Isy (Milena Tscharntke, li) und Jonas (Michelangelo Fortuzzi) gehen zusammen zur Schule und sind beste Freunde seit Kindertagen. Isy ahnt nicht, dass Jonas ihr etwas angetan hat (Bild: rbb/Jana Lämmerer).
Audio: Kulturradio | 04.09.2018 | Frank Meyer | Bild: rbb/Jana Lämmerer

Interview | Regisseur Mark Monheim - Von wegen "Alles Isy"

Die 16-jährige Isy wird nach einer Party von drei Mitschülern vergewaltigt - diese Geschichte erzählt der rbb-Fernsehfilm "Alles Isy". Im Interview erklärt Regisseur Mark Monheim, warum er das Thema sexuelle Gewalt, gerade bei Jugendlichen, in den Fokus rückt.

rbb: Herr Monheim, am Mittwochabend wird Ihr Film "Alles Isy" im Ersten gezeigt. Die Idee zu diesem Film hatten Sie und Ihr Kollege Max Eipp aber schon vor zehn Jahren. Warum hat es so lange gedauert, das Thema umzusetzen? Hat das damit zu tun, dass keiner so recht ran wollten an dieses heikle Thema?

Mark Monheim: Ja, wir haben zwar immer wieder Interesse geweckt bei verschiedenen Sendeanstalten und haben auch immer wieder neue Drehbuchfassungen geschrieben. Aber letztendlich hat sich dann doch immer der Zweifel durchgesetzt. Erst der rbb hatte den Mut zu sagen, wir machen jetzt diesen Film.

In dem Film dreht sich viel um die Figur Jonas. Jonas ist Isys bester Freund, eigentlich ist er in Isy verliebt, aber dann er macht mit bei dieser Vergewaltigung. Später bereut er zutiefst, was er selbst getan und zugelassen hat. Warum haben Sie diesen Jungen so ins Zentrum der Geschichte gerückt?

Es sind ja drei Täter und auch drei sehr unterschiedliche Tätertypen. Das war uns wichtig. Denn wir wollten einen Film machen, der sich mit diesem sehr wichtigen Thema - sexuelle Gewalt - auseinandersetzt, aber wir wollten gleichzeitig keinen Themenfilm machen, der das so reportagehaft abhandelt. Deshalb haben wir nach einer Konstellation gesucht, an der man die ganzen Beziehungen erzählen kann, die durch diese Tat vergiftet und zerstört werden. Dafür war es wichtig, dass es auch eine Täterfigur gibt, die bereut.

Wobei Jonas bei der Vergewaltigung nicht nur so mitmacht, weil er dazu gedrängt wird: Er ist schon auch sehr wütend und verletzt. Er ist verliebt in Isy und hatte sich erhofft, dass auf der Party noch irgendwas passiert zwischen den beiden. Am Anfang liegen sie auch im Gras im Garten, das ist alles sehr romantisch. Doch dann kommt ein junger Mann auf die Party und er muss zusehen, wie Isy ihm um den Hals fällt und ihn küsst. Und ich glaube, eine Ursache von sexueller Gewalt ist oft, dass Männer sich zurückgesetzt fühlen und sich dann aus Wut an einem Mädchen oder einer Frau vergreifen.

Isy ist während der Vergewaltigung bewusstlos, weil sie zu viel getrunken und Drogen genommen hat. Deshalb kann sie sich nach der Nacht erstmal an gar nichts erinnern. Sie weiß auch lange Zeit nicht, von wem sie vergewaltigt wurde und will später auch - entgegen dem Willen der Mutter - keine Anzeige erstatten. Warum verhält sich diese Figur so?

Das ist bei Jugendlichen ein ganz häufiges, typisches Verhalten. Die Angst vor der sozialen Stigmatisierung ist unheimlich groß ist und so kurz nach der Tat hat sie deshalb den Wunsch, das Erlebte wegzudrängen. Das ist ein Dilemma, das Vergewaltigungsopfer oft haben, denn dieser Prozess hin zu einer eigenen Haltung, wie man mit der Tat umgeht, braucht oft viel Zeit. Aber drei, vier Monate später ist dann häufig die Beweislage so, dass man gar keine Chance mehr hat, die Tat irgendwie nachzuweisen.

Deshalb gibt es in Berlin zum Beispiel in der Charité die anonyme Spurensicherung. Dort haben Vergewaltigungsopfer die Möglichkeit, sich vertraulich untersuchen zu lassen und haben dann zwei Jahre Zeit, sich zu überlegen, ob sie Anzeige erstatten wollen und ob die Spuren vernichtet werden sollen. Allerdings ist das in Berlin für Minderjährige leider noch nicht möglich. Die Möglichkeit wird zwar in vielen Bundesländern zurzeit diskutiert, aber die Rechtslage ist bei Jugendlichen ein bisschen schwierig - und es fehlt wie immer das Geld. Es ist leider so, dass bei dem Thema sexuelle Gewalt mehr geredet wird, als wirklich aktiv passiert.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Frank Meyer.

Sendung: Kulturradio, 04.09.2018, 16:45 Uhr

Sie können das Original-Interview mit Klick auf das Audio-Symbol im Header nachhören. Die Onlineversion ist etwas gekürzt und redaktionell bearbeitet.  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren