitmachmuseum für die Generation Instagram.

Sendung: Abendschau, 17.08.2018, 19.30 Uhr

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