Ein neu entdecktes Mauerstück der Berliner Mauer in der Ida-von-Arnoim-Straße, Berlin-Mitte (Bild: Stiftung Berliner Mauer/Schlusche)
Video: rbb um sechs, 13.08.2018, 18:00 Uhr | Bild: Stiftung Berliner Mauer/Schlusche

In der Nähe des BND-Gebäudes - Spaziergänger finden unbekanntes Mauerstück in Berlin

Rund 57 Jahre nach dem Mauerbau und 29 Jahre nach ihrem Fall sind Bürger bei einem Kiezspaziergang in Berlin-Mitte auf ein bislang unentdecktes Mauer-Stück gestoßen. Es ist nicht der erste Sensationsfund in diesem Jahr.

Überraschend ist ein bislang unbekanntes Stück der Berliner Mauer entdeckt worden. Der Abschnitt sei bei einem Kiezspaziergang mit Bürgern im Juni nahe dem Areal des Bundesnachrichtendienstes an der Ida-von Arnim-Straße bemerkt worden, teilte der Bezirksstadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, am 57. Jahrestag des Mauerbaus mit. "Ich war total überrascht, dass es noch Unentdecktes gibt", sagte der SPD-Politiker am Montag der Deutschen Presse-Agentur. 

Die Stiftung Berliner Mauer habe die Echtheit bestätigt. Das rund 20 Meter lange Betonstück mit Lampenhaltern sei inzwischen in die Denkmalliste eingetragen worden und stehe damit unter Schutz, so Gothe. Sowohl das allgemeine Aussehen, die Maße und die Materialien des Mauerstücks mit Lampenhaltern würden dafür sprechen, dass es sich um einen Abschnitt der Vorfeldsicherungsmauer in der Nähe des Grenzübergangs Chausseestraße von etwa 1985 handelt, so das Bezirksamt.

Vergleichbare Mauerstücke stünden an der Bernauer Straße und an der Gartenstraße. Auch der Betonweg entlang der Mauer stimme mit dem Postenweg an der Bernauer Straße überein, der nach der Sprengung der Versöhnungskirche 1985 angelegt worden ist, hieß es weiter. 

Ein neu entdecktes Mauerstück der Berliner Mauer in der Ida-von-Arnoim-Straße, Berlin-Mitte (Bild: Stiftung Berliner Mauer/Schlusche)
| Bild: Stiftung Berliner Mauer/Schlusche

Hobby-Forscher findet Reste in Reinickendorf

Bereits Anfang des Jahres hatte ein Hobby-Forscher ein verlassenes Stück Berliner Mauer entdeckt. Das 80 Meter lange Betonstück steht in einem Wald in Berlin-Schönholz. Nach 1989 wurde offenbar vergessen, es abzureißen. Der Mauerstreifen stammt nach Recherchen seines Finders Christian Bormann noch aus der ersten Bauphase der DDR-Grenzanlagen, die nach dem 13. August 1961 in mehreren Etappen entstanden.

Das Stück Berliner Mauer sollte als Denkmal erhalten werden. Das Landesdenkmalamt leitete nach dem Fund ein entsprechendes Verfahren ein, um das Bauwerk nahe des Berliner S-Bahnhofs Schönholz zu bewahren, teilte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mit. Er sprach von einem "einzigartigen historischen Dokument der Teilung der Stadt".

Hobby-Forscher Christian Bormann hatte das rund 80 Meter lange mit Graffiti verzierte Mauerstück nach eigenen Angaben bereits 1999 entdeckt. Mitte Januar hatte er auf seinem Blog pankowerchronikdotde.wordpress.com darauf aufmerksam gemacht und Fotos von dem Bauwerk gezeigt.

155 Kilometer und 28 Jahre Teilung

In der zentralen Mauer-Gedenkstätte wurde am Montag an die Opfer des Mauerbaus erinnert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), derzeit auch Präsident des Bundesrates, die Vizepräsidentin des Bundestages, Petra Pau, sowie der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, legten Kränze nieder. 

Am 13. August 1961 hatte die SED-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Bau der Mauer begonnen. Das rund 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin mehr als 28 Jahre. Die Teilung endete erst mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989.

Sendung: Abendschau, 13.08.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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54 Kommentare

  1. 54.

    "Qualität gebaut" ... naja - nicht alles aus dem Osten war liebevolle Manufakturarbeit. Und ja, es gab mal Pläne - nur warum habt ihr sie zerrissen und geschreddert?

  2. 53.

    ... na wieder typisch für die Westberliner Behörden: finden jetzt trotz ner Menge sog. Sachkundiger in der Verwaltung n Stückchen Mauer und finden das auch noch toll. Richtig ist: wir Ossis haben damals einfach Qualität gebaut und keine Angst, unsere Leute wissen auch noch wo. Übrigens alles bestens dokumentiert. Wer also Pläne lesen kann ist klar im Vorteil ...

  3. 52.

    haha neu entdeckt, und das Graffiti ist da auch seid DDR Zeiten dran oder wie? :D

  4. 51.

    Man hat ein bisher unentdecktes Mauerstück gefunden!! Mitten in Berlin.
    Hat man auch geschaut, ob da eventuell noch ein Wachposten seit ca. 30 Jahren auf seine Schichtablösung wartet?

  5. 50.

    von wegen neu entdeckt. das ding hab ich bereits im april 2017 fotografiert. alles nur theater. und es steht noch ein schöner zaun richtung westen gar nicht soweit von der hsim entfernt. kann man sich ja auch mal ansehen.

  6. 49.

    Sie meinen die Mitte, der geografische Osten Berlins fängt irgendwo hinter Lichtenberg an.
    Das andere wäre die Weiterverlängerung der Teilung Berlins, nur unter neuen Vorzeichen.

    Mit der verdienten Auflösung Ost-Berlins (so bez. Berlin, Hauptstadt der DDR) ist auch West-Berlin verschwunden und damit auch die poltischen anstelle der rein geografischen Koordinaten.

  7. 48.

    Genau deshalb, deshalb liebe ich Berlin!

  8. 47.

    Soso...es wurde also in die Denkmalliste eingetragen und steht nun unter Schutz. Vermutlich genauso wie auch die Mauerstücke der Eastsidegallery unter Schutz standen aber dann den Living Levels-Wohnungen weichen mussten?

  9. 45.

    Man sollte auch noch einen Grenzer davor setzen. Aber so einen, den ich 1990 zwischen Schöneweide und Kreuzberg erlebt habe. Der saß da mit aufgeknöpftem Uniformkragen, Beine hoch und blätterte in einem Sex-Magazin. Das war total skuril. Als ich mich näherte, um meinen Ausweis zu zeigen, winkte er mich durch, ohne auch nur von seiner Zeitschrift aufzusehen. So ist Grenze geil, dachte ich damals und denke es heute noch.

  10. 44.

    Wer oder was oder wo, ist Berlin ?

  11. 43.

    Um etwas als Denkmal auszuweisen ist ein 'Denkmalwert' notwendig – hier: die Mauer war ein prägendes bauliches Element einer einschneidenden Epoche in der deutschen Geschichte. Sie ist als ein Zeitzeugnis, das für Nicht-Zeitzeugen veranschaulicht, wie sich die damalige Zeit so angefühlt hat. Dazu kommt noch der 'Seltenheitswert' - große Teile der Mauer sind schon weg, die wenigen erhaltenen Stücke sind besonders schützenswert, weil sie nicht auch noch abhandenkommen sollen.
    Der Denkmalwert ist Auslegungssache und die Auffassung, was aus welchen Gründen erhalten werden sollte, ändert sich mit der Zeit. Nach Mauerfall wurde - offensichtlich :D - mehrheitlich die Meinung vertreten, der Abriss der Mauer ist das, was im öffentlichen Interesse steht. Heutzutage fällt die Bewertung anders aus und mit der Mauer wird deshalb anders umgegangen.
    Schützenswert ist also, was im jeweils aktuellen Kontext als bedeutend für das 'öffentliche Interesse‘ eingestuft wird. :)

  12. 42.

    Habe eh nie verstanden, wie man ein so schönes Denkmal überhaupt abreißen konnte. Für mich hätte sie komplett stehen bleiben können :-D

  13. 41.

    Es muss doch bekannt sein, sonst wären doch keine Malereien auf dem Stück zu sehen. Und ich denke das es eher in Vergessenheit geraten ist.

  14. 40.

    Witzig, daß ausgerechnet in Sichtweite des VS ein Mauerstück jahrelang unentdeckt bleiben konnte.

  15. 39.

    Was ich noch sagen wollte: am witzigsten an der Touristenmauer fand ich, dass das Zalando-Gebäude direkt dahinter im Osten steht. So geht Kapitalismus.

  16. 38.

    "Mann o mann. Mann." Man hat ein Stück Mauer gefunden. Und das ist eine Sensation. Also: Wieviele Sensationen gab es da seit dem "Fall der Mauer?" Vielleicht eine liegende Mauer - oder doch vielleicht eine stehende? Sicherlich ist "Die Mauer" zum Teil in irgendwelchen Museen verschwunden, zum Teil einfach Straßenbelag daraus gemacht - und an jedes interessierte Kuhdorf in Deutschland als denkwürdiges "Kunstwerk" aus der DDR transveriert worden. Ist da vielleicht noch irgend ein Interessent, der das nun gefundene Stück in der Sendung "Bares für Rares" verhökern möchte?

  17. 37.

    Entweder:
    a) war früher alles besser

    und

    b) Sie haben es nicht geschafft, sich in von Westdeutschland übernommenen Gesamtdeutschland zu integrieren.

  18. 36.

    Bin Wessi und war kürzlich in Berlin, gar ncht so weit vom Fundort entfernt. Hab ihn natürlich nicht gesehen.
    Wir hätten nicht mal den offiziellen Mauerweg gefunden, wenn uns eine freundliche Dame in Kreuzberg nicht geholfen hätte. Das Verkehrsnetz und die Beschilderung in Berlin sind ein Irrgarten.

  19. 35.

    Sehr gut geschrieben! Vor allem das mit den Freimaurern hat mir gefallen. Verstehst - "gefallen" wie auch die Mauer zu großen Teilen. Übrigens ich war damals mit 14 Jahren im Ferienlager in Berlin - Hauptstadt der DDR, wie es offiziell hieß. Für alle jungen Leser Ost-Berlin (osten ist wenn man die Landkarte genordet sieht rechts - westen links und norden ist oben). Am Brandenburger Tor soweit man eben kam bis zu dem kleinen Zaun, der keinen Meter hoch war und dahinter die Sicherheitsmenschen in Uniform und Waffe. Nach der Wende bin ich dann mal durchgelaufen... Dieses Gefühl war unbeschreiblich und ich werde diesen Moment voller Zufriedenheit nie vergessen. Übrigens ist die Mauer nicht am 09.11.1989 gefallen! wer so eine Unsinn schreibt, könnte mal geschichtliche Nachhilfe gebrauchen. Am 09.11. wurden ein paar Grenzübergänge für DDR-Bürger geöffnet. Die Mauer fiel später und auch nicht an einem Tag. Viele Grüße und viel Spaß noch beim Lesen oder kommentieren

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