Menschen blicken an der Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße in Berlin durch einen Mauerschlitz auf den ehemaligen Todesstreifen. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Audio: Inforadio | 18.09.2018 | Jan Menzel | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Streit um das DAU-Kunstprojekt - "Eine Mauer in Berlin sollte man verbieten"

Kronprinzenpalais, Friedrichswerdersche Kirche, Bauakademie - all das soll im Oktober von einer neu errichteten Mauer eingeschlossen werden, Zutritt nur mit Visum. Doch viele Berliner Kulturpolitiker können dem Kunstprojekt "DAU" nichts abgewinnen. Von Jan Menzel

Eigentlich ist er in einer Position, um alles mitzubekommen, was in der Stadt an Aufführungen, Ausstellungen und Inszenierungen läuft. Doch dass "die Absicht besteht, eine Mauer zu errichten", hat Frank Jahnke, der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, im Urlaub und aus der Zeitung erfahren.

Bei der "Visumspflicht" hört der Spaß auf

Die Mauer ist für den Charlottenburger Jahnke so ziemlich das Letzte, das er sich zurückwünscht. Und diese Skepsis zieht sich durch das gesamte politische Spektrum. Wenn Robbin Juhnke von der CDU sagt, dass bei diesem Thema "zwei Herzen in seiner Brust" schlügen, ist das schon das Maximum an Zuspruch, das die DAU-Macher erwarten dürfen.

Juhnke könnte sich zwar vorstellen, dass Berlin ähnlich profitieren könnte wie von der Reichstagsverhüllung. Aber bei der geplanten "Visumspflicht" für Besucher des Projekts hört für Juhnke der Spaß auf. Genau wie für den AfD-Abgeordneten Dieter Neuendorf. Als ehemaliger DDR-Bürger, dessen Familie getrennt in Ost und West war, habe er schmerzhafte Erfahrungen mit der Mauer gemacht, sagt er.

Banalisierung von DDR und SED-Regime als Happening

Florian Kluckert, Jahrgang 1975  und kulturpolitischer Sprecher der FDP, sagt, er fürchte die Banalisierung der DDR und das SED-Regime als Happening. Er könne sich die Kunstaktion nur vorstellen, wenn sie komplett umgeplant wird. Das Projekt an sich werde man nicht verbieten können, aber: "Eine Mauer in Berlin aufzubauen, das sollte man schon verbieten."

Allerdings werden es weder der künstlerische Wert, der angemessene Umgang mit der Geschichte oder die persönliche Betroffenheit sein, die über Wohl und Wehe des DAU-Projekts entscheiden. Die Vorsitzende des Kulturausschusses, Sabine Bangert (Bündnis90/Die Grünen), sieht es ganz nüchtern. Fakt sei, dass ein "Mammutprojekt" geplant sei, aber dass "allem Anschein nach" die Zeit zu kurz sei, "um eine dermaßen logistisch anspruchsvolle Projektumsetzung auch wirklich zu  gewährleisten".

    

Fachleute in den Behörden müssen entscheiden

In diese Richtung vorgebaut hatte bereits Verkehrssenatorin Regine Günther. Nur wenn die Fachleute in den Behörden sich absolut sicher seien, dass die Veranstaltung in geordneten Bahnen ablaufen könne, werde es eine Genehmigung geben, sagt die parteilose Politikerin. Wenn nicht, könnte sich die linke Kulturpolitikerin Regina Kittler auch  einen neuen Anlauf für das das Projekt im nächsten Jahr vorstellen, sagt sie. Dann stünde mit dem 30. Jahrestag des Mauerfalls außerdem ein rundes Jubiläum an.

Beitrag von Jan Menzel

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    So ein Quatsch. Ich bin auch sogenannter Westberliner und wurde direkt an der Mauer groß, deren Sinn ich durch die große Verwandtschaft in der DDR nie verstehen kann konnte, nie verstehen wollte.
    Ich bin froh dass diese Mauer nicht mehr existiert. Faschisten gibt und gab es auf beiden Seiten. Ich weise nur darauf hin, wie viele Richter u. hochgestellte Personen im Westen eine Nazivergangenheit hatten und haben. Also verschonen Sie uns doch bitte mit diesem schwachen Argument.
    Dieser von Ihnen benannte Schutzwall ist keine Kunst sondern die Verhöhnung aller Opfer. Dazu hat kein Künstler der Welt ein Recht, Opfer von Unrecht zu verhöhnen und zu diskreditieren; das unter dem Vorwand, der gerne öffentlich gemacht wurde.

  2. 6.

    Im künstlerischen SInne wird der "antifaschistische Schutzwall" wieder erbaut: Die Antifaschisten haben sich leider als Faschisten erwiesen und dürfen allesamt- hinter die Mauer zurück. Als gebürtige Westberlinerin wäre ich zutiefst erleichtert!

  3. 5.

    Berlin verkommt immer mehr zur Partystadt für Touristen und Zugezogene. Schade, dass auf die „echten“ Berliner nicht mehr Rücksicht genommen wird... ach ja, das ist nicht so lukrativ!

  4. 4.

    Irgendwie geschmacklos !

  5. 3.

    ..und als nächstes dann nen Freizeitpark Buchenwald? Bei aller Liebe zur Kunst, irgendwann sind Grenzen erreicht. Denkt bitte an die Opfer der Mauer und macht aus deren erfahrenem Leid kein Spiel und kein Touristen-Gag. Es gibt in Berlin genug zum Thema Mauer. Und zudem, könnte man das Geld nicht sinnvoller investieren?

  6. 2.

    Sollte ich in die Verlegenheit kommen, dort hin zu müssen, während dieses unsägliche "Projekt", welches eine Verhöhnung aller Maueropfer darstellt - und jemand wolle mir ein Visum o.Ä. aufzwingen oder mich am Weitergehen behindern wollen, würde ich Stante Pede die Polizei wegen Nötigung und dem Verdacht der Freiheitsberaubung anrufen.
    Dieses Monster darf nicht errichtet werden. Wenn dem der Senat zustimmt, oder irgendein Stadtrat, sicherlich einer der Zugezogenen, die mit Berlin familiär vllt nicht mal etwas zu tun haben, dann werde ich meine Geburtsstadt verlassen - meine Steuern gehören dann nicht mehr in diese Stadt.
    Sicher nur eine einzige (meine) Meinung - die hat auch kein Gewicht - aber solche Projekte versauen einem immer mehr die Lust daran, Berliner zu sein - Urberliner - langsam schäme ich mich dafür......

  7. 1.

    Eine Mauer zu karikieren und das bewusst als Satire zu lassen, das geht schon i Ordnung. Wie weiland in den 1980er Jahren seitens des Büros für ungewöhnliche Maßnahmen, als die aufgrund des Lummer´schen Ausspruches der Anti-Berliner eine Mauer zwischen den "Berlinern" und den "Anti-Berlinern", jenen eben in Kreuzberg, bauten.

    Das DAU-Kunstprojekt weckt allerdings andere Erwartungen und ich glaube, dass das nur schief gehen kann. Eingemauert wurden die DDR-Bürger und eingemauert wurden die West-Berliner. Die Erstgenannten, damit ihnen per verheißendem Selbstauftrag und wissenschatlichem Ausweis der Fortschritt beigebracht werden sollte, die Zweitgenannten, weil sie "Pfahl im Fleisch" waren.

    Sowohl die Erstgenannten als auch die Zweitgenannten fühlen sich durch das DAU-Projekt unverstanden. Weil das einfach nicht unter EINEN Hut passt.

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